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Ostprignitz-Ruppin Flüchtlingsfilm als Lehrstück
Lokales Ostprignitz-Ruppin Flüchtlingsfilm als Lehrstück
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14:28 30.05.2015
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft bei einer Besprechung. Quelle: Jugendverein
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Kyritz

Ingeborg Buschke lebt nicht mehr. Die Wusterhausenerin, die noch bis vor Kurzem aus ihren Erinnerungen vom Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren berichten konnte, starb, ehe der Film fertig geschnitten wurde. Zum Glück aber gibt es ihn jetzt, diesen Streifen, der Erzählungen von solchen Zeitzeugen konserviert. Am Mittwoch, 3. Juni, wird er in der Aula der Kyritzer Carl-Diercke-Schule der Öffentlichkeit gezeigt. Die Premiere beginnt um 10 Uhr. Der Film dauert 20 Minuten. Anschließend bleibt Zeit, um zu diskutieren.

Zwischen Ablehnung und Zustimmung

Zu diskutieren gab es unter den Akteuren bereits eine Menge, und zwar vom Beginn des Projektes an, wie Anja Büchner vom Verein Ostprignitz Jugend berichtet. Denn der Film mit dem Titel "Fliehen und Ankommen damals und heute" schlägt einen Bogen in die Gegenwart. "Anfangs sprachen sich die Schüler gegen Flüchtlinge bei uns aus. Im Laufe der Interviews aber änderte sich ihre Ansicht. Sie haben einen richtigen Wandel durchgemacht. Das war erstaunlich", sagt die Projektleiterin. Die sechs Diercke-Schüler trafen sich ein halbes Jahr lang als Arbeitsgemeinschaft. Die Neunt- und Zehntklässler recherchierten im Kyritzer Altkreisgebiet nach Menschen, die aus der Zeit vor 70 Jahren erzählen konnten, und sie erstellten einen Fragenkatalog. Sie fragten sich aber auch selbst: "Wie würde ich als Flüchtling behandelt werden wollen?"

Klaus Hoferichter im Interview. Quelle: Jugendverein

Unter ihren neun Gesprächspartnern, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs Fluchterfahrungen machen mussten, befinden sich etwa Hans Merten aus Dannenwalde sowie die Kyritzer Heinz Schulz und Werner Bleick. Dazu kam Rahim Aria. Er ist ein Journalist aus Afghanistan. In seiner Heimat hatte Rahim Aria vor wenigen Jahren erst der Bundeswehr geholfen, woraufhin er aber von den Taliban verfolgt wurde. Seit seiner Flucht lebt er in Kyritz.

Die meisten Flüchtlinge aus aktuellen Kriegs- und Krisengebieten der Welt jedoch leben derzeit in einem Heim in Wusterhausen. So war es auch der dortige Bürgermeister Roman Blank, der das Projekt mit initiierte. Im Film schlägt er den Bogen in die Gegenwart.

Rahim Aria aus Afghanistan. Quelle: Jugendverein

"Ich habe vielmehr nur die Kontakte hergestellt", sagt Blank. Den Film habe selbst er noch nicht gesehen. "Ich bin richtig gespannt, was die Schüler daraus gemacht haben."

Kooperation mit dem Anne-Frank-Zentrum

Der wesentliche Kontakt, den Blank meint, ist das Berliner Anne-Frank-Zentrum. Dort begann voriges Jahr das Projekt "70 Jahre danach. Generationen im Dialog". Über den Verein Ostprignitz Jugend als Träger bewarben sich die Gemeinde Wusterhausen und die Kyritzer Schule, und sie wurden neben weiteren sechs Städten aus sechs Bundesländern ausgewählt. Die Teilnehmer tauschten sich untereinander aus. Wie Anja Büchner berichtet, entstanden andernorts auch Ausstellungen und Theaterstücke zum Thema.

Das Anne-Frank-Zentrum erhielt zur Umsetzung finanzielle Unterstützung vom Bundesinnenministerium. Der Jugendverein mit Sitz in Kyritz kümmerte sich zudem erfolgreich um weitere Hilfe für das eigene Projekt: bei der "Aktion Mensch", dem aus dem ZDF bekannten Sozialverein, der sich über Lotterieeinnahmen finanziert. So gab es einen Sachkostenzuschuss. Zudem war Josefine Friedel eine große Hilfe. Sie ist Azubi bei der Wusterhausener Gemeindeverwaltung und machte beim Projekt mit.

Von Matthias Anke

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