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Ostprignitz-Ruppin „Unverblümt“ im Rosengarten
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Unverblümt“ im Rosengarten
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00:24 21.03.2018
Sie ist Kult, die Fans lieben sie: ohne die lüstern-selbstverliebte Greisin Rosetta Freifrau von Zupp geht bei „Unverblümt“ gar nichts. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Der Name des Programms ist Programm: Rau und reif haben die „unverblümten“ Damen ihr neues Produkt genannt – natürlich geht es also auch ums Älterwerden und die Tücken und Lücken, die damit einhergehen. Rund 80 Zuschauer haben sich am Samstagabend im Neuruppiner Restaurant Rosengarten eingefunden, um den Sketchen von Doreen Vogelei, Anne-Ev Hodel und Dörte Hartwig zu lauschen.

Opa kann auch kopfrechnen

Mit dem gejodelten „Kleinen grünen Kaktus“ geht es los – das Warmup gehört schon seit Urzeiten dazu – das Kabarett gibt es immerhin seit 16 Jahren und hat eine feste Fangemeinde. Bereits in der ersten Nummer treffen Welten aufeinander: frische 18, kein Geld auf Tasche, aber das neue Smartphone lockt. „Oppa“, kräht der Filius, „es gibt pro Lebensjahr ein Prozent Rabatt. Wie viel sind 958 Euro minus 93 Prozent?“ Oppa hat nicht nur noch alle Zähne, er kann auch kopfrechnen. Nur von moderner Technik versteht er rein gar nichts.

Oppa und Enkel im trauten Gespräch. Quelle: Regine Buddeke

Tasten oder Touchscreen, Bluetooth oder MMS, er versteht nur Bahnhof. Für die gelangweilte Schöne am Tresen ist es ein Leichtes, dem rüstigen Greis eines der verstaubten Uralthandys aus der Vitrine als nagelneues aufzuschwatzen. Ohnehin hat der Senior nur Augen für das Sahneschnittchen. „Ich hab noch alle Zähne – und hier klappts auch noch“, sabbert er – mit vielsagendem Blick zum Gemächt. Je oller, je doller. Was der Enkel zu dem teuer bezahlten Antik-Teil sagt, bleibt gnädig offen.

Papa sieht seinen hochbegabten Sprößling auf dem Bau

Das Publikum ist angefixt – immer wieder wird gekichert und gelacht. Auch als Dörte Hartwig eine kurze Anleitung fürs Waxing gibt. „Kauf Heißwachs, Baby“, trällert sie aus leidvoller Erfahrung: seit sie den Fünffach-Vergrößerungsspiegel benutzt, wachsen ihr Haare über der Lippe. „Tut schweineweh“, sagt sie. „Aber nur zweimal.“ Im Gegensatz zur Pinzette – da wären es 50. Abgesehen davon, dass man angesichts schwindender Augenkraft viel länger brauche, die mit der Pinzette zu erwischen.

Szenenwechsel: Lehrerzimmer. Hier prallen Etepetete-Lehrerin und Bauarbeiter aufeinander. „Scheiß-Sachsen“, nuschelt der Vater, während die Lehrerin mit Dresdener Dialekt indigniert die Augenbraue rümpft und dem Mann zu erklären versucht, dass sein Sprössling hochbegabt ist. Dem Vater ist das suspekt.

Im Handy-Rausch. Quelle: Regine Buddeke

„Der Junge soll ne grade Silikonfuge ziehen lernen und Geld verdienen“, pröllt er. Die ist das Maß aller Dinge in seiner Welt. Klar, stolz ist er auf den Filius, der blitzschnell die Angebote und Rechnungen beherrscht. Aber studieren? Das ist verschwendete Zeit. Der Sohn sieht das anders.

Kaffeekränzchen gipfelt im Selfie-Shooting

Abermals um Handys – Fluch und Segen der Postmoderne – geht es heiter weiter. „Endlich mal wieder quatschen – so lang hat man sich nicht gesehen. Fazit: eine redet, zwei tippen und wischen hochkonzentriert auf ihren Handys herum. Gespräch? Fehlanzeige. Immerhin gipfelt das Kaffeekränzchen dann noch in einem gemeinsamen Selfie-Shooting. Schwuppdiwupp ist der Tisch auch schon wieder leer – jede der Damen wurde von ihrem wertvollsten Teil woandershin abberufen. Die Fans kichern einmal mehr.

„Wir kommen schon seit fünf Jahren“, sagt Martina Bartel. „Die Themen sind immer aktuell. Die drei Damen – toll.“

„Unsre Beine – die sind schlank, die sind schön, die sind sexyyy“, säuseln die Unverblümten das textadaptierte Jungpionierlied aus DDR-Zeiten. Hoch auf den Tisch und das gezeigt, was dem fortschreitenden Alter noch trotzen konnte. Vor allem die Frauen im Saal sind entzückt über derlei Trost. Die Männer vermutlich auch.

Rundumschlag um die MeToo-Bewegung. Quelle: Regine Buddeke

„Alles selbst geschrieben“, verrät eine der drei. Das stimmt, die Frauen schreiben sich alle Texte auf den Leib, greifen dabei immer in die Kiste der Wunden und Wunder der Welt – mit zielsicherem Fokus auf den Zeitgeist. Das kommt bestens an – genau wie der Fakt, dass die abendlichen Erlöse stets einem sozialen Projekt gespendet werden. Die Zuschauer dürfen über drei Vorschläge abstimmen. Den meisten Applaus – 94,4 Dezibel, ruft der Techniker – erhält die Jugendgruppe des Technischen Hilfswerkes.

Freifrau von Zupp will jungen Liebhaber

Dann wird es kultig. Freifrau von Zupp erklimmt die Bühne: Jeder Schritt eine Qual, zeitlupenlangsam, ächzend. Das bonbonfarbene Outfit der adeligen Giftspritze ist altbacken, ihr geblecktes Überbiss-Zähnefletschen unter der Pretty-in-Pink-Perücke und den aschenbecherdicken Brillengläsern auch. Zielsicher versprüht sie ihren ätzenden Charme.

Sie hält sich für die Schönste und ist – permanent-lüstern – auf der Suche nach einem Mann. Nach einem frischem Mann. Ein Gegenstück zum nächsten Sketch: da geht es um MeToo, girrende Mädels und baggernde Macho-Chefs. Ganz unverblümt.

Von Regine Buddeke

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