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Flüchtlinge kochten in Neuruppin syrisch

Exotisches Essen Flüchtlinge kochten in Neuruppin syrisch

Alle 14 Tage werden im Café Hinterhof landestypische Spezialitäten aufgetischt. Am Mittwoch trafen sich syrische Flüchtlinge aus dem Treskower Wohnheim in der Gemeinschaftsküche. Sie bereiteten „Mlochia“ und „Makluba“ zu. Eine der Zutaten hatten sie extra in Berlin besorgt.

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Hamed Alasaf, Belal Sukari und Muhammad Ali Gazul (v.l.) am Mittwoch beim gemeinsamen Kochen in der Küche des Café Hinterhof.

Quelle: Fotos: Mischa Karth (3)

Neuruppin. Mlochia und Makluba heißen die Gerichte, die am Mittwochnachmittag im Neuruppiner Café Hinterhof auf der Speisekarte standen. Hinter den ungewohnten Namen verbergen sich syrische Spezialitäten. Flüchtlinge aus dem Wohnheim in Treskow nutzten zum ersten Mal die Küche des Begegnungszentrums, um landestypisches Essen zuzubereiten. „Mlochia ist eine Suppe“, erklärt Muhammad Ali Gazul. „Aber etwas fester.“ Die Hauptzutat Muskraut haben die Hobbyköche tags zuvor in Berlin besorgt. Das Gemüsekraut wächst nur in wärmeren Gefilden und hat den Weg in den großen Topf lediglich als getrocknete Importware gefunden. Die übrigen Zutaten von Mlochia – Hähnchen, Koriander, Knoblauch und Paprika – hingegen gibt es auch in Neuruppin zu kaufen.

Während Omar Taraman – gelernter Stuckateur – gekonnt das Geflügel zerkleinert, kümmert sich Hamed Alasaf um Berge an geschälten Auberginen. Gleich im Dutzend werden die Scheiben in der Pfanne geröstet, bis sie einen leicht braunen Farbton annehmen. Auberginen sind wesentlicher Bestandteil von Makluba, dem zweiten Gericht des Tages. Weitere Zutaten: Walnüsse, Hähnchen und Reis.

„In Syrien wird viel mit Gemüse gekocht“, erzählt Muhammad Ali Gazul. „Es wird nicht viel Fleisch gegessen, weil es teurer ist.“ In der Heimat sei eher die Frau für das leibliche Wohl zuständig, während die Männer arbeiteten, sagt Gazul, doch weil nur wenige Frauen die gefährliche Flucht auf sich nähmen, fänden sich hier nun eben die Männer zum gemeinsamen Kochen zusammen.

Gazuls Lieblingsgericht ist Fisch aus dem Ofen. Mit dem deutschen Essen ist der 40-Jährige aber mittlerweile auch vertraut, erklärt er und sagt: „Das Essen ist gut, weil die Deutschen gut sind.“ In Treskow bereiten sich die syrischen Bewohner jeden Tag ihr Essen zu, meistens gibt es heimische Speisen, ein bis zwei Mal in der Woche wird aber auch deutsche Kost aufgetischt: Kartoffelsalat, Gulasch oder Lachs werden dann zubereitet.

Die gut ausgestattete Küche und vor allem den angrenzenden Speiseraum im Café Hinterhof wissen die Hobbyköche zu schätzen, in Treskow ist der Platz begrenzt. Dort bekommen die Syrer regelmäßig „Unterstützung“ von Deutschen. Mit Bekannten vom Fußball schwingt man gemeinsam den Kochlöffel. Während das Hähnchen in der Pfanne brutzelt, zeigt Gazul auf seinem Handy Fotos des Turniers im Neuruppiner Oberstufenzentrum im Januar, an dem auch Flüchtlingsteams teilnahmen. „Die Polizei hat gewonnen“, sagt Gazul und lacht. Für Gazul ist das gemeinsame Kochen nicht nur ein Austausch von Rezepten, sondern auch von Kulturen. „Da fühlt man sich integriert, eben als eine Gruppe“, sagt er.

Rund zwei Stunden werkeln die Männer in der Küche, bis schließlich alles fertig ist und im Speiseraum aufgetischt wird. Für ihre Zutaten haben sie einen Zuschuss von EstaRuppin bekommen. Beim „Café International“ finden sich im Café Hinterhof alle 14 Tage Menschen zusammen, die Gerichte einer Nation zubereiten. Das gemeinsame Kochen mit dem Ziel des interkulturellen Austauschs findet im Rahmen des Projekts „daSein nach dem Ankommen“ statt. Am Mittwoch, 18. Mai, geht es weiter: Dann steht voraussichtlich Essen aus Tschetschenien auf der Speisekarte.

Von Mischa Karth

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