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Ostprignitz-Ruppin Förster setzt im Boberower Wald auf Wildlinge
Lokales Ostprignitz-Ruppin Förster setzt im Boberower Wald auf Wildlinge
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00:23 28.10.2015
Bernd Koschenz mit einem dicken Bündel Buchen-Wildlingen. Quelle: Peter Geisler
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Flecken-Zechlin

Das gelbe Laub der Buchen leuchtet im Boberower Wald. Seit vielen Jahren wachsen die jungen Laubbäume unter den hohen Kiefern – Waldumbau ist das Zauberwort, mit dem der Landesbetrieb Forst Brandenburg bereits seit vielen Jahren auf den Klimawandel reagiert. Auch jetzt im Oktober sind Forstarbeiter damit beschäftigt, etwa 30 Zentimeter große Buchenpflanzen in die Erde zu bringen.

Reine Kiefernwälder sind anfälliger gegenüber extremen Witterungsbedingungen und Schädlingen. Der Umbau der Kiefernwälder in Buchenmischbestände bringt viele Vorteile für Boden, Grundwasser und Atmosphäre, die sich aber erst im Laufe mehrerer Jahrzehnte verstärkt bemerkbar machen werden.

Von 1990 bis 2014 wurden in Brandenburg bereits 75 000 Hektar Kiefernwälder umgebaut. In den kommenden 40 Jahren sollen noch rund 500 000 Hektar dazukommen. Im Bereich der Landeswaldoberförsterei Alt-Ruppin – zu der auch das Revier Boberow gehört – werden jährlich rund 160 Hektar verjüngt, zum größten Teil durch Waldumbaumaßnahmen. Um Monokulturen in Laub- und Mischwälder umzuwandeln, werden junge Bäume gepflanzt oder man lässt der Natur ihren Lauf. Wo geeignete Samenbäume vorhanden sind, ist die natürliche Verjüngung eine preiswertere Altanative.

Revierförster Klaus Werner. Quelle: Peter Geisler

Seit 2002 kümmert sich Revierförster Klaus Werner um das Waldgebiet nördlich von Rheinsberg. Seit vier Jahren setzt er auf Wildlinge – junge wild wachsende Bäume, die aus dem Landeswaldrevier Zechlin stammen. Dort werden sie in einem anerkannten Saatgutbestand bei Flecken Zechlin „geworben“ – wie der Forstfachmann sagt. Gemeint ist das Ausgraben von jungen, wild wachsenden ein- bis zwei Jahre alten Pflanzen in einem zertifizierten Saatgutbestand. Die Zulassung erfolgt nach strengen Kriterien, um sicher zu stellen, dass der Wald später auch den Anforderungen nachfolgender Generationen gerecht wird.

Die jungen Buchen, die Forstwirt Bernd Koschenz rund 10 Kilometer entfernt nun in die Erde setzt, stammen also aus einem Gebiet mit ähnlichen klimatischen Verhältnissen und mecklenburgischen Einflüssen. Die Vorteile der Wildlinge liegen auf der Hand: Sie kosten unterm Strich weniger und sind ständig verfügbar. „Ich bin unabhängig von der Baumschule. Ich kann sie heute werben und morgen schon einpflanzen lassen“, sagt Revierförster Klaus Werner. „Die Transportwege sind kurz und die Pflanzen sind mit den Standortverhältnissen vertraut.“

Bernd Koschenz prüft die junge Buche , die er aus einem Bündel von 50 Pflanzen nimmt. „Die Wurzeln sollten kräftig sein und schön verzweigt“, sagt er. Mit einem kleinen, schmalen Spaten, der unter Fachleuten „Göttinger Fahrradlenker“ genannt wird, weil er im oberen Bereich einem Lenker ähnelt, öffnet er den Boden und setzt den Wildling ein. Die obere Vegetationsschicht wurde bereits vorher entfernt. Mit dem Fuß und dem Spaten verdichtet der Forstwirt anschließend die Erde, um Lufteinschlüsse zu vermeiden. 30 000 Wildlinge kommen so im Abstand von 40 bis 50 Zentimeter in den Boberower Wald. „Wir pflanzen im Herbst, um der Frühjahrstrockenheit aus dem Weg zu gehen“, sagt der Revierförster. Bisher hat sich das bewährt, in den letzten Jahren sind die Pflanzen fast zu 100 Prozent gut angewachsen. Diesmal ist der Boden allerdings noch recht trocken.

Gegossen oder eingezäunt werden die Wildlinge nicht

Der Regen hat nur eine fünf- bis zehn Millimeter dicke Schicht durchfeuchtet. Klaus Werner und Bernd Koschenz hoffen, dass es in den kommenden Tagen noch Regen geben wird, damit die jungen Buchen unter den 80 Jahre alten Kiefern auch gut anwachsen. Gegossen oder eingezäunt werden die Wildlinge nicht, sie müssen es ohne Hilfsmittel schaffen. „Der Wildbestand im Revier ist so, dass die Buchen auch ohne Wildschutz gut gedeihen“, sagt Klaus Werner.

Um einen stabilen Bestand zu erhalten, kommen bis zu 6000 Pflanzen je Hektar in die Erde. Nur wenn die Pflanzen dicht genug stehen, wachsen die Stämme gerade in die Höhe ohne zu viele Äste zu bilden. „Die Buchen sollen später über einen astfreien Schaft von mindestens sechs Metern verfügen“, sagt Klaus Werner. Mit seinen Buchen im Boberow-Wald, die aus den Wildlingen bereits heran gewachsen sind, ist der Revierförster sehr zufrieden. „Bisher gab es keine Probleme“, sagt er. „Ich würde es ja nicht machen, wenn es nicht klappen würde. Allerdings ist Waldumbau eine sehr langfristige Geschichte, die über eine Förstergeneration weit hinausgeht.“

Von Cornelia Felsch

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