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Ostprignitz-Ruppin Film über Täter am Ort der Opfer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Film über Täter am Ort der Opfer
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18:48 29.05.2017
Filmemacher Martin Gressmann. Quelle: Christamaria Ruch
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Am Gedenkort für die Opfer einen Film über die Planungszentrale der Täter zeigen. Nur auf dem ersten Blick scheint sich dieser Ansatz auszuschließen. Doch ohne Täter gibt es keine Opfer. Das gilt zu jeder Zeit. Die Gedenkstätte Todesmarsch Belower Wald erinnert an das letzte Kapitel der Nazidiktatur: Zwischen 16 000 und 18 000 Häftlinge aus Sachsenhausen lagerten vom 23. bis 29. April 1945 ohne Unterkunft und Versorgung im Belower Wald. Gedenkstättenleiterin Carmen Lange lud am Sonntag Besucher zur Filmschau ein. Der Dokumentarfilm „Das Gelände“ widmet sich in einer Langzeitstudie von 1986 bis 2013 dem Weg, wie aus einem der düstersten Kapitel des Nationalsozialismus eine Gedenkstätte wurde. Mit „Das Gelände“ ist die Berliner Zentrale der Gestapo und der Reichsführung SS gemeint. Dort wurden von 1933 bis 1945 Terror und Völkermord geplant, verwaltet und ausgeführt – dazu gehörte auch der Todesmarsch zum Belower Wald. Seit 2010 ist an dieser historischen Stätte in Berlin das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors angesiedelt.

Filmemacher Martin Gressmann lässt über einen Zeitraum von 27 Jahren die Bilder sprechen: Ein kleiner Wald entsteht, Gebäude kommen und gehen und am Ende führt der dritte Architekturanlauf 2010 zum Dokumentationszentrum.

Martin Gressmann und Andreas Nachama, geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin, standen am Sonntag nach der Filmschau mit den neun Zuschauern im Gespräch. Andreas Nachama erinnerte: „Erst Ende der 1970er Jahre setzte in Deutschland die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte ein. Das war gesellschaftlich bedingt.“ Zunehmend tauchte damals die Frage in der Bevölkerung auf: „Wo war die Terrorzentrale in Berlin? – denn es gab an dieser Stelle nur Schuttberge.“ Im Falle vom „Gelände“ erläuterte Martin Gressmann: „Hier setzten sich Historiker mit den Tätern auseinander. Es war ein langer Prozess, bis dazu ein normaler Zugang möglich wurde und eine wissenschaftliche Herangehensweise erfolgte.“ Und: „Logisch, dass zunächst Opferforschung erfolgte, dann setzte in den 1980er Jahren die Täterforschung ein.“ Ina Muhß aus Wittstock merkte an: „Die Teilung Berlins half damals, das Gelände zu erhalten, das war eine historische Chance.“

Das Gelände „redet nicht mehr“

Martin Gressmann formulierte am Ende des Films zwei unterschiedliche Sichtweisen, die beide zutreffen: Zum einen hat „Das Gelände“ mit der Eröffnung vom Dokumentationszentrum Topographie des Terrors „seine Spannung verloren, es redet nicht mehr.“ Andererseits „hätte sich niemand träumen lassen können, dass von diesem Ort der Ausstellung einmal die Welt redet.“ Eine Besucherin befürwortete am Sonntag ausdrücklich die Neugestaltung des Areals: „Wenn das Gelände so belassen worden wäre mit dem Wäldchen und Schuttbergen, würde auch die Betroffenheit irgendwann verschwinden.“ Für Andreas Nachama bedeutet die Ausstellung „einen Zugang auf Augenhöhe , das zeichnet das Gelände aus. Denn der analytische Zugang zu den Strukturen der Täter ermöglicht eine andere Geschichtsbetrachtung.“ Peter Küffer wohnt in der Nähe von Zürich (Schweiz), verbringt derzeit seinen Urlaub in der Region und sah sich ebenfalls den Film sowie die Gedenkstätte in Below an. „Der Todesmarsch war mir bisher unbekannt, doch hier wird eindrücklich daran erinnert.“ Und: „Das ganze Ausmaß der Geschichte wird erst sichtbar, wenn man sich Stätten wie diese und solche Filme ansieht.“ Er räumte ein, dass es „wahrscheinlich einen gewissen Grad an Reife und Jahren erfordert, um die gesamte Tragweite zu erkennen.“

Info Führungen, pädagogische Arbeit und Zeitzeugengespräche in der Gedenkstätte Belower Wald erfolgen nach telefonischer Voranmeldung unter 039925/24 78. Das Büro und die Information sind montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Die open-air-Ausstellung kann jederzeit besucht werden.

Von Christamaria Ruch

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