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Flüchtlinge in Lindow auf Kleidersuche

Modenschau der anderen Art Flüchtlinge in Lindow auf Kleidersuche

Es ist kalt draußen und die Flüchtlinge, die Ende Dezember aus Eritrea, Syrien, dem Iran und vielen anderen Ländern nach Klosterheide gekommen sind, sind auf den Winter nicht vorbereitet. Sie kamen mit fast nichts hier an – unter Mithilfe von gut 20 Helfern wurden alle am Sonnabend in der Lindower Kleiderkammer mit warmen Sachen ausgestattet.

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Heidrun Otto beriet bei der Kleidersuche.

Quelle: privat

Lindow. Mütze auf und durch? Nein, die besser nicht, so das Urteil der Umstehenden. Die jungen Männer hatten beim Probieren ihren Spaß, wenngleich die Modenschau dem Ernst geschuldet war, sich im deutschen Winter wärmer anzuziehen. Denn den Menschen aus Eritrea, Syrien, dem Iran oder Afghanistan, die derzeit in Klosterheide, im „Heidegasthof“ untergebracht sind, mangelt es an nahezu allem, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.

In einer konzertierten Aktion fanden sich am Sonnabend fast alle der derzeit 80 Asylbewerber in der Lindower Kleiderkammer ein. Möglich wurde das durch etwa 20 ehrenamtliche Helfer, die mit ihren Autos den Shuttle von Klosterheide nach Lindow stemmten oder in der Kleiderkammer selbst halfen, die Flüchtlinge mit passender Kleidung zu versorgen.

Gegen zehn Uhr morgens steigen die Flüchtlinge zügig in die Autos, allesamt grüßen freundlich mit „Guten Morgen“, „Hallo“ oder einem „Wie geht’s?“ Der Deutschunterricht läuft bereits. Auch beim Aussteigen vor dem Bürgerhaus kommt immer ein „Dankeschön“. Dann geht es schubweise hinein: Immer nur eine Hand voll Ankömmlinge findet Platz zwischen gut gefüllten Regalen und Kleiderständern. Lindows Bürgermeisterin Heidrun Otto, die beiden ehemaligen Kleiderkammer-Kräfte und Hilke Karrasch-Hansel sorgen dafür, die Suchenden mit dem zu versorgen, was sie vordringlich brauchen: warme Jacken und Pullover, Schuhe, Hosen, Schals, Mützen, Handschuhe. Auch Taschen und Unterwäsche sind gefragt, ebenso Geschirr – im Heim ist die Grundausstattung minimalistisch.

Mut zum Hut

Mut zum Hut.

Quelle: privat

„Die Männer aus Eritrea mochten die schwarzen Damen-Jacketts“, sagt Hilke Karrasch-Hansel. Nicht ganz von ungefähr, denn die Eritreer sind klein und schmal gewachsen. „Wir hätten viel mehr große Kindergrößen gebraucht“, so die Lindowerin. Auch für die arabischen Frauen sei es oft schwer gewesen, das passende zu finden. „Die sind etwas zu kurz gekommen“, befürchtet sie. Denn alle hatten – angesichts der vielen Wartenden im Flur – nur etwa eine Viertelstunde zum Auswählen. „Bei der nächsten Aktion brauchen die Familien mehr Zeit“, so Karrasch-Hansel. Alles in allem sei die Aktion aber gut angekommen. „Jeder ist mit ein bis zwei Tüten wieder herausgekommen“ – die Kinder wurden mit Gummibärchen beschenkt. „Die meisten haben sich über den Kontakt gefreut, wollten gleich wissen, wie die Kleidungsstücke auf Deutsch heißen“, sagt die Helferin, die überrascht war vom freundlichen Umgang und der Zuvorkommenheit der Flüchtlinge. Kaum einer habe gedrängelt, alle waren geduldig und hätten auch schon einmal dem Nachbarn den Vortritt gelassen. „Ich war auch von Frau Otto schwer beeindruckt“, so Karrasch-Hansel. „Sie hat sich mega engagiert und die Leute motiviert.“ Die Gelobte selbst ist ebenfalls zufrieden mit der Aktion, die in drei Stunden über die Bühne ging. „Auch wenn manches anders geplant war und es Wartezeiten vor der Tür gab: Es hat Spaß gemacht und war eine gute Sache. Das war sicher nicht die letzte Aktion dieser Art.“ Die Lindower sind weiterhin aufgerufen, zu spenden: Lampen, Wintersachen, Regale, Taschen, Geschirr, Töpfe aber auch Hygieneartikel.

Von Regine Buddeke

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