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Ferienlager Bork als Flüchtlingsheim

Winterquartier für Asylsuchende Ferienlager Bork als Flüchtlingsheim

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin will die Kinderferienanlage in Bork in seinen Notfallplan für Flüchtlingsunterkünfte aufnehmen, jedoch ausschließlich für die bevorstehende Winterzeit. Diese zeitliche Befristung betont auch der Betreiber des Ferienlagers. Es werde im kommenden Sommer „zu 100 Prozent“ durchgeführt.

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Das Bild entstand bei einer Besprechung vor den Sommerferien 2014. Es war die erste Saison unter der Regie der neuen privaten Betreiberfamilie. Diese verspricht jetzt: Das Ferienlager bleibt weiterhin erhalten.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Dutzende Flüchtlinge könnten schon in wenigen Tagen im Kinderferienlager im Kyritzer Stadtteil Bork unterkommen. Darüber sollen die Einwohner des kleinen Dorfes am Dienstag bei einer Versammlung informiert werden. Wie Landkreissprecherin Britta Avantario der MAZ auf Nachfrage bestätigt, wurden die Borker kurzfristig über diesen Termin informiert. Zugleich wird betont, dass der Kreis auf diese Immobilie „nur im Fall der Fälle“ zugreifen werde. „Die Unterkünfte in Bork sollen im Rahmen unseres Notfallkonzepts vorgehalten werden“, sagt die Sprecherin. Gemeint ist, dass es plötzlich eine Anzahl Flüchtlinge geben könnte, die angesichts der bevorstehenden Wintermonate dringend eine solche Unterkunft benötigen.

Dass die Bungalows nur bis zum Sommer für diesen Zweck bereitstehen, bekräftigte erst recht Walter Tiemeyer von der Betreiberfamilie der Anlage. Der bereits brodelnden Gerüchteküche, wonach das Ferienlager schon verloren gesehen wird, weil er nur „das große Geld“ wittere, entgegnet Tiemeyer: „Das Kinderferienlager findet auch 2016 zu 100 Prozent statt. Wir haben schließlich Verträge.“ Vereinbarungen mit dem Landkreis indes gebe es noch nicht. Und da im Winter alle Bungalows ohnehin leerstehen, fragt Tiemeyer: „Warum also nicht helfen?“

Das Geld kommt dem Betreiber gelegen

Zugleich räumt er ein, dass ihm das in Aussicht stehende Geld gelegen komme: „Wir könnten in der toten Jahreszeit Einnahmen erzielen, um damit endlich mit der Sanierung voranzukommen.“ Sämtliche Versuche, für eine Ferienanlage Geld bei Banken einzuwerben oder auch eine Förderung über die Stadt aus Landes- oder EU-Programmen zu akquirieren, seien schließlich gescheitert.

Tiemeyers übernahmen das Areal 2013 vom Kreisbauernverband Ostprignitz-Ruppin und erweiterten mit der Stadt Kyritz als Grundstückseigner den Pachtvertrag. Auch die Bungalows des einstigen Betriebsferienlagers „Blauer Anker“ der Kyritzer Stärkefabrik gehören dazu. Zu DDR-Zeiten wurden in Bork schließlich vier bis fünf Ferienlager parallel durchgeführt. Angehörige von Betrieben aus der gesamten Region und hauptsächlich aus der Landwirtschaft schickten ihre Kinder dorthin.

Wie die MAZ zudem erfuhr, wurden die Kyritzer Stadtverordneten im nichtöffentlichen Teil ihrer jüngsten Sitzung über das Vorhaben des Landkreises bereits in Kenntnis gesetzt. Das bestätigt der Stadtverordnetenvorsitzende Thomas Settgast (SPD) im Einvernehmen mit Bürgermeisterin Nora Görke. Denn es kam zu einer Beschlussfassung, wonach empfohlen wird, die Zahl der in Bork unterzubringenden Asylsuchenden im Verhältnis zur Einwohnerzahl zu begrenzen. 50 oder 60 Flüchtlinge in einem Dorf, in dem es gerade mal ebenso viele Einwohner gibt, könnten zu Konflikten führen. „In und um Bork herum gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten und es fährt so gut wie kein Bus“, sagt Settgast.

Einiges muss an den Häusern noch gemacht werden

Aus den Reihen des Betreuerteams, das mithelfen würde, sich um die Flüchtlinge zu kümmern, heißt es zudem: Fenster müssten erst erneuert werden, und die Elektroanlage sei nicht dafür ausgelegt, ausreichend viele Heizkörper anzuschließen. Ob und wann das Ferienlager als Winterunterkunft überhaupt taugt, scheint damit unklar. Ein Anreisetermin von Flüchtlingen soll sogar bereits verstrichen sein. Zu einem weiteren Rückzieher komme es laut Landkreis aber nicht: Erst vor kurzem verwarf Landrat Ralf Reinhardt die Idee, Neustadts Reitschüler-Internat Schloss Spiegelberg als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen (die MAZ berichtete).

Eines der vielen in Kyritz kursierenden Gerüchte wird nicht bestätigt. Dabei ging es um das leerstehende, frühere Schützenhaus an der Pritzwalker Straße. Wohl aber gibt es andere größere Objekte in Kyritz, die der Landkreis für Flüchtlinge im Blick hat, wovon die Öffentlichkeit aber erst zu gegebener Zeit erfahren dürfte. Ob noch zu errichtende Baracken auf der Festwiese mit der kreiseigenen Turnhalle nebenan samt Infrastruktur des ebenso benachbarten Kulturhauses oder etwa das Waldschulheim in Karnzow dazugehören, ist offen.

Von Matthias Anke

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