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Folienwerke stoppen Millionen-Investition

Neuruppin Folienwerke stoppen Millionen-Investition

Die Ruppiner Papier- und Folienwerke haben eine 21-Millionen-Euro-Investition im Treskower Gewerbegebiet gestoppt. Wegen der Einführung des Tütenpfandes hatte das Unternehmen die Produktion von Plastiktüten einstellen müssen. Eine neue Halle, die das Unternehmen eigentlich hatte bauen wollen, wird nicht mehr gebraucht.

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Vorbei: In Treskow waren Plastiktüten für den Handel produziert worden – hier ein Rundgang bei der Langen Nacht der Wirtschaft.

Quelle: Henry Mundt

Neuruppin. Die Einführung des Plastiktütenpfandes zum 1. April hatte gravierende Folgen für die Ruppiner Papier- und Folienwerke. Weil die Umsätze bei den Tragetaschen dramatisch einbrachen, musste das Unternehmen die Produktion von Plastiktüten für den Handel und von Kunststoffverpackungen einstellen. 36 Mitarbeiter sind nach dem 1. April freigestellt worden. Zwar hätte der Betrieb acht von ihnen in andere Jobs vermitteln können, sagte Geschäftsführer Arnd Heymann. Gleichwohl seien die Entlassungen schmerzhaft. „Für die Weihnachtsfeier haben wir weniger Leute angemeldet – das ist traurig.“

Dramatisch auch: Wegen des Aus in der Folienproduktion mussten die Ruppiner Papier- und Folienwerke eine Millionen-Investition in eine neue, hohe Halle stoppen. Eigentlich hatte das Unternehmen im Treskower Gewerbegebiet 21 Millionen Euro investieren wollen – das Land hatte bereits Fördermittel in Höhe von 9,3 Millionen Euro zugesagt. Als Branchenriesen wie Rewe sich jedoch von der Plastiktüte verabschiedeten, musste Heymann reagieren und den Hallenbau, der erst im Dezember genehmigt worden war, wieder stoppen. „Vor fünf Wochen habe ich den Förderbescheid zurückgegeben.“

Im Schwesterunternehmen will man investieren

Trotz Massenentlassung und Stopps einer Großinvestition sei das Unternehmen gut aufgestellt, sagt Heymann. Die Ruppiner Papier- und Folienwerke wollen sich künftig auf die Produktion von Servietten konzentrieren. „Da hat sich der Markt gerade wieder entspannt.“ Im Schwesterunternehmen Forti-Folien – wie die Ruppiner Papier- und Folienwerke im Treskower Gewerbegebiet angesiedelt– will man sogar investieren. Etwa zwei Millionen Euro sollen in Maschinen für die Konfektionierung von Haushalts-Alufolie fließen. Derzeit testet das Unternehmen neue Maschinen bereits.

Während Heymann bei den Ruppiner Papier- und Folienwerke einen Einstellungsstopp verhängen musste, werden bei den benachbarten Forti-Folien Leute gesucht – Staplerfahrer und Maschinenführer für die neuen Anlagen. Etwa 70 Menschen sind derzeit in beiden Unternehmen beschäftigt.

Langfristig, so hofft Heymann, werde „der Bereich Aluminium wachsen“. Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen mit der Alufolie einen Umsatz von 25 Millionen Euro. Künftig wollen die Forti-Folien 40 Millionen Euro erwirtschaften. Die Alu-Folie sei „eine Nischenproduktion“, sagt Heymann. Aber durchaus rentabel.

Umsatzvolumen bei Tragetaschen brach ein

Zum 1. April war in Deutschland ein Pfand auf Plastiktüten eingeführt worden – aus Umweltschutzgründen. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe verbannte die Tüte sogar ganz aus seinen Kassenregalen. Für die Ruppiner Papier- und Folienwerke, die zuvor auch Rewe beliefert hatten, bedeutete die Einführung des Pfands: einen Rückgang des „Umsatzvolumens um 70 Prozent bei den Tragetaschen“. Schon Mitte Februar war das Unternehmen aufgefordert worden, Restbestände von Plastiktüten zu verkaufen.

Heymann hat kein Verständnis für das „Negativimage der Plastiktüte“. Keine Tragetasche sei so robust und so oft wieder verwendbar wie ein Plastikbeutel. „Das beste Beförderungsmittel wurde gecancelt“, sagt er. Anders als etwa eine Papiertüte lasse sich ein Plastikbeutel immer wieder benutzen. Zudem sei der Anteil der Plastiktüten am gesamten Plastikverpackungsmüll vergleichsweise klein.

Von Frauke Herweg

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