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Filmpremiere mit Flüchtlingsliedern

Kyritz Filmpremiere mit Flüchtlingsliedern

Die Prignitzer Künstlerin Annett Glöckner ließ während mehrerer Gesangsprojekte, die sie mit Flüchtlingen unternahm, die Kamera laufen und erstellte daraus sieben Episoden. Angefangen hatte alles damit, dass sie zumeist älteren Geflüchteten Deutschunterricht gab. Der nun fertige Film wird am Freitag in Wittstock gezeigt, danach in Neuruppin und Kyritz.

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Annett Glöckner (l.) mit Flüchtlingskindern im Mai in Kyritz. Was kaum einer bemerkte: Glöckner filmte alles – für ihr neues, jetzt fertiges Projekt.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Neuland. Das wäre ein sicherlich schöner Titel gewesen für den Film, den die Prignitzer Künstlerin Annett Glöckner am Freitag in Wittstock zeigt und anschließend auch in Neuruppin und Kyritz. Doch sie fand einen viel besseren, schließlich steckt sie ja unmittelbar in der Materie. „Liebe kannst du nicht verstecken“, heißt das Projekt, das vielmehr sogar aus sieben einzelnen Filmen besteht, die sich auch als Episoden verstehen lassen. In ihnen allen geht es schließlich um Lieder in arabischer und deutscher Sprache.

Die Akteure sind Einheimische aus der Region zwischen Lindow und Lenzen, vor allem aber auch Flüchtlinge, die in eben jenem Gebiet nun strandeten und hier Neuland betraten. Ein solches Neuland betrat zugleich aber auch Annett Glöckner mit ihrem Projekt. Sonst Lieder und Texte im Mittelpunkt ihres Schaffens, kam nun die Dimension Film hinzu, deren Inhalt ebenso neu ist seit nunmehr etwa einem Jahr: Die Arbeit mit den Flüchtlingen eben. Träger des Lieder-Filmprojektes ist der Verein Esta-Ruppin. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Programm „Demokratie leben!“ im Landkreis OPR und dem Ostprignitz-Ruppiner Lokalen Aktionsplan „Toleranz verbindet“.

Von „Ode an die Freude“ zum Titel „Weinbeeren-Kern“

„Angefangen hatte alles mit der Hauswand in Kyritz“, erklärt die Künstlerin und meint damit einen mit der Hand in weißem Acryl auf die Dachpappe beschriebenen Giebel in einem Hof an der Schulstraße. Bei diesem Projekt namens „Ich möchte gern“ äußerten Menschen aus der Region auf diese Weise voriges Jahr ihre Wünsche. Teil 2 dieser Dichterkunstaktion folgte dieses Jahr in Neuruppin. „Über den Verein Esta-Ruppin wurde die Bitte an mich herangetragen, noch mehr Flüchtlinge einzubinden.“ Nichts leichter als das: Annett Glöckner gab seit dem vergangenen Winter in Wittstock Flüchtlingen im Alter von 19 bis 60 Jahren Deutschunterricht. Und: „Weil ich ja keine Lehrerin bin, sondern Künstlerin, machte ich das auf meine Art.“ So wurde gedichtet und gesungen. Das erste Lied, das oft gesungen wurde schon ab der ersten Stunde, heißt „Liebe kannst du nicht verstecken“, ein arabisches Lied. Hinzu kamen Beethovens „Ode an die Freude“ oder auch „Am Fenster“ von City. Im Unterricht, aber auch unterwegs, lief hin und wieder die Kamera mit.

So entstand die erste der sieben Episoden auch unmittelbar im Deutschunterricht. „Weinbeeren-Kern“ lautet der Titel.

Lied 2 hatte eine kleine Premiere bereits in der Öffentlichkeit, aber eben nur gesungen. Dass die Kamera mitlief bei dieser Aktion in einer früheren Kyritzer Kneipe anlässlich des landesweiten „Tages des offenen Ateliers“ im Mai dieses Jahres, dürfte kaum einer mitbekommen haben. Annett Glöckner filmte sich und einige Kinder ihrer aus Syrien stammenden Schüler, wie sie in englischer, deutscher und auch arabischer Sprache das in Syrien berühmte Lied „Gib uns die Kindheit“ sangen. In den leeren Räumen einer Kneipe, in der in unbeschwerten, jahrzehntelangen Zeiten Geschichten ausgetauscht wurden und in denen nichts mehr an eine Gastwirtschaft erinnert, hallten nun mahnende Strophen aus Kinderkehlen.

Neuruppins Promenade, Blumenthals Aussichtsturm und Gantikow

Ein drittes Lied heißt „Papierflieger“, entstand an der Neuruppiner Seepromenade, auch am Blumenthaler Aussichtsturm – von wo aus Papierflieger in die Luft starteten.

Am Gantikower See indes entstand der Film zum Lied „Meer“: Ein Flüchtling ohne Arm steht singend am Ufer, während andere auf dem Wasser in Ruderbooten vorbeiziehen.

„Zwei Männer, zwei Lieder“ lautet der fünfte Teil des Films, wobei einer einen Apfel schält und singt, gefilmt von Annett Glöckner. Davon beeindruckt, suchte sie sich einen älteren deutschen Mann und bat ihn, ebenso zu singen.

Nach Lied 6 mit dem Titel „Robin Hood“, wo es zum Bogenschießen in den Wald ging, folgt das dem Gesamtfilm den Namen gebende Lied „Liebe kannst du nicht verstecken“. Die Szenen hierfür entstanden an der sogenannten Europabank am Wittstocker Scharfenberg sowie bei einer Fahrt an die Ostsee. Ebenso soll zu sehen sein, wie die kleine Filmcrew jeweils Einheimische traf, die zuhörten, mitsangen oder sogar noch eigene Lieder hinzufügten.

Nach dem siebenteiligen Film gibt es Gesprächsrunden

Mit Flüchtlingen, Kindern wie Erwachsenen, deren arabische Lieder zu singen, ins Deutsche zu übersetzen und erneut zu singen und das alles noch zu filmen, war Neuland genug. Den Filmschnitt und alles, was mit Technik zu tun hatte, überließ Annett Glöckner daher besser ihrem Sohn Otto. Bei den Übersetzungen halfen Abdullah Alyosef, Hanan Ksibi, Luna Shaya und Maher Azzam.

Was am Ende nun entstand, wird demnächst in Wittstock, Neuruppin und Kyritz nicht nur schlicht zu sehen sein. Es soll anschließend jeweils auch Gespräche geben. „Ich bin gespannt auf das Feedback. In einem nächsten Schritt würden wir das Material nämlich auch im Internet veröffentlichen wollen.“ Doch ob das Projekt eben überhaupt ankommt bei den Menschen, das soll mit den Filmvorführungen ausgelotet werden.

Von Matthias Anke

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