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Feuerteufel gesteht 7 Brandstiftungen

Prozess in Neuruppin Feuerteufel gesteht 7 Brandstiftungen

Er hat mehrere Autos, einen Bus und einen Laster angezündet, der Gasflaschen geladen hatte. Vor Gericht hat ein 31-jähriger Ex-Feuerwehr aus Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) die Taten in seiner Heimstadt nun gestanden. Auch zu seinem Motiv hat der Angeklagte sich geäußert. Es gab erstaunliche Einblicke in sein Seelenleben.

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Ein Bus sowie ein mit Gasflaschen beladener Lkw brannten am 3. Oktober 2014 auf dem Parkplatz Wässering in Kyritz. Es gab mehrere Explosionen.

Quelle: André Reichel

Neuruppin. Den Kopf hinter einer Akte verborgen, betritt der 31-jährige Christoph M. den Gerichtssaal. Er will dem Blitzlichtgewitter der zahlreichen Kameras entgehen, die auf ihn gerichtet sind. Das Medieninteresse an dem Kyritzer ist groß. Immerhin soll er für mehrere Brandstiftungen, die die Stadt Kyritz zwischen dem 14. September 2014 und dem 21. Juni vergangenen Jahres in Atem hielt, verantwortlich sein. Sieben Fälle legt ihm die Staatsanwaltschaft zur Last.

Dafür muss sich Christoph M. seit Montag vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Dass sich ein Geständnis strafmildernd auswirkt, hatte sich der Angeklagte nach einer ersten Ankündigung, vorerst nichts sagen zu wollen, wohl zu Herzen genommen – er gestand, die Brände gelegt zu haben. Als Motiv gab er an, „Stress auf der Arbeit“ gehabt zu haben.

Immer dieselbe Vorgehensweise

Die Vorgehensweise war immer dieselbe. Der als Lagerist bei einer Kyritzer Firma beschäftigte Angeklagte verbrachte die Feierabende in der Regel bei Freunden mit Playstation spielen, Fernsehen, erzählen und Bier trinken. Auf dem Heimweg entschloss er sich dann, offensichtlich spontan zu den Brandlegungen. Innerhalb eines Monats steckte er mit einem Feuerzeug den VW-Käfer des Gartennachbarn seiner Eltern in Brand. Das Feuer griff auf den danebenstehenden Wartburg über. Zwei Wochen später schlug er bei zwei Autohäusern zu. Dort gingen vier Wagen in Flammen auf. Christoph M. hielt ein Feuerzeug an ein Kunststoffteil, den sogenannten Schmutzfänger.

Zerschmolzene Mülltonnen in einer Abfallstation

Zerschmolzene Mülltonnen in einer Abfallstation.

Quelle: Matthias Anke

„Es brannte noch nicht richtig. Aber der Kunststoff fing an zu tropfen“, sagte er. Das war für ihn das Zeichen, dass die Sachen Feuer gefangen hatten. Er verließ den Tatort, bevor alles in hellen Flammen stand, und fuhr nach Hause zu seinen Eltern, wo er lebte. Jedenfalls bis zum 5. August vergangenen Jahres. Seitdem ist er in Untersuchungshaft.

Bei allen von ihm gelegten ­Bränden war der Ex-Feuerwehrmann anschließend bei den Löscharbeiten zugegen, zusammen mit den Kameraden, mit denen er vorher den Abend zugebracht hatte.

Bus ging in Flammen auf

Am 2. Oktober 2014, wieder nach einem Abend in geselliger Runde, steckte er auf einem Parkplatz in der Kyritzer Innenstadt einen Bus an. Dabei geriet auch ein mit Gasflaschen beladener Lastwagen in Brand, wobei es mehrere Explosionen gab. Dass der Fahrer gelegentlich in seinem Fahrzeug übernachtete, habe er erst später erfahren, so Christoph M. Er sei davon ausgegangen, dass niemand sich in den Fahrzeugen befand, weil er wusste, dass die Fahrer aus Kyritz kommen. Der Angeklagte verließ den Tatort, nachdem er eine kleine Flamme sah. Kurz darauf rief er seinen Freund und Feuerwehrkameraden Florian L. an, dass es „nach verbranntem Gummi rieche“. Zehn Minuten später kam der Alarm.

Ob Christoph M. Probleme gehabt hat, konnte Florian L., der am Montag als Zeuge gehört wurde, nicht sagen. „Wir haben privat eher selten gesprochen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er sehr unter der Trennung von seiner Freundin gelitten hat.“ Dass ihn das Beziehungsende stark belastet hat, hatte auch die mit dem Angeklagten befreundete Zeugin Christin K. nicht mitbekommen.

Die Objekte zufällig ausgesucht

Einige Tage, nachdem der Bus brannte, gab es wieder ein Feuer, diesmal in der Abfallstation „Strüwe“. „Ich bin ziellos durch die Gegend gefahren“, erinnerte er sich. Warum er ausgerechnet bei der Abfallannahmestelle hielt, konnte er nicht sagen. „Das war reiner Zufall.“ Durch ein Loch im Zaun kam er auf das Gelände. In einer Halle steckte er Mülltonnen an. Den ebenfalls verbrannten Radlader wollte er nicht auf seine Kappe nehmen, den habe er nicht angezündet.

Dann war anderthalb Monate Ruhe, bevor er erneut zuschlug. „Ich hatte wieder Stress auf der Arbeit und mit meinem Chef.“ Er setzte einen auf einem Betriebsgelände abgestellten Wagen in Brand. Bis zur nächsten Tat vergingen über sieben Monate. Nach einer Feier im Garten seiner Eltern zündete er im Juni 2015 die Dachpappe eines alten Garagenkomplexes an. Ob hier Auslöser für die Brandlegung die Abfuhr eines Mädchens an jenem Abend war, ist offen. Er wurde bei der Brandstiftung beobachtet, konnte allerdings unerkannt entkommen. Alkohol spielte bei allen Fällen eine Rolle, in welchem Maße, dazu wird sich der psychiatrische Gutachter ebenso wie zur möglichen Motivation des Angeklagten äußern.

Am Freitag wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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