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Festakt für Kurt-Hermann Kühn

Neuruppin Festakt für Kurt-Hermann Kühn

Er hat die Wende nicht mehr erlebt; er hätte sie wohl auch nicht verstanden. Kurt-Hermann Kühn war ein Künstler mit vielen Facetten. 1989 starb er, 14 Tage nach der Einweihung der Fresken, die er für den Festsaal der Ruppiner Kliniken schuf. Zu seinem 90. Geburtstag trafen sich Freunde, Verwandte und Bewunderer zu einem Festakt.

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Die Tänzerinnen des Kurses von Gritt Maruschke umrahmen und mahnen mit einem Tanz der „Witwen von Guernica“.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Der Festsaal der Ruppiner Kliniken gleicht einer Ausstellung: auf Staffeleien stehen Frauenporträts – die Modelle Deutsche aber auch Syrerinnen. Dazu Marktszenen aus Damaskus, am Ende ein Tisch mit erotischen Zeichnungen aus dem Leben Casanovas – mit wenigen, gekonnten Strichen hingeworfen scheinen sie so lebendig, als wollten sie geradewegs vom Papier springen. Der Künstler, der all dies schuf, war Kurt-Hermann Kühn – in seinem Gedenken und anlässlich seines 90. Geburtstages versammelten sich um die 30 Freunde, Verwandte, Wegbegleiter und Kunstliebhaber am Sonnabend in eben jenem Festsaal, den Kurt-Herrmann-Kühn mit seinen Wandgemälden prägte, den er allerdings nicht mehr selber einweihen konnte, er starb 14 Tage nach der feierlichen Enthüllung.

„Danke an alle, die diesen Raum behütet haben“, sagt seine Witwe, Marianne Kühn-Berger beim Festakt sichtlich gerührt. Sie habe es noch vor Augen, wie ihr Mann in diesem Raum gearbeitet habe, viele Male vom Gerüst ab- und wieder aufgeklettert sei. „Manchmal lagen dazwischen nur zwei Pinselstriche.“ „Ich muss es bis September schaffen“, habe er vor der Vollendung oft gesagt – von der Krankheit schon gezeichnet und den Tod vor Augen.

Marianne Kühn-Berger beim Festakt

Marianne Kühn-Berger beim Festakt.

Quelle: Regine Buddeke

„Ohne das Schaffen von Kurt-Hermann Kühn wäre Neuruppin in vieler Beziehung ärmer und kulturloser“, umreißt es Gerhard Klier, Vorsitzender der Stadtverordneten, in seiner Festrede und lobt das Kliniken-Fresko als Werk mit vielen Denkanstößen. DDR-Vorgaben wie rote Fahnen oder Ärzte mit Stethoskop zu malen, habe Kühn stets vehement abgelehnt.

Sein Vater habe bis zum Tode nie begreifen können, dass die Idee, für die er lebte und arbeitete, versagt habe und wenig später zusammenbrechen würde, schildert es Kühns Sohn Andreas in seiner Laudatio. Für Kühn sei indes das Individuum stets das Größte gewesen – wie sein Werk zeigt, insbesondere seine emotionalen und emanzipierten Frauenbildnisse. „Wie hätte er heute gemalt, wenn er die DDR überlebt hätte?“, fragt er sich. Und wie hätte er auf die deutsche Beteiligung an den weltweiten Konflikten reagiert. „Schon für uns ist der syrische Bürgerkrieg unerträglich.“ Für Kühn, der oft in Syrien gewesen ist, das ihn faszinierte und inspirierte, wäre es wohl der Todesstoß gewesen, wenn er sehen müsste, was sich heute dort abspielt.

Von Regine Buddeke

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