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Ostprignitz-Ruppin Flüchtlinge geben eine Party für Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Flüchtlinge geben eine Party für Neuruppin
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00:17 03.02.2016
Partystimmung im Alten Gymnasium: Rund 120 Zuhörer genießen zwei Stunden lang Musik und Tanz aus dem Orient. Quelle: Christian Schmettow
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Neuruppin

„Galbi“ – in arabischen Liebesliedern ist kein Wort so oft zu hören wie dieses. „Galbi“ bedeutet „Mein Herz“. In Sachen Schnulzenkompetenz stehen Araber dem deutschen Schlager in nichts nach – nur dass die Melodien viel raffinierter und bombastischer, die Musik viel leidenschaftlicher und mitreißender daherkommen als hierzulande.

Auch diese Syrerin (M.) aus Damaskus zieht es bald auf die Tanzfläche. Quelle: Christian Schmettow

Ob es um die Liebe zur Auserwählten ging oder um die zur Heimat, sei es Syrien, sei es Kurdistan: Etwa 120 Neuruppiner erleben am Freitag im Alten Gymnasium einen Abend, wie er selten ist. Was als Konzert geplant ist, wird zur Party. Kein Plakat, nicht mal ein Zettel weist auf das Konzert hin. Trotzdem drängen sich 120 Menschen im viel zu kleinen Saal – 60 hatten die Friedrich-Ebert-Stiftung und Ulrike Liedtke erwartet. Die Musikwissenschaftlerin, langjährige Leiterin der Rheinsberger Musikakademie und heutige SPD-Landtagsabgeordnete, hatte im Dezember dazu aufgerufen, Musikinstrumente zu spenden für Flüchtlinge im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Denn unter den Asylbewerbern befinden sich auch Musiker. Aber wer nimmt eine Laute oder eine Geige mit, wenn er in einem Schlauchboot übers Meer flieht?

Vier Akkordeons, ein Schlagzeug, eine Trommel, acht Gitarren, zwei Zithern, eine Mandoline und drei Keyboards wurden gespendet. Dafür sagen die Flüchtlinge Danke mit einem Gratis-Konzert.

Mit dem kostenlosen Konzert bedanken sich die Flüchtlinge für die gespendeten Musikinstrumente. Quelle: Christian Schmettow

Das Publikum hat keine Probleme, sich auf die arabische und kurdische Musik einzulassen. Zumal sich zeigt, dass auf der Bühne Profi-Musiker sitzen, unter ihnen Agiri Schinar, Jan Juan, Alsebai Tawfek, Talal Nasser und Jamal Nasser – Menschen, die einst von ihrer Musik gelebt haben, daheim in Aleppo oder Damaskus. Heute wohnen sie in Zechlinerhütte, in Rheinsberg in den Häusern am Stadion oder im „Syrischen Hof“ – so nennen die Rheinsberger inzwischen das ehemalige Hotel „Deutsches Haus“, wie Ulrike Liedtke lächelnd erklärt. Ein Bärtiger singt leidenschaftlich von der Liebe, am Schlagzeug lässt es Talal Nasser aus Aleppo krachen, der Mann an der Langhalslaute lässt seine Finger irrwitzig schnell das Griffbrett rauf und runtersausen.

„Mit unseren Dur- und Moll-Kategorien kommen wir in der arabischen Musik nicht weit“, erklärt die Musikwissenschaftlerin aus dem Landtag – dort traten die Flüchtlinge auch schon zweimal auf. „Das sind ganz andere Melodielinien.“ Und vor der Vierteltönigkeit müssen auch viele Keyboards hierzulande schnell kapitulieren.

Ein Virtuose auf der Langhals-Laute: Die syrischen Musiker sind Profis. Quelle: Christian Schmettow

Dem Lied für die Geliebte folgt ein Lied für die Mutter und dann eines für die Heimat. Ein paar Jugendliche aus dem Flüchtlingsheim hält es nicht länger auf den Bänken. Die Jungs fangen an zu tanzen, schwingen dabei weiße Taschentücher und eine Gebetskette, eine junge Frau mit Kopftuch reiht sich ein, und irgendwann trauen sich auch ein paar deutsche Frauen an die fremden Tanzschritte.

Umgekehrt hatte Ulrike Liedtke versucht, den Syrern ein paar Walzerschritte beizubringen, musste aber kapitulieren, als der russische Tanzlehrer dann mit „Kalinka“ dazwischengrätschte.

Für einen Abend vergessen die Flüchtlinge vielleicht die Bomben auf Aleppo. Auf dieser Party gibt es keine Fremden, sondern Freunde. Der Künstler aus Rheinsberg sitzt neben dem stellvertretenden Landrat, Kinder wuseln am Boden herum oder schlafen halb auf dem Schoß der syrischen Mutter und halb auf dem einer Dame aus Lindow, die nur bedauert, dass sie ihren Fotoapparat nicht mitgenommen hat.

Eine Stunde sollte das Dankeschön-Konzert dauern, Schluss ist erst nach fast zwei Stunden mit ganz viel Herz. Ein großes „Shukran“ – Danke! – den Flüchtlingen.

Von Christian Schmettow

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