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Ostprignitz-Ruppin Friedhof kommt nicht zur Ruhe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Friedhof kommt nicht zur Ruhe
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00:18 11.06.2017
Die Polizei am Tatort. Das gestohlene Teil wurde wie der Stein an sich aus sogenanntem Schwarz-Schwedisch gefertigt, auch „schwedischer Marmor“ genannt. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Die Kyritzer Kripo sucht derzeit nach einem aus schwarzem Granit gefertigten Soldatenhelm. Konkret handelt es sich um eine sogenannte Pickelhaube. Sie liegt in Eichenlaub gebettet und war auf dem Kyritzer Friedhof bis vor Kurzem Teil eines Grabsteines für einen im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Dessen Tafel trägt die Inschrift: „Grenadier Heinrich Giese, geb. 6. Jan. 1892, gefallen am Himmelfahrtstage, dem 13. Mai 1915, als Opfer des Weltkrieges bei Kalwarya in Rußland“. Genau 102 Jahre und einen Monat später fehlt nun das über der Tafel einst angebrachte Schmuckstück. Anhand abgeplatzter Stellen ist zu erkennen, dass brachiale Gewalt angewendet worden sein muss, um es herauszubrechen.

Diese Pickelhaube aus schwarzem Gestein fehlt jetzt. Quelle: Konstantin Normann (Archivbild)

Die Polizei hat den Diebstahl dieser Tage dokumentiert. Wenig später erhielt sie vom Kyritzer Fotografenmeister Konstantin Normann zudem eine Aufnahme, die das noch unbeschädigte Grabmal zeigt. Für Normann, der zugleich Mitglied des Gemeindekirchenrates ist, handelt es sich dabei nicht nur schlicht um einen Diebstahl. „Auf diese Weise wurde ein Soldatengrab geschändet“, sagt Normann. Und von einem anderen Gedenkstein soll ein Abzeichen fehlen.

Erst kürzlich gab es Graffiti-Vandalismus auf dem Friedhof in Kyritz

Wann genau die Tat erfolgte, lasse sich laut Polizei nicht sagen. Vermutlich liegt sie einige Tage zurück. Dass etwas fehlt, fiel einem älteren Kyritzer auf, der wiederum die Friedhofsverwaltung informierte. Raffael Eichmann, der täglich auf dem Gelände arbeitet, brachte den Fall dann zur Anzeige. „Mancher treibt’s hier offenbar immer bunter“, sagt Eichmann. Erst vor zwei Wochen musste er die Polizei rufen, nachdem ein Geräteschuppen auf dem Friedhof mit einem großen Graffiti beschmiert worden war. Aber auch von Leuten, die sich nachts auf okkulter Weise auf der Anlage umhertreiben, will er wissen.

Die Polizei versucht nun, das Gelände demnächst häufiger als bisher in Augenschein zu nehmen. Denn wie einer der Beamten sagte, habe auch er schon hin und wieder gehört, dass Dinge auf dem Friedhof gestohlen werden. Weil es sich jedoch in der Regel um kleinere Sachen wie Blumensträuße oder Dekoartikel als Grabschmuck handelt, würde kaum jemand zur Polizei gehen und eine Anzeige aufnehmen lassen. Dazu jedoch rät wiederum die Polizei. Nur so sei eine Häufung von Fällen zu erkennen und es lasse sich besser handeln.

Auch gefräßige Rehe beschäftigen die Friedhofsarbeiter nach wie vor

Ein anderes Phänomen indes sollte seit diesem Frühjahr abgestellt sein: Rehe, vom angrenzenden Feld kommend, überrannten jahrelang die Gräber regelrecht, um sich die zahlreichen Blüten schmecken zu lassen. Sie machten weder vor Stiefmütterchen noch Rosen, Tulpen oder anderen Sorten halt. Jetzt wurde der Zaun aber so weit geschlossen, dass er nicht nur an den Fluss Jäglitz heranreicht, sondern dort auch noch besonders gestellt ist. Die Tiere sollen ihn damit auch nicht bei Niedrigwasser umgehen können.

Doch auf der Suche nach einem Durchlass wandern die Rehe laut Augenzeugen nun bereits um das gesamte Gelände herum und sind auch schon stadtseitig auf der Straße vor der Goethe-Schule gesehen worden. Einige Tiere sollen sogar schon durch den Haupteingang an der Schulenburg-Straßen spaziert sein. Sie kommen aus Richtung Wässering-Parkplatz. So sei es von Wohnmobilisten schon gesehen worden, die dort regelmäßig rasten.

Unlängst war zwar beschlossen worden, die Jagd am und auf dem Friedhof dort trotz der Nähe zur Wohnbebauung zu erlauben. Geschossen wurde bislang aber nicht, anders als in einem ähnlichen Fall in Neuruppin. Vielmehr soll als nächster Lösungsschritt ein neues Schließsystem am Haupttor installiert werden. Die Tür fällt dann jedes mal automatisch wieder ins Schloss. Keiner kann das Tor über Nacht dann noch offen stehenlassen.

Von Matthias Anke

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