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Freispruch nach Messerattacke im Fernbus

Putlitz, Neuruppin Freispruch nach Messerattacke im Fernbus

Der 45-Jährige, der im Juni in einem Reisebus eine junge Frau mit einem Messer bedroht hat und sie ausrauben wollte, ist mit einem Freispruch davongekommen. Das Landgericht Neuruppin sah den Mann am Montag als schuldunfähig an.

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Im Flixbus v on Berlin nach Hamburg ereignete sich der Überfall.

Quelle: Dpa

Neuruppin. Freispruch: So lautete am Montag das Urteil des Landgerichts Neuruppin. Die Staatsanwaltschaft hatte den 45-jährigen Alexandrs G. wegen versuchter räuberischer Erpressung angeklagt. Für alle Prozessbeteiligten war unstrittig, dass der 1972 in der russischen Föderation geborene Angeklagte am späten Abend des 13. Juni im Flixbus von Berlin nach Hamburg zwei Reisende mit einem Messer bedroht hat. Dafür kann er aber nicht bestraft werden. Laut psychiatrischem Gutachten war er schuldunfähig aufgrund einer Alkoholhalluzinose.

Nadine O. hat den Abend des 13. Juni noch lebhaft vor Augen. Sie will nach Hause. Entspannt sitzt sie an jenem Dienstag gegen 22.30 Uhr im Flixbus auf dem Weg nach Hamburg. Sie hat noch ein Stück des Weges vor sich, es ist spät. Eine gute Gelegenheit, ein wenig zu schlafen.

Im Schlaf überrascht

Abrupt wird die 29-Jährige aus ihren Träumen gerissen: Der Reisebus befindet sich auf der Autobahn 24 in Höhe Putlitz, als ein Mann mit einem Messer ganz nah vor ihr steht. Er bedroht sie, fordert Geld. Andere im Bus sitzende Fahrgäste bekommen erst gar nicht mit, dass sich hinten im Bus gerade ein Drama abspielt. „Ich wusste nicht , ob ich träume oder wache“, erinnerte sich Nadine O.

Ein Mitfahrer kommt zu Hilfe

Sie bekommt den Schreck ihres Lebens. Dennoch handelt sie instinktiv, kann das Messer abwehren und schreit um Hilfe. Ein 65-jähriger Mitfahrer eilt herbei, als er den Schrei hörte: „Nehmen Sie das Messer weg!“ Ruben F. sah den Mann, der das Messer an den Hals der jungen Frau hält und zögert nicht lange. Er versucht, dem Angreifer die Arme festzuhalten. Es gelingt ihm, dem Gegner das Messer, Teil eines Essbestecks, aus der Hand zu schlagen. „Es war ein schwieriger Kampf“, sagte er. Nadine O. und Ruben F. leiden bis jetzt unter den Folgen der Tat. „Ich bin wachsamer, achte mehr auf Geräusche. Und ich überlege mir zwei Mal, ob ich nachts den Bus oder lieber ein Taxi nehme“, sagte Nadine O.

Angeklagter kann sich nicht erinnern

Auch die herbei gerufenen Polizeibeamten hatten Mühe, den Angreifer zu bändigen. Der konnte sich an das Geschehen nicht mehr erinnern. „Wenn ich das gemacht habe, bedauere ich das aufrichtig“, sagte der Angeklagte gestern.

Der gelernte Schneider hat ein wechselvolles Leben hinter sich. Seine Mutter zog mit ihm, als er zwei Jahre alt war, nach Lettland. 2011 kam er das erste Mal nach Deutschland, wurde 2014 abgeschoben. Das hinderte ihn nicht daran, im Folgejahr wieder einzureisen. Nach eigenen Angaben lebte er von Schwarzarbeit, war teilweise obdachlos. Immer wieder kam er mit dem Gesetz ins Konflikt. Wegen Diebstählen stand er mehrfach vor Gericht. Alles Taten, die er aufgrund seiner Drogenabhängigkeit begangen hat. Wie der psychiatrische Gutachter sagte, ist Alexandrs G. ein „schwer kranker Mann“. Kokain, Heroin, Ephedrin, Alkohol, und das über viele Jahre lang, haben beim Angeklagten zu einer schweren Leberschädigung geführt, die auch das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen hat. Er hat selbst gemerkt, dass bei ihm etwas nicht stimmt, er Verhaltensweisen an den Tag legte, die er sich nicht erklären konnte. So wie den Vorfall im Bus.

„Es spricht alles dafür, dass bei dem Angeklagten vor Antritt der Fahrt eine Alkoholhalluzinose auftrat“, sagte der Gutachter. In diesem Zustand habe Alexandrs G. Dinge wahr genommen, die nicht geschehen sind. So fühlte er sich verfolgt von Litauern, denen er Geld schuldete, hatte er bei der Polizei gesagt. Und dass er die Tat begangen habe, um in die Obhut der Polizei zu gelangen. Dass er das gesagt hat, wusste er später nicht mehr. „Die reale Situation wird umgedeutet“, so der Gutachter. Diese Halluzinose könne nach einigen Tagen wie beim Angeklagten, aber auch erst nach einigen Monaten verschwinden. Sie führt nach Auffassung des Sachverständigen zur Aufhebung der Steuerungsfähigkeit. Deshalb konnte er nicht bestraft werden.

Alexandrs G. kam auf freien Fuß – nach fast sechsmonatiger Untersuchungshaft. Wo er hingeht, weiß keiner. Er ist nicht nur staatenlos, sondern auch obdachlos.

Von Dagmar Simons

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