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Ostprignitz-Ruppin Freie Fahrt in die Ruppiner Heide
Lokales Ostprignitz-Ruppin Freie Fahrt in die Ruppiner Heide
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00:35 30.05.2015
 Ab Juli können die Kutschen auf der sogenannten Südroute auch ohne Munitionsexperten an Bord in die Heide fahren. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

In diesem Jahr können wesentlich mehr Touristen als bisher per Kutsche einen Ausflug in die Kyritz-Ruppiner Heide unternehmen. Denn Landrat Ralf Reinhardt (SPD) will per Ausnahmegenehmigung ermöglichen, dass die vier Kutschunternehmen für die Route Neuglienicke, Pfalzheim, Rossow keinen Munitionsexperten für jede Tour benötigen. „Seit ein paar Tagen liegt uns eine Stellungnahme des Kampfmittelräumdienstes vor, dass der Weg unbedenklich ist“, sagte Reinhardt in Neuruppin.

Die Ruppiner Heide

Vier Jahrzehnte, von 1952 bis 1992, nutzte die sowjetische Armee die Kyritz-Ruppiner Heide als Truppenübungsplatz. Die Armee trainierte auf dem 12000 Hektar großen Areal Panzerfahrten und Bombenabwürfe im Tiefflug. Im Kerngebiet der Heide liegen deshalb noch heute unzählige Blindgänger.

1993 zogen die russischen Truppen ab, die Bundesregierung beschloss die militärische Weiternutzung. Die Luftwaffe plante, in der Heide ebenfalls Tiefflüge und das Abwerfen von Bomben zu trainieren. Dagegen machte die Bürgerinitiative Freie Heide mobil. Die Unternehmerinitiative Pro Heide und die Initiative Freier Himmel aus Mecklenburg schlossen sich den jahrelangen Protesten an.

Die Bundeswehr scheiterte mit ihren Plänen für das sogenannte Bombodrom mehrfach vor Gericht. Daraufhin teilte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) Anfang Juli 2009 mit, dass der Bund auf den Ausbau des Übungsplatzes verzichtet.

Der Weg, der sich im Süden des riesigen Areals befindet, soll deshalb aus der sogenannten Sperrverordnung des Landkreises herausgenommen werden. Weil das aber einiger Vorbereitungen bedarf und bis zum Kreistag Ende Juni nicht mehr zu schaffen ist, will Reinhardt zunächst jene Ausnahmegenehmigung erteilen. Der eigentliche Beschluss soll dann im Oktober vom Kreistag nachgeholt werden. Bis dahin soll der Weg auch ausgeschildert sowie mit Warntafeln und Sicherheitsschranken ausgestattet sein. Dafür wird in Abstimmung mit der Heinz-Sielmann-Stiftung, die den südlichen Teil der Kyritz-Ruppiner Heide betreibt, und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die Eigentümerin der Heide ist, am 8. Juni ein Förderprojekt beginnen. Bis zu 15 Mitarbeiter sollen die Warntafeln, Schranken, Hinweisschilder und auch noch Rastplätze bauen.

Experten unterstützen Arbeiter beim Aufstellen von Warnschildern

„Die Sicherheit der Teilnehmer ist gewährleistet. Der Weg wurde vollständig durchsucht und beräumt“, sagt Mathias Wittmoser, Leiter des Amtes für öffentliche Sicherheit in der Kreisverwaltung. Zudem werde der Munitionsexperte der Bima, Daniel Seidel, bei den Arbeiten dabei sein. Damit sollen möglichst schnell eventuelle Ängste bei den Teilnehmern ausgeräumt werden, falls sie beim Einbau eines Pfahles mal auf einen harten Gegenstand stoßen und unsicher sein sollten, ob es sich dabei nicht doch um einen Blindgänger handeln könnte.

„Das ist ja Wahnsinn. Ich bin baff“, freut sich Thomas Pakropa. Dem 51-Jährigen aus Wallitz gehört eines der vier Kutschunternehmen, das bereits Fahrten auf den einstigen Bombenabwurfplatz anbietet. Die Nachfrage war durchaus da. 1200 Leute haben im vergangenen Jahr die Heide bei einer Kutschfahrt zur Heideblüte besichtigt. Laut Pakropa wären es sogar mehr gewesen, wenn nicht immer ein Munitionsexperte hätte dabei sein müssen. „Wir konnten Touren nur um 11 und um 14 Uhr anbieten, weil die Forst meist gegen 16 Uhr Feierabend macht“, so Pakropa. Die meisten Berufstätigen hätten dieses Angebot in der Woche jedoch kaum nutzen können. Zwar wurden dank der Experten der Sielmann-Stiftung auch sonnabends Fahrten angeboten, aber nicht am Sonntag. Dabei sei die Nachfrage gerade an den Wochenenden besonders groß gewesen.

Stiftung schließt Verträge mit Kutschunternehmern

Dank der Ausnahmegenehmigung wird in diesem Jahr vieles leichter. „Die Kutscher werden einen Schlüssel für die Schranken erhalten“, sagte Landrat Reinhardt. Damit können den ganzen Tag über Touren starten, auch an den Wochenenden – je nachdem, wie groß die Nachfrage ist. Allerdings werden die Teilnehmer vor Beginn des Ausflugs weiterhin darauf hingewiesen, dass sie den Weg nicht verlassen dürfen und die Hinweise auf den Warnschildern beachten müssen. „Ohne diese Vorsichtsmaßnahmen wären die Touren abenteuerlich“, betonte Lothar Lankow von der Sielmannstiftung.

Die Stiftung will am Donnerstag mit den vier Kutschunternehmen einen Vertrag über das genaue Prozedere für die Fahrten in die Heide abschließen. Weiterhin unklar ist indes, ob und wann der geplante Aussichtsturm am sogenannten Sielmannshügel errichtet wird. Auf der Sanddüne bei Pfalzheim hatte Inge Sielmann im September 2012 den Vertrag mit der Bima unterzeichnet. Seitdem ist die Sielmannstiftung für knapp ein Drittel des 12.000 Hektar großen Areals zuständig. Auf der Sanddüne soll ein fünf Meter hohes Plateau entstehen, das auch für Rollstuhlfahrer zugänglich ist. Zudem könnte das Plateau noch eine Aussichtsplattform in 15 Metern Höhe erhalten. „Ohne Fördermittel ist der Aussichtsturm aber nichtmöglich“, betonte Lothar Lankow.

Derzeit prüft die Stiftung gerade die neue Richtlinie für das Förderprogramm Leader. Laut Lankow ist noch unklar, ob die Sielmänner antragsberechtigt sind oder die Stadt Neuruppin als Kommune einen Zuschuss beantragen muss. Ziel ist, dass der gut 500.000 Euro teure Turm spätestens 2017 fertig ist. „Der würde sicher noch mehr Touristen in die Heide locken“, ist Lankow überzeugt.

Von Andreas Vogel

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