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Neuruppin: Leckereien aus Tschetschenien

Flüchtlinge kochen gemeinsam Neuruppin: Leckereien aus Tschetschenien

Um geflüchteten Frauen eine Möglichkeit zum sozialen Austausch zu bieten, haben Galina Güthenke und Karin Hopfmann im Juni eine Sportgruppe ins Leben gerufen. Mittlerweile treffen sich die Teilnehmerinnen aus Tschetschenien, Afghanistan und der Ukraine regelmäßig – vor allem zum Kochen. Sie würden gerne deutsche Frauen willkommen heißen.

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Buntes Miteinander in der kleinen Küche im Café Hinterhof.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. In der Küche des Café Hinterhofs in Neuruppin zischt und brutzelt es. Soeben sind ein paar Hühner in einen großen Topf gewandert, daneben schmoren Zwiebeln in einer schweren Pfanne. Hier hinter dem Herd haben Frauen das Sagen – nur die Frauen. Die meisten von ihnen kommen aus Tschetschenien. Gekocht wird ein landestypisches Gericht: Hähnchen mit Galuschki, das sind kleine Teigstränge, ähnlich den Schupfnudeln.

Tschetschenische, russische und deutsche Sprachfetzen fliegen durch den Raum. Jeder Handgriff sitzt. Galina Güthenke ist begeistert von der Dynamik. Sie hat die Gruppe zusammen mit der Flüchtlingsberaterin Karin Hopfmann von der Awo ins Leben gerufen. Das war im Juni. „Eigentlich war es eine Gesundheitsgruppe“, sagt Güthenke. Die psychische Belastung habe vielen der Frauen zu schaffen gemacht, die im Wohnheim in Treskow und in Wohnungen in Neuruppin untergebracht sind. „Es ging darum, die Frauen aus den eigenen vier Wänden zu holen“, sagt Güthenke. Was als gemeinsamer Sport begonnen hat, ist inzwischen zu einer Reihe von Aktivitäten geworden. Dienstags treffen sich die Frauen zum Stricken im Mehrgenerationenhaus „Krümelkiste“, mittwochs geht es gemeinsam in die Sauna. „Die Frauen entdecken Schritt für Schritt ihre Lust am Leben“, sagt Güthenke. „Deswegen hat sich die Gruppe mittlerweile in ,Lebensfreude’ umbenannt.“ Seit Kurzem kommen die Frauen nun alle 14 Tage zum Kochen zusammen.

Güthenke hilft ehrenamtlich als Dolmetscherin, versucht aber auch, kulturelle Brücken zu schlagen. „In Tschetschenien ist Kochen Frauensache“, erklärt sie. „Die Männer dürfen nur verkosten.“ Auch sonst laufe manches anders. Deswegen hofft Güthenke, dass sich der Gruppe in naher Zukunft weitere Frauen anschließen, auch ohne Migrationshintergrund.

Der finanzielle Rahmen, in dem sich die Gruppe bewegt, ist eng. Unterstützt wird sie vom kirchlichen Verein Esta-Ruppin. Über das Programm „Da-sein nach dem Ankommen“ ist Nicole Tornow die erste Ansprechpartnerin. Sie hilft in den Räumen des Café Hinterhof bei der Organisation und hat die Finanzen im Blick. Die Mittel für die Kochzutaten stammen derzeit noch aus einem Topf der Aktion Mensch. „Doch der geht zur Neige“, sagt Tornow. So sollen sich die Frauen künftig mit 50 Cent beteiligen, was aber eher einen symbolische Beitrag darstellt. Galina Güthenke schwebt deshalb vor, dass die Frauen vielleicht irgendwann auf dem Markt internationale Spezialitäten anbieten können.

Doch erst einmal haben die Frauen einen anderen, lange gehegten Wunsch vor Augen: Berlin. Einige von ihnen waren noch nie in der Hauptstadt. Im November soll es so weit sein.

Von Mischa Karth

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