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Flüchtlingsstrom: Jede Wohnung zählt

Ostprignitz-Ruppin will keine Zelte für Asylsuchende Flüchtlingsstrom: Jede Wohnung zählt

Jede Wohnung ist willkommen, wenn sie bezugsfertig ist: Um Flüchtlinge nicht in Zelten oder Sporthallen unterbringen zu müssen, nimmt die Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin dankbar jedes Angebot an – solange sich die Wohnungen in einem ordentlichen Zustand befinden und nicht erst renoviert oder für viel Geld saniert werden müssen.

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Für Flüchtlinge – hier bei einer Kleiderausgabe in Gnewikow – werden weiter vor allem Wohnungen gesucht.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Wegen des anhaltenden Flüchtlingsstromes soll der geförderte Abriss von leerstehenden Wohnungen in Ostprignitz-Ruppin gestoppt werden. Zwar sind mehrere Kommunen wie Rheinsberg in einem Förderprogramm des Landes, wonach es für den Abriss nicht gebrauchter Wohnungen einen Zuschuss vom Land gibt. Doch die Förderung könnte auch ein, zwei Jahre nach hinten verschoben werden, sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD) am Mittwoch in Neuruppin.

Reinhardt will deshalb mit den Kommunen über einen verzögerten Abriss sprechen. Bedingung sei aber, dass die Wohnungen über eine Zentralheizung verfügen und sich „in einem ordentlichen Zustand“ befinden.

Übergangswohnheime in Neuruppin und Wusterhausen sind voll

Grund für den ungewöhnlichen Vorstoß ist die steigende Zahl an Asylbewerbern und Flüchtlingen, die der Landkreis in diesem Jahr aufnehmen soll. War in der ersten Prognose des Landes im Januar noch von 403 Menschen die Rede, für die Ostprignitz-Ruppin in diesem Jahr eine Unterkunft organisieren soll, sind es nun 1100. Allein in diesem Monat sucht die Verwaltung für 289 Flüchtlinge eine Wohnung oder einen Heimplatz. „Das sind mehr als im gesamten Jahr 2014“, so Reinhardt. Damals waren es 283 Flüchtlinge. Die Heime in Neuruppin-Treskow sowie in Wusterhausen sind jedoch voll. Gleichwohl hofft der Landkreis, dass er nicht auf Zelte und Sporthallen als Unterkunft zurückgreifen muss. Stattdessen hat er in Zechlinerhütte und Luhme je ein Hotel gemietet, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden (die MAZ berichtete).

Allerdings können in Zechlinerhütte vorerst lediglich 50 Asylbewerber untergebracht werden. „Es sind noch Umbauarbeiten notwendig“, sagt Sozialdezernentin Waltraud Kuhne. Erst danach könnten vermutlich 64 weitere Plätze genutzt werden. In Luhme, wo noch bis Oktober der Hotelbetrieb läuft, können indes ab November 80 Flüchtlinge unterkommen.

Hoffnungen auf ein Motel in Heiligengrabe schwinden

Der Landkreis hatte gehofft, ebenfalls ein Motel in Heiligengrabe mit etwa 50 Plätzen anmieten zu können. Doch obwohl die Verhandlungen dazu bereits seit rund einem Jahr laufen, gibt es noch kein Ergebnis. Der Eigentümer streitet sich mit der Versicherung über einen Schaden, der schon vor geraumer Zeit in dem Motel entstanden ist – und ein Ende des Streits ist noch nicht in Sicht.

Etwas besser sieht es in Neustadt (Dosse) aus. Das Amt, in dem bereits 46 Asylbewerber leben, stellt ab Ende des Monats Wohnungen für 31 weitere Flüchtlinge bereit. „Die Wohnungsbaugesellschaft Kyritz hat dort sogar eine gemeinsame Waschküche eingerichtet“, lobt Reinhardt. Gleichwohl reicht auch das nicht aus. Denn bis zum Jahresende soll der Landkreis monatlich 157 Asylbewerber aufnehmen. „Wir nehmen jede Wohnung, die wir kriegen können und die bezugsfertig ist“, so der Landrat.

Deshalb bittet der Kreis jetzt auch die Rheinsberger Wohnungsgesellschaft (Rewoge) in einem gestern verschickten Brief, ihr alle verfügbaren Wohnungen anzubieten. Bisher hat die Rewoge 20 Wohnungen offeriert. „Davon waren aber nur fünf sofort bezugsfähig“, so Reinhardt. Weitere sechs wurden inzwischen von Handwerkern hergerichtet. Probleme bereitet dem Kreis aber inzwischen ebenfalls, eventuell notwendiges Mobiliar zu ordern. Denn selbst die Lieferzeiten für Betten und Matratzen verlängern sich immer mehr.

Sparkasse hat erste Konten für Flüchtlinge eingerichtet

Parallel zur Suche nach Unterkünften für die Flüchtlinge versucht die Behörde gemeinsam mit der Sparkasse, das Prozedere für das allmonatliche Auszahlen der finanziellen Hilfen von 359 Euro zu erleichtern. Das Gros der Flüchtlinge bekommt derzeit Schecks, wodurch sich regelmäßig lange Schlangen in der Kreisverwaltung bilden. Aber 200 Asylbewerbern hat die Sparkasse inzwischen auch ein Konto eingerichtet, auf dem das Geld landet. „Die Kanzlerin hat gesagt, wir sollen flexibel agieren“, so Reinhardt. Möglich ist das aber nur bei den Menschen, die nicht kurz vor der Abschiebung stehen und die eine Art Pass mit Foto von der Behörde ausgestellt bekommen haben.

Von Andreas Vogel

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