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Flüchtlinge: Vorzeigedorf Lentzke

Asylsuchende in OPR Flüchtlinge: Vorzeigedorf Lentzke

Lentzke war die erste ländliche Kommune, in der der Kreis Ostprignitz-Ruppin am Ende des vergangenen Jahres Flüchtlinge in größerer Anzahl untergebracht hatte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sich das Dorf zu einem Vorbild in Sachen Integration entwickelt, lobt die Kreissozialdezernentin.

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Einige Einwohner von Lentzke zeigen, wie das Zusammenleben von Einheimischen und Neuzugereisten gelingen kann. Für den Landkreis ist das ein Vorzeigebeispiel..

Quelle: Christian Schmettow

Fehrbellin. In der Gemeinde Fehrbellin wird der Landkreis vorerst keine weiteren Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende einrichten. Das teilte am Donnerstagabend Waltraud Kuhne der Gemeindevertretung mit. Die Sozialdezernentin des Kreises war einer Einladung des Gremiums gefolgt, das sich über Flüchtlingsfragen informieren wollte. „Wir haben in Fehrbellin kein größeres Objekt mehr gefunden“, sagte Kuhne. Lediglich in einzelnen Wohnungen werden Flüchtlinge untergebracht.

In Lentzke, dem ersten Wohnverbund des Landkreises im ländlichen Raum, der Ende 2014 bezogen wurde, leben derzeit 67 Personen, darunter fast 30 Kinder. „Es ist ein Vorzeigewohnverbund“, lobte Kuhne. Dabei hatte sie vor über einem Jahr, als die Entscheidung fiel, in den 400-Einwohner-Ort bis zu 70 Flüchtlinge unterzubringen, „arge Bedenken“, gestand die Dezernentin, die sich um die Flüchtlingsbelange kümmert. Später hat es demnach auch mal Probleme mit Lärm, Müll oder der Treppenhausreinigung gegeben. Diese konnten aber auch dank einer kurzerhand einberufenen Einwohnerversammlung beseitigt werden. „Es liegt an den Menschen, die in Lentzke wohnen, dass dort ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Alle geben sich die größte Mühe“, so Kuhne

Das bestätigten die Gemeindevertreter, die das Dorf besucht haben. Sie nutzten aber gleich die Gelegenheit, um den Kreis auf Missstände aufmerksam zu machen: die raren Busverbindungen und Kitaplätze, die übervollen Schulbusse, das fehlende Spielzimmer in dem Neubaublock, in dem die Neu-Lentzker leben. Die Busfrage sei bereits geklärt worden, versicherte Kuhne. Die in Lentzke tätige Sozialarbeiterin habe gesagt, dass die Asylsuchenden oft den Rufbus nutzen. So oft, dass der Bus auf Verlangen sich mittlerweile fast schon zu einem Linienbus entwickelt habe. Ob der Schulbus so voll ist, wie behauptet, das haben Ulrich Steffen, Chef der Busgesellschaft, und der Flüchtlingskoordinator Martin Osinski, geprüft. „Es gab ausreichend Plätze“, so Kuhne. Der Kreis versuche dennoch, gerade bei Unterkünften außerhalb der Städte, zusätzliche Busverbindungen zu schaffen. Weil Kinder von Flüchtlingsfamilien, die in der Gemeinde angemeldet sind, Anspruch auf den Besuch einer Kita haben, will sich die Verwaltung auch intensiv um neue Plätze in den Einrichtungen kümmern. Kuhne versprach, den Spielraumbedarf ebenfalls zügig zu prüfen – und kam damit einem Antrag der Fehrbelliner Linken-Fraktion zuvor: Die Fraktion wollte, dass Gemeindevertreter für diesen Zweck einmalig auf ihr Sitzungsgeld verzichten.

Doch so positiv die Entwicklung in Fehrbellin zu sein scheint, so schwierig ist die Lage des Landkreises in vielen Flüchtlingsfragen. 1575 Asylsuchende wird Ostprignitz-Ruppin nach neuesten Prognosen des Landes in diesem Jahr aufnehmen müssen. Im August war noch von etwas über 1000 die Rede. 760 seien bereits angekommen, so Kuhne. Der Rest werde in den nächsten Wochen erwartet. Dass die Zahl 1575 aber nicht erneut weiter nach oben korrigiert wird, könne derzeit niemand garantieren, so Kuhne. Der Landkreis sucht deshalb weiterhin händeringend nach bezahlbarem Wohnraum und stehe kurz vor dem Kauf einer weiteren, großen Immobilie. Um welches Objekt es sich handelt, das verriet Kuhne nicht. Erst in dieser Woche war bekannt geworden, dass der Kreis das Gebäude der Ländlichen Erwachsenenbildung Prignitz-Havelland (LEB) an der Alt Ruppiner Allee gekauft hat und dort eine Unterkunft für bis zu 120 Flüchtlinge errichten will (die MAZ berichtete). Aber auch das werde wohl nicht ausreichen, wenn die Flüchtlingswelle weiter so stark bleibt, sagte Kuhne. Eine Prognose, wie viele Asylsuchende im kommenden Jahr in Ostprignitz-Ruppin ankommen werden, wolle die Dezernentin nicht wagen. Um die Aufnahme besser zu koordinieren, ist der Landkreis derzeit auf der Suche nach einer Referentin für Integrationsarbeit. Daneben will die Verwaltung viele neue Sozialarbeiter einstellen.

Von Celina Aniol

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