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Feuerwehr: Ohne Fortbildung keine Einsätze

Wittstock Feuerwehr: Ohne Fortbildung keine Einsätze

Die Feuerwehr ehrte verdiente Mitglieder und beförderte einige. Zwei Männer sind schon seit 70 Jahren dabei. Die ehrenamtlichen Mitstreiter leisten viel für die Gesellschaft. Dennoch gibt es einige Probleme mit der Einsatzbereitschaft.

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Quelle: Gerd-Peter Diederich

Wittstock. Wieder hat die Freiwillige Feuerwehr Wittstock mit sechs in die Alters- und Ehrenabteilung des Feuerwehrverbandes verabschiedeten sowie sieben ausgetretenen Aktiven mehr Mitglieder verloren, als sie mit den elf aufgenommenen Feuerwehrleuten dazu gewonnen hat. Die Belastung der ehrenamtlichen Aktiven sei an der Grenze, betonte Stadtbrandmeister Sven Scheer in der Jahreshauptversammlung der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wittstock am Freitagabend im vollen Rathaussaal in Wittstock.

Er würdigte die gute regionale Wirtschaftslage, wodurch auch die meisten aktiven Feuerwehrkameraden durchgehend berufstätig seien. „Wer Arbeit hat, hat dann meistens so viel Arbeit, dass er mit aktiver Ehrenarbeit in der Feuerwehr Mühe hat. Dann auch die Familie noch unter einen Hut zu bringen, ist schon eine große Herausforderung“, sagt Scheer.

In seinem Bericht wies der Wehrführer auf den weiter anwachsenden Altersdurchschnitt in der Wittstocker Feuerwehr hin, zu wenig junger Feuerwehrnachwuchs rücke nach. An Wochenarbeitstagen werde es problematisch, genügend Kräfte tagsüber bei Alarmierungen kurzfristig für Einsätze verfügbar zu haben. Er sei froh, bei 253 derzeit aktiven Feuerwehrleuten wochentags noch 40, höchstens 50 ausgebildete Mitstreiter zusammenzubekommen.

Burkhard Schultz, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in Wittstock, dankte den Feuerwehr-Aktiven für ihre unentgeltliche Ehrenarbeit. Schultz geißelte den wachsenden Egoismus. „Jeder erwartet und fordert sofortige Hilfe von Anderen, aber hat selbst keine Zeit, anderen zu helfen“, so sein Fazit. Dabei sei der Gründungsgedanke der Freiwilligen Feuerwehren, dass man nur gemeinsam stark genug ist, um das Gemeinwohl zu behüten. Dabei könne jeder als Spezialist auf seinem Gebiet mitwirken. „Als Stadtpolitiker können wir Technik und Geld bereitstellen helfen, jedoch nicht die Menschen, die alles bedienen und beherrschen. Wir müssen alle Register ziehen, um Feuerwehr attraktiv darzustellen“, fordert Schultz. Dafür würde er sogar volksfestähnliche Veranstaltungen unterstützen, wenn sie zur Nachwuchsgewinnung beitragen.

Kreisbrandmeister: Alarmierende Personal-Situation

Kreisbrandmeister-Stellvertreter Olaf Lehmann bestätigte die alarmierende Personal-Situation in Wittstock und erinnerte an die Situation Ende Dezember in Neuruppin beim Brand in einem Senioren-Wohnheim, zu dem über 140 Einsatzkräfte kurzfristig und dringend als Retter für die Evakuierung der Heimbewohner gebraucht wurden. Eine solche Lage mag er sich im Bereich Wittstock derzeitig an einem normalen Arbeitstag nicht vorstellen und muss doch darauf vorbereitet sein. Für Wittstock müsse eine Lösung gefunden werden, die Nachwuchsgewinnung sieht er jedoch als Pflichtaufgabe in der Verantwortung der Stadtgesellschaft, keinesfalls bei den Aktiven der Feuerwehr.

Sven Scheer legte Rechenschaft zum Ausbildungsstand ab. Die meisten Mitglieder erfüllten 2016 die Fortbildungsanforderungen. Doch 90 Mitglieder haben gravierende Fortbildungsversäumnisse, die nicht hinnehmbar seien. „Kameraden ohne Erfüllung der Mindestanforderung von 40 Fortbildungsstunden im Jahr werden von Einsätzen ausgeschlossen, bis sie den Nachweis der erfüllten Fortbildung geliefert haben“, sagt Scheer.

Der Bürgermeister Jörg Gehrmann (r) beglückwünschte Anwärter, die nach erfolgreicher Ausbildung  befördert wurden

Der Bürgermeister Jörg Gehrmann (r.) beglückwünschte Anwärter, die nach erfolgreicher Ausbildung befördert wurden.

Quelle: Gerd-Peter Diederich

Die Idee von Bürgermeister Jörg Gehrmann, geleistete Einsatzstunden ebenfalls als Aus- und Fortbildung anzurechnen, wurde sofort vom Kreisfeuerwehrverband abgewiesen. Kreisbrandmeister Lehmann betonte die Pflicht zur Fortbildung, die nicht verhandelbar sei. Trotz Personalknappheit dürfen entsprechend qualifizierte und ausgerüstete Feuerwehrkameraden eingesetzt werden, die alle Anforderungen und ihre Technik beherrschen. Es werde verkannt, dass sich diese Menschen oft genug in sogar teils lebensgefährliche Situationen begeben. Zu Scheers Warnung, dass auch die Anzahl der einsatzbereiten Atemschutzgeräteträger aus gesundheitlichen und Altersgründen schon bedrohlich sinke, hatte jedoch auch Lehmann derzeit keine Lösungsidee. Das Thema soll in der Kreiswehrführung dringend beraten werden.

Anerkennung beim Kreis findet hingegen das politische Engagement der Wittstocker Stadtverordneten für ihre Freiwillige Feuerwehr. Dass jährlich ausreichende Finanzmittel für Investitionen und die Ausrüstungserneuerung der Feuerwehr zur Verfügung gestellt werde, sei nicht überall üblich. Das Geld werde jedoch nicht für die Feuerwehr, sondern für den Erhalt ihrer Leistungsfähigkeit zum Nutzen für die Menschen in dieser Stadt bereitgestellt.

Von Gerd-Peter Diederich

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