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Fontanes Wanderungen neu erzählt

Neuruppin Fontanes Wanderungen neu erzählt

Zuerst hat sich Robert Rauh den fünften Band von Fontanes „Wanderungen“ vorgenommen: „Fontanes fünf Schlösser“ kam beim Publikum gut an. Nun hat sich der Lehrer und Autor dem ersten Band zugewandt und durchstreift die Ruppiner Schweiz. Dabei spricht er viel mit den heutigen Akteuren. 2019 erscheint das Buch: im Fontanejahr.

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Robert Rauh und seine Inspirationsquelle – am Fontanedenkmal in Neuruppin.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. „Kann man da hin?“ Das ist die häufigste Frage, die Robert Rauh bei seinen Lesungen gestellt wird. Die Antwort: Klar kann man da hin. Theodor Fontane hat es vorgemacht. 20 Städte und Dörfer hat er im ersten Band seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg – Die Grafschaft Ruppin“ in seinen Wanderungen unter die Füße und die Lupe genommen, dazu ein paar Landstriche zwischen Wäldern oder Seen gelegen. Und hat der Region damit ein außergewöhnliches Denkmal gesetzt. Viele Fontanefans begeben sich auch heute noch in die Fußstapfen des berühmten Dichters und besuchen die Orte. Robert Rauh tut es auf seine Art.

Bereits in diesem Jahr hat der Berliner Autor gemeinsam mit seinem Co-Autor Erik Lorenz „Fontanes fünf Schlösser“ herausgegeben – bezogen auf den fünften Band der Wanderungen. Was ist heute eigentlich mit Schloss Hoppenrade, mit Liebenberg, Quitzöbel, Plaue und Dreilinden? – hat er sich gefragt und sich auf Spurensuche begeben. Es war nicht schwer, mit den jetzigen Besitzern ins Gespräch zu kommen, hat er verwundert festgestellt. Er hat ausgiebig recherchiert und in fünf Kapiteln erzählt, was seit Fontane geschehen ist: mal als Krimi wie bei der Eulenburg-Affäre im Schloss Liebenberg, mal als Komödie wie die der verschwundenen Löwen in Hoppenrade. Das endgültige Happy End steht noch aus.

Eine Station der Wanderungen war Radensleben

Eine Station der Wanderungen war Radensleben.

Quelle: Regine Buddeke

Das Buch kam bei der Leserschaft gut an. „Die Angst, dass nur Fontane-Fans es kaufen, war unbegründet“, sagt Rauh. Allein zwischen März und Juni seien 2000 Exemplare verkauft worden. Er bekommt Zuschriften von Jüngeren: Grundstücksbesitzern aber auch regional Interessierten. Das gab den Ausschlag: Robert Rauh machte sich erneut in die Spur und arbeitet sich derzeit durch den ersten Band von Fontanes Wanderungen „Die Grafschaft Ruppin“. Anders als sein großer Vorgänger macht er die Kapitel nicht an den damaligen Adelsgeschlechtern fest – die sind heute ja auch knapper gesät. Stattdessen spricht er mit den heutigen Akteuren. Die in den Orten leben, die dafür sorgen, dass Historie und Baudenkmäler erhalten bleiben, und damit auch Fontanes Erbe ehren.

Den Friedhof beim Kloster Lindow hat Fontane einst beschrieben

Den Friedhof beim Kloster Lindow hat Fontane einst beschrieben.

Quelle: Regine Buddeke

Er hat Neuruppin, Lindow, Radensleben, Garz und Meseberg besucht. In Rheinsberg hat er mit Frank Matthus und Detlef Fuchs von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gesprochen. Er hat in Köpernitz lange mit Bernd Donner geredet, der im Kulturgutshaus die Tradition Fontanes pflegt und die Geschichte des Hauses derer La Roche Aymon erforscht. Er hat in Karwe geschlagene fünf Stunden mit Verleger und Regionalhistoriker Günter Rieger geplaudert, der die Region in zig herausgegebenen Büchern würdigte. Er hat Wuthenow unter die Lupe genommen und in Karwe Kraft von dem Knesebeck über das Gut ausgehorcht. Er war im Protzener Sonntagscafé und hat sich von Insel-Vereinschefin Elke Wildt über das dortige Gutshaus erzählen lassen. Und er war in Gentzrode, der Ruine, die einst Dank der Neuruppiner Kaufmannfamilie Gentz ein prächtiges Denkmal der Baukunst war: ein gelungenes Zusammenspiel von märkischer Backsteinoptik und der maurischen Architektur. „Es war unglaublich schwer, Gentzrode überhaupt zu finden. Ich wollte schon aufgeben“, erinnert sich Robert Rauh an seinen ersten Besuch. Zwei Stunden habe es gedauert, bis er über die alten sowjetischen Kasernen gestolpert sei – denn Gentzrode war nach 1945 fest in der Hand des sowjetischen Militärs, nachdem die Wehrmacht dort abzog. „Zwangsläufig wird mein Gentzrode-Kapitel auch mit der Suche nach dem Schloss beginnen.“

In Köpernitz kümmert sich der rührige Förderverein um Bernd Donner um das Gut

In Köpernitz kümmert sich der rührige Förderverein um Bernd Donner um das Gut.

Quelle: Regine Buddeke

Er hat ausgiebig in diversen Archiven recherchiert: Etwa, dass die Russen bis 1991 dort residierten – 5000 Soldaten waren auf dem Areal stationiert, dass heute mehr und mehr verfällt und zuwuchert. Die derzeitigen Besitzer, türkische Investoren, lassen von Investition wenig bemerken. Robert Rauh sucht den Kontakt. Er möchte wissen, was aus dem einstigen Prachtbau wird. „Aber vermutlich wird es ein stilles Kapitel“, sagt er. Sprich eines ohne Menschen. „Ich werde mich über die sowjetische Vergangenheit des Gutes schrittweise rückwärts in die Vergangenheit bewegen und mit Fontane und dem gegenwärtigen Status quo verweben“, sagt Rauh.

Spannend findet er, dass es überall Querverweise zwischen den Orten der Wanderungen zu entdecken gibt. Etwa als die Kaufmannsfamilie Gentz 1880 bankrott machte: „Ein Nachkomme des damaligen Insolvenzverwalters Legde hat später im Gutshaus Protzen gelebt.“ Auch die Biografie von Johann Christian Gentz – vom Torfbaron zum Bankrotteur – interessiert Rauh. „Fontane hat ja geschrieben, er sei sehenden Auges in den Ruin gegangen.“ Insofern will er auch noch tiefe in die Geschichte Protzens eindringen. „Was den Drieberg-Tagen in Protzen folgt, ist von geringerem Interesse“, schloss Fontane sein Kapitel, als er mit den Familien Quast und Preuß fertig war. Robert Rauh hakt nach: „Wieso hat er da aufgehört? Weil es nur ein ‚Bürgerlicher‘ war? Oder war die Zeit zu knapp?“ Er jedenfalls will sich mit dem Nachfahren Dankwart Legdes treffen. Und auch dem Lieblingsneffen Friedrichs II. nachspüren, der im Protzener Gutshaus an Pocken starb. „Ich durfte die Krankenakten des Prinzen im Geheimen Preußischen Staatsarchiv einsehen“, schwärmt Rauh.

Der Köpernitzer Waldfriedhof kommt auch in Fontanes Erzählungen vor

Der Köpernitzer Waldfriedhof kommt auch in Fontanes Erzählungen vor.

Quelle: Regine Buddeke

Wieso ihm die Mark so am Herzen liegt? „Meine Eltern hatten bei Löwenberg ein Grundstück“, erzählt der Berliner. Er habe also viel Zeit in der Mark verbracht. 1991 sei er mit einem Freund mal ins leer stehende Schloss Hoppenrade eingestiegen. „Ich wollte mir das von Fontane beschriebene Treppenhaus anschauen“, gesteht er. So kam es zur Idee der „Fünf Schlösser“. Als Robert Rauh, seines Zeichens Gymnasiallehrer, im Jahr 2013 mit dem deutschen Lehrerpreis geehrt wurde, meldete sich eine Agentur, die mit ihm sein 2015 erschienenes Buch „Schule, setzen, sechs“ realisieren wollte. „Eigentlich dachte ich bei den Schlössern: zu klein, zu regional“, erinnert sich der 50-Jährige an die Verlagssuche. Dennoch klappte es mit dem Bebra-Verlag, der nun auch das neue Wanderungen-Buch herausgibt. Wann? Natürlich 2019 – im Fontane-Jahr.

Nach dem Gut Gentzrode musste Robert Rauh lange suchen

Nach dem Gut Gentzrode musste Robert Rauh lange suchen.

Quelle: Regine Buddeke

Wie er vorgeht beim Schreiben? „Zuerst Fontane lesen, klar. Dann zu den Orten fahren – für den unverstellten Blick.“ Manchmal kommt er inkognito – wie zum Protzener Sonntagscafé. Dann wird aktuell recherchiert, später sortiert. Irgendwann stehen Thema und Aufhänger – dann wird geschrieben. „Mein Anspruch ist, Geschichte in Geschichten zu erzählen: informativ und unterhaltsam zugleich. Und mit einem Spannungsbogen.“ Bedrückende Geschichten wie Gentzrode. Und beglückende a la Protzen. „Das hat mich sehr beeindruckt, wie sich die Leute fürs Gutshaus engagieren.“ Auch die Menschen, denen er begegnet, nötigen Rauh Respekt ab. Bilder wird das Buch natürlich auch haben. Ein ehemaliger Schüler Rauhs ist Profi-Fotograf. 29 Kapitel sind es insgesamt: Und ja – man kann da hin.

Von Regine Buddeke

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