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Feridun Zaimoglu – ein Dirigent der Worte

Literaturfestival in Neuruppin Feridun Zaimoglu – ein Dirigent der Worte

Wegen seiner blühenden Fantasie ist Feridun Zaimoglu schon im Grundschulalter aufgefallen. In Deutschland. Am Wochenende verzauberte der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller sein Publikum in Neuruppin: Zaimoglu eröffnete das vierte europäische Festival der Reiseliteratur mit einer Lesung aus seinem neuen Werk „Siebentürmeviertel“.

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Feridun Zaimoglu las in Neuruppin aus seinem Werk „Siebentürmeviertel“.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Trotz Problemen mit den Bahnanschlüssen hat er es geschafft: Am Morgen weilte Feridun Zaimoglu noch 600 Kilometer von Neuruppin entfernt im Taunus, am Freitagabend eröffnet der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller im Alten Gymnasium das vierte europäische Festival der Reiseliteratur „Neben der Spur“ in der Fontane­stadt. Zaimoglu, der in der Türkei geboren wurde, seit 1965 in Deutschland lebt und gleich mit seinem ersten Buch „Kanak Sprak“ bekannt wurde, befindet sich gerade auf Lesereise für sein neues Werk „Siebentürmeviertel“.

Flucht vor den Nazis nach Istanbul

Es ist „ein großer Start“ für das Festival, sagt Peter Bö­thig. Der Chef des Rheinsberger Tucholsky-Literaturmuseums ist einer der Organisatoren von „Neben der Spur“. 20 Autoren sind eingeladen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit den Themen Flucht, Migration und Ankommen in einer fremden Gesellschaft beschäftigen. „Auch die Literatur wird durch Menschen mit Migrationshintergrund bereichert“, sagt Böthig. Zaimoglu ist dafür nur ein Beispiel. In seinem Roman „Siebentürmeviertel“ schildert er die fiktive Geschichte von Franz und seinem Sohn Wolf, die Ende der 1930er Jahre aus Hitler-Deutschland nach Istanbul fliehen. Es ist verbürgt, dass seinerzeit mehr als 1000 Deutsche in die Türkei flohen, darunter Ernst Reuter, der nach dem Zweiten Weltkrieg erster Regierender Bürgermeister von West-Berlin wurde.

Vom Schuldirektor bloßgestellt, von der Lehrerin geschlagen

Zaimoglu hatte Lust, „Siebentürmeviertel“ zu schreiben. Das Thema Vertreibung kennt er gut: Seine Großmutter war Armenierin und überlebte den Völkermord von 1915-16; sein Großvater ein Tschetschene, der knapp der Stalinschen Deportation entging. Gleichwohl hat die Vorbereitung für Zaimoglus neues Buch ein Dreivierteljahr in Anspruch genommen. „Ich kann nur anfangen zu schreiben, wenn alles festgeklopft ist, alle Kapitel, alle Szenen“, sagt Zaimoglu. Er trinkt einen Schluck Wasser und fängt an zu lesen von Wolf, der sich in einer neuen Welt zurechtfinden und behaupten muss. Der vom Schuldirektor bloßgestellt und von der Lehrerin mit dem Zeigestock geschlagen wird. Zaimoglu betont jedes einzelne Wort. Eine Hand unterstreicht die Worte, wie ein Dirigent, der den Takt vorgibt. Die andere Hand hält das Wasserglas, aus dem er wieder kurz nippt. Zaimoglu macht neugierig auf sein 800 Seiten starkes Buch – und auf die Lesungen der anderen Autoren des Festivals.

Die Familiensaga „Siebentürmeviertel“ ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen, hat 800 Seiten und kostet 24.99 Euro.

Von Andreas Vogel

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