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Fette Preise für die gute Butter

Neuruppin Fette Preise für die gute Butter

Die gestiegenen Butterpreise sind für die Bauern noch kein Grund zu großem Optimismus. Bei ihnen kommt von dem Geld nur wenig an. Sie bekommen derzeit 36 Cent für das Kilogramm Milch. Damit kommen sie gerade so klar, um wieder investieren zu können, benötigen sie mindestens 38 bis 40 Cent und vor allem wirtschaftliche Sicherheit.

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Jugendliche lernen im Jugendcamp wie Butter hergestellt wird. Kostbares Wissen, das vielleicht bald wieder genutzt werden wird.

Quelle: Peter Geisler,

Neuruppin. Seit Anfang September bezahlen die Kunden beim Discounter Aldi für 250 Gramm Butter 1,99 Euro. Molkereiunternehmen warnen bereits vor einer „Butterkrise“ und Preisen in Rekordhöhe zum Ende des Jahres. Milchexperten sprechen von leeren Lagern, da das Angebot derzeit nicht ausreiche, um die Nachfrage zu bedienen.

Entsetzen macht sich breit in Deutschland, einem Land, in dem jeder Mensch nach Angaben des statistischen Bundesamtes etwa sechs Kilogramm Butter pro Jahr verbraucht. Zum Vergleich: Der Fleischkonsum liegt bei 60 bis 62 Kilogramm pro Kopf im Jahr.

Mit einem Cholesterin-Gehalt von 220 Milligramm pro 100 Gramm galt Butter lange als ungesunde Fettbombe. Ihren schlechten Ruf hatte sie aber nach aktuellen Untersuchungen zu Unrecht. Viele Ernährungswissenschaftler gehen heute davon aus, dass Cholesterin aus Milchfetten für gesunde Menschen unbedenklich ist. Außerdem enthält Butter ein gutes Verhältnis von ungesättigten und gesättigten Fettsäuren. In Maßen sind Butter, Vollmilch und fettreicher Käse erwiesenermaßen gut für den Körper. Es handelt sich also um Fett, das man zu den hochwertigen Lebensmitteln zählen kann.

Elf Liter Kuhmilch für ein Pfund Butter

Ein Pfund Butter wird aus dem Rahm von rund elf Litern Kuhmilch gewonnen. Die Milch von Bio-Kühen enthält deutlich mehr gesunde Fettsäuren als konventionelle Milch und die Bio-Butter unterliegt besonders hohen Anforderungen. Sie muss beispielsweise zu 100 Prozent aus einem ökologisch kontrollierten Betrieb stammen. Und dort sind Pestizide grundsätzlich verboten.

„In den vergangenen vier Monaten ist der Butterpreis bei uns um 80 Cent gestiegen“, sagt Holger Hannemann vom Neuruppiner Naturkostladen Grünkern. „Es heißt ja immer, der Verbraucher ist bereit, für gute regionale Lebensmittel auch mehr zu bezahlen“, sagt Michael Brinschwitz, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin. „Hier kann er es mal beweisen.“ Nun ist die Nachfrage nach Fett tatsächlich weltweit gestiegen. „Die Lebensgewohnheiten der Menschen scheinen sich zu ändern“, sagt Christoph Ziems, Geschäftsführer der M&F-Agrargesellschaft. „Die Verbraucher schauen nicht mehr vorwiegend auf fettreduzierte Nahrungsmittel.“

Für die Milchbauern ist der gestiegene Butterpreis kein Grund zum Jubeln, allenfalls ein Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Nach Auffassung von Lars Schmidt, der als Vorstandsmitglied im Landesbauernverband Brandenburg für das Thema Milch zuständig ist, wurde die Butter in den vergangenen Jahren „deutlich unter Wert verramscht“ und noch vor einem Jahr habe sich der Butterpreis auf einem historischen Tiefstand befunden.

Bauern bekommen 36 Cent pro Kilogramm Milch

Die Bauern bekommen derzeit einen Preis von 36 Cent pro Kilogramm Milch ausgezahlt. „Nach der ruinösen Talfahrt von 18 bis 20 Cent ist das eine deutliche Erholung, aber die Verluste der vergangenen zwei Jahre können damit nicht abgedeckt werden“, sagt Brinschwitz. „Damit kommen wir gerade so klar“, sagt Christoph Ziems vom Wustrauer Agrarbetrieb, der zurzeit 400 Milchkühe besitzt. Der Geschäftsführer wünscht sich vor allem bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Milcherzeuger. „Was wir für unsere Milch bekommen, erfahren wir immer erst zwei Wochen vorher“, sagt er. „So kann doch keine Firma planen. Die Molkereien hingegen tragen kaum ein Risiko, sie verdienen trotzdem ihr Geld. Das Risiko liegt bei uns. Um nachhaltig produzieren zu können, benötigen wir mindestens 38 Cent pro Kilogramm Milch.“

Auch wenn der große wirtschaftliche Druck erst einmal von den Schultern der Bauern genommen ist, so wünschen sie sich doch feste vertragliche Beziehungen zwischen Abnehmern und Landwirten. „Nach der Krise ist vor der Krise“, sagt Brinschwitz. „Über dieses Thema, mit dem sich zurzeit auch das Bundeskartellamt beschäftigt, wird allerdings schon lange diskutiert. Wir hoffen, dass jetzt mehr Bewegung in die Sache kommt.“ Aufgrund der Milchkrise hat das Bundeskartellamt zu Beginn des Jahres die Lieferbedingungen für Rohmilch beleuchtet und Vorschläge für zukunftsfähigere Lieferbeziehungen entworfen. Darin werden unter anderem Festpreisvereinbarungen vorgeschlagen sowie eine Festlegung der Preise vor der Lieferung.

Für Michael Brinschwitz sind langfristige stabile Milchpreise und Verträge mit den Molkereien Grundvoraussetzungen dafür, dass Milchbauern auch wieder den Mut haben zu investieren. Christoph Ziems hat seine Melkanlage im Auge, die dringend einer Erneuerung bedarf. Solange die Preisregelung so unsicher ist, ist das schwierig.

Von Cornelia Felsch

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