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Ostprignitz-Ruppin Sauerstoff wird für die Fische knapp
Lokales Ostprignitz-Ruppin Sauerstoff wird für die Fische knapp
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00:18 07.08.2018
Die Trockenheit sorgt für niedrige Pegelstände in den Gewässern. Im Rhinluch wird die Wasserknappheit in den zahlreichen kleinen Gräben jetzt besonders deutlich. Quelle: Cornelia Felsch,
Neuruppin

Der Sommer meint es in diesem Jahr besonders gut mit den Badefans. Seen und Flüsse haben sich früh erwärmt, auch die Badestrände im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind überfüllt.

Doch die anhaltenden heißen Temperaturen machen bereits in vielen Gewässern bundesweit den Fischen zu schaffen und führen mancherorts zum Massensterben. In Berlin mussten große Mengen tote Fische entsorgt werden, ebenso im Hamburger Hafengebiet. In den vergangenen Tagen kam es auch in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin zum Fischsterben bei Fehrbellin und an der Dosse.

Der Ruppiner See ist tief genug

Je wärmer die Gewässer sind, desto weniger Sauerstoff können Fische aufnehmen. Generell sind Fische in flachen Gewässern und solchen mit wenig Bewegung besonders gefährdet. Auch die Landwirtschaft im Umfeld spielt wegen des Nährstoffeintrags eine Rolle.

„Bei uns ist alles gut“, sagt Fischer Rüdiger Purand. „Der Ruppiner See ist tief genug, da ist noch nie was passiert“, sagt der Berufsfischer, der seit über 40 Jahren auf dem See bei Neuruppin fischt und jetzt mit seinem Sohn Michael zusammenarbeitet. Allerdings wurde vor einigen Wochen der Wasserzulauf vom Ruppiner See in Richtung Rhinluch gedrosselt. So konnten die derzeit niedrigen Pegel in den Seen gestoppt werden.

In einigen Teichen kam es bereits zum Fisch-Sterben. Quelle: dpa

Im Rhinluch macht sich die Wasserknappheit jedoch jetzt besonders bemerkbar. Ein Wehr, bei dem der Durchfluss minimiert wurde, verstopfte, so dass kein Frischwasser mehr zufließen konnte. Am Schwarzen Graben zwischen Fehrbellin und Manker kam es dadurch zum Fischsterben. Hunderte Fische sind dort verendet. „Wenn es weiterhin so trocken bleibt, wird keine Besserung der Situation eintreten“, sagt Helmut-René Philipp vom Wasser- und Bodenverband Rhin-Havelluch. „Bei einer Verdunstung von vier bis sechs Litern pro Tag, bringen die relativ geringen Niederschläge keine Entspannung.“

In Zippelsförde läuft es gut

„Es ist schwierig, sich auf die extremen Wettersituationen einzustellen“, sagt Gernot Elftmann vom Wasser- und Bodenverband Dosse-Jäglitz. Noch zu Beginn des Jahres standen landwirtschaftliche Flächen unter Wasser und bereiteten den Landwirten Probleme. „Wenn man geahnt hätte, dass es in diesem Jahr derart trocken wird, hätte man vielleicht die eine oder andere nasse Stelle in Kauf genommen.“

Rüdiger Purand ist Fischer in Neuruppin. Quelle: Peter Geisler

Während auch Fischaufzuchtbetriebe – zum Beispiel in Sachsen – Probleme melden, sieht es beim Fischereibetrieb in Zippelsförde gut aus. „Noch bringt der Rhin genug Wasser“, sagt Fischereimeister Andreas Hoesl, der seit Ende der 70er Jahre in dem Betrieb arbeitet. In Zippelsförde treibt der Rhin das sauerstoffreiche Wasser durch die Betonbecken, in denen sich seit sechs Jahren Sterlets und Beluga-Störe tummeln. 2011 hat die International Caviar Corporation die Fischzuchtanlage übernommen. „Wenn es Probleme mit der Wasserqualität in den Becken geben sollte, dann kann ich das durch die Besatzmenge regeln“, sagt Andreas Hoesl.

Vielfalt an Fangmöglichkeiten

Das Geschäft mit dem Kaviar ist aber nur ein Standbein des Betriebes. Forellen, Saiblinge, Welse und Karpfen, bieten dem ambitionierten Angler eine Vielfalt an Fangmöglichkeiten. „Allerdings beißen die Fische jetzt schlechter.“

Andreas Hoesl von Fischzucht Zippelsförde Quelle: Peter Geisler

Guido Pfefferkorn, Fischer aus Altfriesack sorgt jetzt mit Lüftern für bessere Lebensbedingungen in seinem Teich. „Kritisch für die Fische ist weniger die Sonne tagsüber“, sagt er. „Solange die Sonne scheint ist alles in Ordnung, da funktionieren Photosynthese und Sauerstofferzeugung. Sowie die Sonne weg ist, wird allerdings weniger Sauerstoff produziert. Deshalb laufen bei mir in der Nacht jetzt die Lüfter.“

Regenbogenforellen mögen keine tropischen Temperaturen

Nicht nur den Menschen, auch den Fischen machen Witterungsextreme zu schaffen. Sie werden bei hohen Wassertemperaturen träge und beißfaul. Um dem Sauerstoffmangel im Wasser zu entkommen, begeben sich viele Fischarten in Gewässerbereiche, die stärker durchströmt werden.

„Flache Uferbereiche meiden viele Fische jetzt, sie gehen lieber in tiefere Schichten“, sagt Willi Dorn vom Kreisanglerverband Kyritz. Aber nicht alle Fischarten reagieren gleich; Regenbogenforellen mögen zum Beispiel keine tropischen Temperaturen. Karpfenangler haben hingegen jetzt ihre Hochzeit. Wer es auf Zander oder Barsche abgesehen hat, sollte bis zum Abend warten.

Angler am Ruppiner See haben keine Probleme mit toten Fischen: Der See ist tief genug. Quelle: Peter Geisler

Der Kyritzer Angler-Verband bewirtschaftet unter anderem die Kyritzer Seenkette mit Ober- und Untersee, Klempowsee, zahlreiche Teiche bei Dreetz, Neustadt und Bantikow sowie die Fließgewässer Dosse, Jäglitz und Königsfließ. Dort können die Angler hauptsächlich Karpfen, Hechte, Zander, Aale, Schleie und Barsche fangen. Noch haben die Angler Aussicht auf Erfolg.

Ein Fischsterben auf Grund zu hoher Temperaturen hat Willi Dorn noch nicht erlebt. Der Lehrer im Ruhestand ist das Verbandssprachrohr des Vereins. Um sich über die Wasserqualität der Angelgewässer zu informieren, nimmt er in regelmäßigen Abständen Wasserproben. „Das letzte Mal habe ich vor zwei Jahren Proben entnommen. Es war immer alles im grünen Bereich. Ich werde jetzt im August noch einmal Proben entnehmen.“

Von Cornelia Felsch

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