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Früher Nazi-Terror in der Prignitz

KZ-Ausstellung in Perleberg Früher Nazi-Terror in der Prignitz

Die Exposition „Frühe Konzentrationslager 1933/34: … Alt Daber, Havelberg und Perleberg” ist im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg zu sehen. Lebensgeschichten von Inhaftierten sind dargestellt, darunter vom Bad Wilsnacker Chef des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold.

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Zu sehen sind einzelne Dokumente aus der Zeit des Nazi-Terrors.

Quelle: Jens Wegner

Perleberg. Am Freitag wurde im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg die Ausstellung „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/34: … Alt Daber, Havelberg und Perleberg” eröffnet. Mit der Sonderausstellung der Stiftung „Brandenburgische Gedenkstätten” wurde ein schwieriges Kapitel der deutschen Geschichte aus landesgeschichtlich Brandenburger und regionalgeschichtlich Prignitzer Perspektive aufgearbeitet. Die als Wanderausstellung konzipierte Schau thematisiert die Anfänge der Naziherrschaft unmittelbar nach dem 30. Januar 1933.

Auf großen Tafeln ist die Geschichte in einer Zeitlinie dargestellt, wie die Nationalsozialisten in kaum 18 Monaten die schwache und zum Schluss autoritär geführte Demokratie von Weimar in eine blutige Diktatur verwandelten. Die Ausstellung dokumentiert die eng mit den Ereignissen in der Reichshauptstadt Berlin verknüpfte Machtergreifung in der Provinz Brandenburg, wo der Terror gegen die politischen Gegner des NS-Regimes mit dem 30. Januar 1933 begann. An diesem Tag wurde in Perleberg das Stadtparlament aufgelöst. Gegner der Nationalsozialisten wurden verhaftet, so auch in der Nacht vom 10. zum 11. Mai 1933 der Kommunist Max Theiß (1902-1974) und weitere 25 Männer, darunter zahlreiche Anhänger der KPD und SPD. Am 26. Mai 1933 meldete der Landrat des Kreises Westprignitz, Dr. von Goßler, die Errichtung eines Konzentrationslagers und kündigte die Überführung von Schutzhäftlingen an. Nachdem zehn der 26 Häftlinge entlassen wurden, brachte man die übrigen mit fünf weiteren Häftlingen aus Lenzen am 29. Mai 1933 in das KZ Perleberg, so auch Max Theiß. Am 24. Juni wurde das Lager, das sich in der Feldstraße befand, wieder aufgelöst und die 40 Gefangenen in das KZ Oranienburg überführt.

Die meisten kurzzeitigen Folterstätten sind vergessen

Das Perleberger KZ war eines von neun von den Nazis in Brandenburg eingerichteten frühen Konzentrationslagern, von denen mit Alt Daber bei Wittstock und Havelberg zwei weitere auf Prignitzer Gebiet lagen. Die meisten dieser oft kurzzeitigen Folterstätten sind vergessen. Die Ausstellung zeigt neben der Zeitlinie der Machtergreifung der Nazis, übrig gebliebene Dokumente aus den ehemaligen Konzentrationslagern in Senftenberg, Sonnenburg, Oranienburg, Meissnershof, Börnicke, der Stadt Brandenburg, Alt Daber, Havelberg und Perleberg. Die Lebensgeschichten von Max Theiß, Ewald Sülter und anderen ehemaligen Inhaftierten sind nachzulesen. Zur Ausstellung ist mit dem Band 46 in der Schriftenreihe der Stiftung „Brandenburgische Gedenkstätten” ein Buch erschienen. Die Exposition kann noch bis zum 10. April zu den Öffnungszeiten des Perleberger Museums besichtigt werden.

„Die neue Ausstellung im Museum Perleberg zeigt, dass in unserer Stadt eines der ersten Konzen­trationslager im Jahr 1933 dazu genutzt wurde, Terror gegen politische Gegner auszuüben”, so Peter Krips von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Am Mittwoch, 27. Januar, ab 10 Uhr findet dazu in der Aula des Gottfried-Arnold-Gymnasiums in Perleberg eine öffentliche Gedenkveranstaltung anlässlich des „Nationalen Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus” statt. Bürger, die keinen Platz mehr in der Aula finden oder an der Gedenkveranstaltung nicht teilnehmen können, treffen sich um 10.45 Uhr vor dem Gymnasium. Schüler der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” werden dann zur Kranzniederlegung am VVN-Mahnmal auf dem neugestalteten Marienplatz begleitet. Der Weg durch die Innenstadt wird durch Beamte des Polizeipräsidiums gesichert sein.

Von Jens Wegner

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