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Flüchtlinge: Rheinsberg lehnt Notquartier ab

Stadt besteht auf Abriss Flüchtlinge: Rheinsberg lehnt Notquartier ab

Rheinsberg lehnt es ab, dem Landkreis einen leer stehenden Wohnblock als dringend benötigtes Notquartier für Flüchtlinge zu überlassen. Das Haus sei weder zu mieten noch zu kaufen, so Bürgermeister Jan-Pieter Rau. Er will den heruntergekommenen Plattenbau abreißen lassen. Ein Argument: die schlechte Lage der städtischen Wohnungsgesellschaft.

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Landrat Reinhardt sah sich gestern den Wohnblock an

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Auf der Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge verschärft sich der Streit zwischen der Kreisverwaltung und Rheinsberg. Der Landkreis würde gern einen Wohnblock mit 35 leer stehenden Wohnungen für Flüchtlinge übernehmen. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) hat Rheinsbergs Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU) sogar angeboten, der Stadt das Haus abzukaufen. Rau besteht trotzdem darauf, dass die Rheinsberger Wohnungsgesellschaft (Rewoge) den Block abreißt. Die städtische Wohnungsgesellschaft bietet dem Kreis zwar weitere 20 Wohnungen als Flüchtlingsquartier an; insgesamt sind es dann 40. Verhandlungen über den maroden Plattenbauflügel in der Straße Am Stadion schließt Rau aber aus. Weder könne die Rewoge die Wohnungen vermieten, noch stehen sie zum Verkauf, hat der Bürgermeister dem Kreis schriftlich mitgeteilt.

Ohnehin würde das den Flüchtlingen jetzt kaum helfen, sagt Rau: „Das Haus ist nicht bewohnbar.“ Seit DDR-Zeiten sei an dem Plattenbau nichts saniert worden. Mehrfach habe es Kabelbrände gegeben, Leitungen und Rohre seien völlig marode. Um das Haus überhaupt bewohnbar zu machen, seien rund 2,1 Millionen Euro nötig. Die angeschlagene Rewoge könnte sich das niemals leisten.

Erst kürzlich hatte sich Landrat Ralf Reinhardt (l) in dem Wohnblock umgesehen

Erst kürzlich hatte sich Landrat Ralf Reinhardt (l.) in dem Wohnblock umgesehen.

Quelle: Peter Geisler

Vor drei Wochen hat die Wohnungsgesellschaft den Abriss des Blocks beantragt, für den sie Fördermittel zugesichert hat. Die Kreisverwaltung kann das Vorhaben nicht stoppen. Bis zum Abriss müsste die Rewoge aber eine Frist von vier Wochen einhalten. Landrat Reinhardt fürchtet jedoch, dass die Rheinsberger schnell Fakten schaffen. Am Donnerstag hat er sich selbst ein Bild vom Zustand des Hauses gemacht. Mieter Thomas Schönfeld hatte Reinhardt einladen. Schönfeld hat bis vor vier Wochen in dem Block gewohnt und räumt gerade seine Wohnung aus. Dass das Haus heruntergekommen ist, kann jeder sehen. Doch Strom, Wasser und Heizung funktionieren, sagt Schönfeld. Dass das Haus unbewohnbar sein soll, versteht er nicht: „Warum hatte ich dann hier noch einen Mietvertrag?“

Reinhardt ist klar, dass wenigstens in Teilen saniert werden muss. „In drei, vier, fünf Wochen kriegt man das aber hin“, sagt er und glaubt, dass dort bis zu 200 Flüchtlinge wenigstens den Winter überstehen könnten.

Ein Flur in dem Wohnblock

Ein Flur in dem Wohnblock.

Quelle: Peter Geisler

Dem Kreis fehlen jetzt schon Unterkünfte für 450 Menschen, die derzeit noch im zentralen Aufnahmelager in Eisenhüttenstadt warten. Im Oktober kommen weitere 150 Flüchtlinge hinzu. Nach aktueller Prognose muss Ostprignitz-Ruppin bis Ende 2015 rund 1350 Flüchtlinge unterbringen. „Wir stehen jetzt vor der Entscheidung, ob wir Turnhallen als Notquartier nutzen“, sagt der Landrat.

Bürgermeister Rau sieht trotz allem keine Möglichkeit zu verkaufen. „Unsere Wohnungsgesellschaft befindet sich in der Sanierung“, sagt er. Damit das Unternehmen überhaupt weiterexistieren kann, bestehen Banken und Wirtschaftsprüfer auf einem strikten Sanierungsplan und auf Abriss von Wohnungen. „Auch ein Teilkauf ist da ausgeschlossen“, sagt Rau. Die Zukunft der Rewoge wolle er auf keinen Fall riskieren.

„Auch das kriegen wir hin“, sagt Reinhardt. Persönliche Gespräche zwischen ihm und dem Bürgermeister scheinen aber schwierig. Deshalb hat Reinhardt am Donnerstag noch einen Brief an Rau geschrieben und gebeten, den Abriss wenigstens bis zum Frühjahr zu verschieben, damit die beheizbaren Wohnungen im Winter zur Verfügung stehen. Alle Zusatzkosten würde der Kreis übernehmen.

Von Reyk Grunow

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