Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Frisches Gemüse im Winter aus Fretzdorf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Frisches Gemüse im Winter aus Fretzdorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 29.03.2018
Johannes Lachmann ist seit Anfang 2017 Betriebsleiter bei Gartenbau Havelia in Fretzdorf. Quelle: Claudia Bihler
Anzeige
Fretzdorf

Das Schmuddelwetter mit Schneeregen und Kälte der letzten Tage bleibt sofort draußen, wenn sich die Tür bei Havelia hinter dem Besucher schließt: Ein feiner Geruch von Paprika liegt in der Luft, rechts und links ranken sich meterhohe Paprika- und Tomatenpflanzen. Hier und dort brummt eine Hummel vorbei und sucht sich geschäftig die nächste Blüte der Auberginenpflanzen, um dort beim Nektartrinken auch gleich wertvolle Befruchtungsarbeit zu leisten.

Zur Galerie
Die Pflanzen werden sorgfältig bearbeitet.

Während draußen der Frühling gar nicht recht in Gang kommen will, ist auf neun Hektar Fläche in Fretzdorf fast schon Sommer: In wenigen Tagen beginnt bereits die Ernte. „Dabei hat uns in diesem Jahr das Licht gefehlt“, sagt der Betriebsleiter der riesigen Gewächshausanlage, Johannes Lachmann, „sonst wären die Pflanzen schon weiter.“

Besucher müssen sich umziehen

Anfang 2017 hat Lachmann die Leitung der Anlage übernommen. Wo früher bei Emsflower zu dieser Zeit noch Frühblüher standen, wurde der Anbauzyklus komplett auf den Kopf gestellt. Havelia baut für Werderfrucht an – in Fretzdorf ausschließlich Tomaten, Paprika und Auberginen, in anderen Gewächshäusern auch Gurken und anderes Gemüse: „Ein Vollsortiment“, sagt der Betriebsleiter. Nach dem Havelia die Anlage gekauft hatte, wurde vollständig auf den Blumenanbau verzichtet. Stattdessen beginnt der Gemüseanbau jetzt bereits im Januar und endet mit der letzten Ernte im November.

Bevor der Besucher die neun Hektar großen Gewächshäuser betreten darf, ist zunächst Umziehen angesagt. „Wir haben sehr viele Besucher hier“, sagt Lachmann, „da müssen wir darauf achten, dass keine Pflanzenkrankheiten eingeschleppt werden.“ Vor allem Pilzkrankheiten wie Braunfäule würden die Kulturen sonst gefährden. „Ansonsten kommen wir ohne Pflanzenschutzmittel aus“, sagt der Gartenbauingenieur. Warnfunktionen gibt es auch für alle anderen Schädlinge im Gewächshaus – ob für Blattläuse oder weiße Trapse. Treten doch mal Schädlinge wie Blattläuse auf, werden Nützlinge zur Bekämpfung ausgesetzt.

Wasserversorgung auf den Punkt

Dabei wird in Fretzdorf dennoch in konventionellem Anbau gearbeitet, für einen Bioanbau müssten die Pflanzen in Erde wachsen, hier gedeihen sie in einem Steinwolle-Substrat, das Dämmmaterial ähnelt dem, mit dem auch Dächer gedämmt werden. Für Havelia hat der Substratanbau Vorteile: „Weil das Substrat völlig neutral ist, können wir den Pflanzen kontrolliert immer genau die Nährstoffe geben, die sie benötigen“, sagt Lachmann. Dazu werden in regelmäßigen Abständen Blätter auf ihren Nährstoffgehalt untersucht, das Fehlende zugeführt. Das gilt auch für die Wasserversorgung: Schnell rechnet Lachmann aus, dass eine Rispe Tomaten ohne Sonne pro Tag 300 Milliliter Wasser benötigt. Flüssigkeit wird ihr vollautomatisch alle eineinhalb Stunden zugeführt: „Bei Sonneneinstrahlung ändert sich das natürlich.“

Für eine reiche Ernte sorgen die Erdhummeln. Alle 14 Tage wird ein Hummelvolk ins Gewächshaus gestellt, „Bombus Terrestris“ ist für den Anbau unter Glas ein effizienter Arbeiter, denn die Erdhummeln fliegen sozusagen planmäßig und systematisch jede Blüte an.

60 Mitarbeiter unter Glas

Trotz hoher Automatisierung ist eine Menge Handarbeit nötig. Derzeit sorgen 60 Mitarbeiter dafür, dass die Pflanzen an ihren Rankdrähten nicht durcheinander geraten, dass überflüssige Triebe zurückgestutzt und die Tomaten ausgegeizt werden. Bei der Ernte muss dann kräftig zugelangt werden.

Die Mitarbeiter kommen aus Deutschland, vor allem aus Polen. Lachmann: „Aber auch mit Flüchtlingen haben wir gute Erfahrungen gemacht.“ Die Zusammenarbeit in den Gewächshäusern räumt mit Vorurteilen auf und sorgt ganz selbstverständlich für Integration.

Angela – die Aubergine mit der weißen Zeichnung

Die Hauptfrucht in Fretzdorf ist Paprika: Gelben, orangen, roten und grünen gibt es, in diesem Jahr läuft ein Experiment, auch Spitzpaprika anzubauen. Zwei Sorten Tomaten werden geerntet, darunter Minirispentomaten, von denen einige schon deutlich rot sind.

Erntereif sind jedoch schon die Auberginen, die es in zwei Sorten gibt: Eine tiefdunkle und eine Graffiti-Sorte, die – wie die deutsche Kanzlerin – den Namen Angela trägt und mit einer weißen Zeichnung daherkommt. „Lachmann: „Sie unterscheiden sich aber nicht nur in der Färbung, die bunte Sorte ist auch etwas kräftiger im Geschmack.“

Von der Pflanze in die Regale in kürzester Zeit

Was die Auberginen angeht, ist Havelia vermutlich eines von einer knappen Handvoll bundesdeutscher Gartenbauunternehmen die die Frucht überhaupt anbauen – in Brandenburg ist es das einzige. Doch der für heimische Verhältnisse ungewöhnliche Anbau hat auch Vorteile für die Kunden, die das Gemüse später in diversen Supermärkten kaufen können. „Wir ernten alles vollreif“, sagt Lachmann, „Kunden, die Gemüse mit dem Aufkleber Werderfrucht kaufen, können sich sicher sein, dass das Gemüse nicht irgendwo nachgereift ist, sondern innerhalb von 24 Stunden von der Pflanze in die Regale der Supermärkte gelangt.“

Dazu wird es in Fretzdorf auch gewogen und verpackt: Paprika werden zunächst nach Größe sortiert und zusammengepackt, für die Auberginen wird derzeit eine Gurken-Verpackungsanlage umgebaut. Noch wird im Gewächshaus „entspannt“ gearbeitet. Ende März kommt dann die Tomatenernte, im April herrscht dann Hochbetrieb, wenn auch die Paprika an der Reihe ist.

Von Claudia Bihler

Mit zum Teil sehr alten Gräbern ist der Friedhof in Ganzow ein Zeitzeugnis sondergleichen. Nachdem er im vergangenen Jahr stillgelegt worden ist, soll er nun reaktiviert werden. Allerdings sollen dann Bestattungen unter Bäumen möglich sein. Ob der Friedhof in diesem Jahr noch umgestaltet werden kann, hängt auch von Entscheidern aus Berlin ab.

29.03.2018

Der entscheidende Tipp aus der Nachbarschaft führte die Beamten zu einer geheimen Cannabisanlage in einem Heiligengraber Wohnhaus. Unterm Dach versteckt fanden sie eine professionell betriebene Indoor-Cannabis-Plantage. Ein Tierfänger kümmerte sich derweil um den Kampfhund.

26.03.2018

Wollte sie am Telefon ihrem Nebenmann in der Wohnung imponieren? Oder warum sonst hätte die Frau aus Grabow (Ostprignitz-Ruppin) gleich 20-mal hintereinander den Notruf wählen sollen. Lebensgefährlich erkrankt war sie jedenfalls nicht.

26.03.2018
Anzeige