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Flüchtlinge verändern den Busverkehr

Asylbewerber auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen Flüchtlinge verändern den Busverkehr

Mehr Flüchtlinge bedeuten mehr Fahrgäste und damit mehr Buslinien? Ganz so einfach scheint die Rechnung nun doch nicht zu sein. Die Züge sind voller, einige Busse fahren regelmäßiger – aber viele Asylbewerber können sich selbst die ermäßigten Fahrpreise gar nicht leisten. Mitunter gehen sie dann zu Fuß auf den Eisenbahnschienen zum Einkaufen.

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Eitel Sonnenschein beim öffentlichen Nahverkehr?

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Bahnfahrer spüren es: Die Züge sind voller geworden. Mehr und mehr Flüchtlinge nutzen den Regionalexpress zwischen Neuruppin und Berlin. Auch die Autobusse der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP) verzeichnen mehr Fahrgäste – mit positiven Folgen für ländliche Gebiete: „Bereits jetzt sind fast alle Rufbusse im Bereich Luhme/Heimland durch Linienbusse ersetzt worden“, schreibt das Büro des Landrates auf eine Anfrage der MAZ. In Heimland wurde ein Hotel zur Flüchtlingsunterkunft. Die Asylbewerber dort sind auf Busse als Transportmittel angewiesen, um in die Stadt zu kommen.

Von Anfang an Zweifel an den Prognosen

Am 4. November hatte Landrat Ralf Reinhardt auf einer Bürgerversammlung in Rheinsberg dafür geworben, Flüchtlinge als Chance zu sehen – zum Beispiel für den öffentlichen Nahverkehr. Mehr Fahrgäste führten zu mehr Busverbindungen. An der Redlichkeit dieser Aussage waren aber Zweifel aufgekommen – denn zwölf Tage später wollte der Linken-Kreistagsabgeordnete Freke Over im Wirtschaftsausschuss dieses Versprechen einlösen und forderte Busverbindungen nach Fehrbellin, Luhme und Zechlinerhütte auch am Wochenende (die MAZ berichtete). Der Wirschaftsdezernent Werner Nüse blockte das ab: Dafür sei kein Geld da.

Der Landrat sieht dennoch keinen Widerspruch zu seiner Aussage auf der Bürgerversammlung. Sein Büro teilt mit: „Das Betriebsergebnis der ORP ist schon zum heutigen Zeitpunkt defizitär. Das Defizit kann aktuell noch durch die Rücklagen des Unternehmens ausgeglichen werden. In der mittelfristigen Finanzplanung des Landkreises ist ein Zuschuss an die ORP geplant vorgesehen.“

Für viele Flüchtlinge ist Busfahren zu teuer

In Rüthnick sind zwei afghanische Familien untergebracht. Dort kritisieren Dorfbewohner, dass es den Flüchtlingen schwer gemacht werde, den Bus zu benutzen. Der Bus sei für die Familien zu teuer. Flüchtlinge bekommen noch weniger Geld als den Hartz-IV-Satz. In Berlin gebe es kostenlose Fahrten für Flüchtlinge, im Landkreis Osrprignitz-Ruppin nicht. In Berlin gebe es einen Familienpass – in Neuruppin müsse jeder Einzelne ein Passbild fertigen lassen, um eine vergünstigte Monatskarte zu bekommen. Bei einer sechsköpfigen Familie reiche das Geld nicht einmal für die Passbilder.

Die Folge: Flüchtlinge liefen zu Fuß auf den Eisenbahngleisen nach Alt Ruppin, um dort einzukaufen. Dass sie dabei halbwegs sicher sind, dafür zumindest hat das Land Brandenburg gesorgt. Der SPD-Verkehrsminister ließ 2006 den Personenverkehr zwischen Alt Ruppin und Herzberg einstellen.

Fahrpreise werden vom VBB gestaltet

Für die Busfahrpreise sieht sich der Landkreis nicht in der Verantwortung: Der Kreis ist Mitglied im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Der VBB allein gestalte die Fahrpreise – auch besondere Tarifangebote für Flüchtlinge.

„Es ist keineswegs so, dass Flüchtlinge im VBB freie Fahrt haben, weder in Berlin noch in Brandenburg“, teilt der VBB auf MAZ-Anfrage mit. „Auch muss unterschieden werden, ob die Flüchtlinge registriert sind oder nicht, und wenn sie registriert sind, ob sie sich schon im Ayslverfahren befinden.“

Nicht registrierte Flüchtlinge bekommen Fahrscheine für ihre Fahrt in die Erstaufnahme-Unterkunft. Registrierte Flüchtlinge dürfen sich das Mobilitätsticket kaufen – so wie alle anderen sozial schwachen Menschen auch. Die persönliche Monatskarte kostet bis zur Hälfte weniger als eine normale VBB-Monatskarte. Für Fahrten nach Berlin gilt das Mobilitätsticket Brandenburg aber nicht.

Von Christian Schmettow

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