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Für Höhenangst ist hier kein Platz

Zapfenpflücker-Kurs Kunsterspring Für Höhenangst ist hier kein Platz

Die Waldarbeitsschule Kunsterspring bietet eine Zusatzqualifikation für Forstwirt-Azubis an – das Zapfenpflücken. Dabei geht es hoch hinaus, denn Fichten können hierzulande locker bis zu 40 Meter groß werden. Die Samen in den Zapfen werden beispielsweise benötigt, wenn ein Baumartenwechsel geplant ist. Eine Ernte ist jedoch nicht in jedem Jahr möglich.

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Danny Miethe übt das Klettern – er kann sich gut vorstellen, nach seiner Ausbildung auch als Zapfenpflücker tätig zu werden. Quelle: Peter Geisler

Gühlen-Glienicke. „So Herr Miethe, Sie steigen jetzt hoch bis zu dem ersten grünen Ast und dort machen Sie sich abseilfertig“, weist Enrico Backs seinen Azubi an. Gesagt, getan. Danny Miethe legt ein Seil um den Stamm, hakt die Karabiner der zwei Enden im Gurtsystem ein, das seinen ganzen Körper umspannt und legt los. Zwei Schritte waagerecht den Stamm hoch, dann mit dem Seil nachgreifen. Für den sicheren Halt an der Rinde sorgen Steigeisen, die Miethe über seine Schuhe gezogen hat.

 Ausbilder Enrico Backs (l) kontrolliert bei Azubi Danny Miethe, ob das Geschirr auch korrekt angelegt ist

Ausbilder Enrico Backs (l.) kontrolliert bei Azubi Danny Miethe, ob das Geschirr auch korrekt angelegt ist.

Quelle: Peter Geisler

Stück für Stück klettert der 24-Jährige so die gut 40 Meter hohe Fichte in einem Waldstück am Ortseingang von Gühlen-Glienicke hoch. Miethe absolviert seit drei Jahren eine Ausbildung zum Forstwirt beim Landesbetrieb Forst. Als Zusatzqualifikation bietet die Waldarbeitsschule Kunsterspring einen Zapfenpflücker-Kurs an – in der Fachsprache: Baumgebundenes Arbeitsverfahren für die Waldsamenernte. Miehte ist einer der Teilnehmer.

Zapfen-Ernte nur alle fünf bis zehn Jahre

Etwa 30 Zapfenpflücker habe der Landesbetrieb Forst aktuell, sagt Enrico Backs, an der Waldarbeitsschule seit 2006 verantwortlich für den Bereich Fort- und Weiterbildung. „Das Pflücken ist eine reine Zusatzqualifikation und kein Pflichtteil der Ausbildung“, erklärt der 43-jährige Forstwirtschaftsmeister. „Zumal die Samenernte saisongebunden ist und auch nicht jedes Jahr stattfindet.“ Circa alle fünf bis zehn Jahre würden die Bäume genügend Saatgut produzieren, dass eine große Menge geerntet werden könne, sagt Backs.

Steigeisen an den Schuhen sorgen für den richtigen Halt am Baumstamm

Steigeisen an den Schuhen sorgen für den richtigen Halt am Baumstamm.

Quelle: Peter Geisler

Miethe ist inzwischen gut zehn Meter hoch geklettert. Die Fichten eigneten sich besonders gut für diese Kletterübungen – wegen der Rindenstruktur und ihrem Kronenaufbau, erklärt Backs. Und er ergänzt: „Normalerweise steigt ein Zapfenpflücker ja auch nur ein Mal nach oben und seilt sich dann ab. Das heißt, der Baum wird nur ein Mal mit dem Steigeisen verletzt – und da die Ernte nicht jährlich stattfindet, ist das verschmerzbar.“

Wetter spielt eine wichtige Rolle

Die Zapfen-Erntezeit geht von August bis Februar. Im August und September ist die Douglasie dran, Kiefer und Fichte im Januar und Februar. Alle anderen Baumarten reihen sich dazwischen ein.

Das Wetter spielt eine wichtige Rolle dabei, wie häufig Bäume beerntet werden können. Wenn es in der Blühzeit beispielsweise viel regnet, kommt der Pollen nicht zur Blüte – es gibt dann zwar Zapfen, aber keine Samen.

100 Kilogramm Zapfen ergeben bei der Douglasie circa drei bis vier Kilogramm Saatgut. Ähnlich verhält es sich bei der Fichte.

Das Saatgut darf nur dort wieder ausgepflanzt werden, wo es geerntet wurde – weil die Bäume sich an die jeweiligen geografischen Bedingungen gewöhnt haben.

30 Auszubildende stellt der Landesbetrieb Forst jedes Jahr ein. Am 5. September beginnt das neue Lehrjahr.

Es gehe immer eine hohe Anzahl sehr guter Bewerbungen ein, sagt Enrico Backs. Daher seien keine Engpässe zu verzeichnen.

Am häufigsten bewerben sich Männer, der Frauenanteil liege im Schnitt bei zehn Prozent, schätzt Backs.

Welche Samen direkt vom Baum geerntet werden müssen, sei unterschiedlich, sagt Backs. „Eiche und Buche beispielsweise haben große, schwere Samen, die auf dem Waldboden verteilt werden, wo wir sie einsammeln können. Bei anderen Bäumen sind die Körner so klein, dass sie vom Wind überall hin verteilt würden – also ernten wir sie direkt vom Baum.“

Alle Seile fest verknotet

Alle Seile fest verknotet? Die Sicherheit der Pflücker ist das A und O.

Quelle: Peter Geisler

Die Samen werden benötigt, um die Wälder zukunftsfähig zu machen – oder wie Fachmann Backs sagt: „Wir wollen den Anteil der Laubhölzer erhöhen, um die Wälder klimaplastisch gestalten zu können.“ Das bedeutet, sie an stetig wechselnde Wetterverhältnisse wie lang anhaltenden Regen oder lange Trockenzeiten anzupassen. „Wir müssen uns Gedanken machen, ob unsere Wälder bei den veränderten Klimabedingungen bestehen können“, sagt Backs. Angezogen werden die benötigten Laubbäume in Baumschulen.

Douglasien-Samen momentan besonders nachgefragt

Pro Erntevorgang werden zwischen zehn und 50 Kilogramm Zapfen geerntet – je nach Baumart. Unter zehn Kilo lohne sich die Ernte nicht, da ein Pflücker um die drei Stunden für Aufstieg, Ernte und Abstieg benötige, sagt Backs. Die Zapfen kommen anschließend in eine Aufbereitungsstation – die Samendarre – in der die Samenkörner gewonnen werden. Eine von drei Darren in Ostdeutschland steht in Jatznick (Mecklenburg-Vorpommern). Dort kommen auch die brandenburgischen Zapfen hin. Das Saatgut wird dann an Baumschulen und Saatguthändler verkauft.

Stück für Stück erklimmt Azubi Danny Miethe die Fichte

Stück für Stück erklimmt Azubi Danny Miethe die Fichte.

Quelle: Peter Geisler

In diesem Jahr sehe es schlecht aus mit der Ernte, sagt Backs. Am meisten nachgefragt sei aktuell Douglasien-Samen – ein Kilogramm dieser Samenkörner koste zwischen 700 und 800 Euro. „Wenn wir ein richtig gutes Jahr haben, kostet das Kilo nur 300 Euro“, ergänzt Backs.

Azubi Danny Miethe hat inzwischen wieder festen Waldboden unter den Füßen. „Ich habe mich für die Ausbildung entschieden, weil ich gerne in der Natur bin, hier finde ich Ruhe“, erzählt der 24-Jährige. Auch mit Arbeit in der Höhe habe er keine Probleme und könne sich durchaus vorstellen, in Zukunft als Zapfenpflücker tätig zu werden. „Das ist schon eine schöne Arbeit für den, der sich mit den Umständen anfreunden kann“, ergänzt Enrico Backs lachend.

Von Josephine Mühln

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