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Für Prügel ins Gefängnis

Neuruppin Für Prügel ins Gefängnis

Weil er sich von seinem Mitbewohner im Stich gelassen fühlte, prügelte ein 29-Jähriger am 29. April dieses Jahres in Neuruppin ohne Vorwarnung mit Fäusten auf den anderen ein und trat das Opfer mehrfach ins Gesicht. Das Neuruppiner Landgericht verhängte eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten. Die muss der vielfach vorbestrafte Angeklagte absitzen.

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Ein 29-Jähriger muss für ein Jahr und drei Monaten ins Gefängnis. So lautete das Urteil des Neuruppiner Amtsgerichts am Dienstag.

Quelle: dpa

Neuruppin. Weil er von seinem Verhalten enttäuscht war, schlug Enrico D. am 29. April dieses Jahres seinen Mitbewohner John M. in Neuruppin zusammen und verlangte außerdem von diesem noch 50 Euro. Am Dienstag wurde der 29-Jährige vom Neuruppiner Amtsgericht zu einer Strafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, die er auch absitzen muss. Vorausgegangen war eine Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Angeklagtem. Im Gegenzug für ein glaubhaftes Geständnis sicherte das Gericht dem Angeklagten eine Strafe von höchstens einem Jahr und sechs Monaten zu. Damit war Enrico D. einverstanden und redete los.

Mitbewohner geschlagen und getreten

Er und sein späteres Opfer wohnten in der Obdachlosenunterkunft K 6. Dort wurde Enrico D. zwei Tage vor der angeklagten Tat im Hausflur zusammen geschlagen. „Ich lag blutend auf dem Boden. Das hat John gesehen und ist wortlos in sein Zimmer gegangen, ohne die Polizei oder den Krankenwagen zu rufen“, sagte der Angeklagte. Der von ihm Beschuldigte gab zu, nach einem Gang durch die Stadt einen Streit mitbekommen zu haben. „Da hatten sich einige in der Wolle. Weswegen, weiß ich nicht. Enrico blutete. Wäre ich rechtzeitig zur Stelle gewesen, hätte ich ihm geholfen“, sagte John M.

So aber ging Enrico D. alleine ins Krankenhaus, wo die Wunde mit genäht wurde. Er entließ sich selbst und verbrachte zwei Tage schlaflos vor Schmerzen in seinem Bett. Seine Enttäuschung und Wut darüber, dass John M., den er als guten Freund sah, ihm nicht geholfen hat, steigerte sich. „Ich war stinkesauer. Es hat innerlich in mir gebrodelt.“ In dieser Verfassung ging er ins das Zimmer von John M. „Ich habe gehofft, dass er sich entschuldigt.“ Doch der 30-Jährige kam gar nicht dazu. Der Angeklagte zog ihm den Stuhl weg, nahm ihm die Brille ab und schlug mit der Faust zu. Als John M. aufs Bett fiel, bekam er auch noch Tritte. „Mir war kurzzeitig schwummerig“, sagte das Opfer.

Geld vom Opfer gefordert

Zudem forderte Enrico D. 50 Euro, wenn die Sozialhilfe ausgezahlt werde. Damit wollte er seine blutverschmierten Sachen reinigen lassen. Zur Geldübergabe kam es nicht. John M. schlüpfte vorübergehend bei einem Freund unter und erstattete Anzeige, nachdem Enrico D. ihm einen Handynachricht schickte, wo denn das Geld bliebe. Seit dem 4. Mai sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft Im Gerichtssaal entschuldigte sich Enrico D. bei John M. Er wolle das Verhältnis bereinigen, damit man sich wieder in die Augen gucken können. Darauf ging John M. ein.

„Es gab keinen Grund, jemanden zusammen zu schlagen und erst recht keinen Grund, Geld zu verlangen“, sagte die Staatsanwältin. Dass der Angeklagte Marihuana und Speed konsumiert habe, sei „ein Grund für die maßlose Enthemmung, aber keine Entschuldigung“. Gegen Enrico D. spricht eine lange Liste an Vorstrafen. 21 Einträge weist das Bundeszentralregister auf. Zur Zeit der Tat stand er unter Bewährung. „Er ist eigentlich nicht der Gewalttätige“, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Pries. In den meisten Fällen handelte es sich um Beschaffungskriminalität. Dass John M. lediglich ein zugeschwollenes Gesicht hatte, sei großes Glück, auch für den Angeklagten. Bei der Art der Schläge und Tritte hätte das ganz anders aussehen können, so Pries.

Keine Bewährung möglich

Die Strafe noch zur Bewährung auszusetzen, kam wegen einer fehlenden günstigen Sozialprognose nicht in Betracht. Am Dienstag konnte der 29-Jährige trotzdem den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Das Gericht hob den Haftbefehl auf. Enrico D. muss nun auf die Ladung zum Haftantritt warten. Und kann vielleicht umsetzen, was er sich vorgenommen hat: Sein Leben in den Griff zu bekommen. Er will nach Thüringen zu Verwandten ziehen, raus aus dem Drogenmilieu. „Ich hoffe, dass Sie aus Ihrem jungen Leben noch etwas machen können“, gab ihm Richter Pries mit auf den Weg.

Von Dagmar Simons

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