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Pächter in Schweinrich geht in Rente

Campingplatz „Blanschen“ sucht Eigentümer Pächter in Schweinrich geht in Rente

Der Naturcampingplatz bei Schweinrich gilt als Geheimtipp. Rund 40 Dauercamper und etliche Kurzzeitbesucher wissen die Idylle zu schätzen. Ab 2016 soll ein Neuer den Platz übernehmen, als Pächter oder Eigentümer. Noch ist unklar, was passiert, wenn kein geeigneter Betreiber gefunden wird.

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Der Naturcampingplatz „Blanschen“ bei Schweinrich gilt noch immer als ein Geheimtipp.

Quelle: Fotos (3): Björn Wagener

Schweinrich. Aufregung herrscht derzeit auf dem Naturcampingplatz Blanschen bei Schweinrich. Pächter Jürgen Erfurth gibt den Platz zum Jahresende aus gesundheitlichen Gründen auf. Die Stadt Wittstock sucht deshalb per Ausschreibung einen neuen Pächter. Noch bis Ende Juli können sich Interessenten melden. Zehn Bewerber hätten das bislang getan, sagt Vize-Bürgermeister Dieter Herm. Allerdings handele es sich dabei durchweg nur um mündliche Interessenbekundungen. Möglich seien außer der Verpachtung auch andere Varianten wie etwa Mietkauf. Die Stadt halte sich da alle Optionen offen – und geht davon aus, auch tatsächlich einen neuen Betreiber zu finden.

Jürgen Erfurth (hier mit Ehefrau und Helferin Ute) setzt sich zur Ruhe

Jürgen Erfurth (hier mit Ehefrau und Helferin Ute) setzt sich zur Ruhe.

Quelle: Björn Wagener

Einen Plan B  für den Fall, dass man sich auf niemanden einigen kann, gebe es nicht. Der Nachfolger sollte vor allem eine positive Bankauskunft und ein passendes Konzept vorlegen. Denn es müsse ein Bebauungsplan eingehalten werden. Der rund 28 000 Quadratmeter große Campingplatz habe neu „überplant“ werden müssen, um von der Naturschutzbehörde auch künftig akzeptiert zu werden. Das wiederum wird einige nötige Veränderungen nach sich ziehen. Laut Dieter Herm müssten Rettungswege für den Notfall geschaffen werden. Darüber hinaus solle der gesamte Campingbetrieb weiter vom See weg in Richtung Wald verlegt werden – aus Naturschutzgründen. „Zeltplätze sollen sich nicht mehr direkt im Uferbereich, sondern im ufernahen Bereich befinden sowie die Standplätze der Dauercamper etwas zurückgenommen werden“, so Dieter Herm, ohne konkrete Meter-Angaben zu machen. Andererseits werde es für die durch die Rückverlegung beanspruchte zusätzliche Waldfläche Ausgleichspflanzungen geben. Einem Teil der rund 40 Dauercamper werde jeweils ein neuer Platz angeboten. Zudem solle der See perspektivisch der Stadt zugeordnet werden. Noch befinde er sich im Eigentum des Landes, so Dieter Herm.

Das Verständnis für den Rückzug in Richtung Wald hält sich bei den Campern in Grenzen. „Wovor soll der See denn geschützt werden? Vor uns? Wir tun ihm doch nichts. Die sollen mal lieber die Massentierhaltung verhindern“, ärgert sich ein Mann in einem Grüppchen von Campern, das sich im Imbissladen getroffen hat. Sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Ruhe und Idylle auf dem Platz machten ihn noch immer zum Geheimtipp. Bernd Köhler aus Berlin ist seit 16 Jahren Dauercamper am Blanschen und möchte es auch bleiben. Denn er fühle sich dort pudelwohl. Sein Domizil ist weithin an der wehenden Hertha-Fahne zu erkennen. In dem geschützten Sitzbereich geht es gemütlich zu. Es gibt einen Grill. An der Wand hängen Bilder von Boxern und Autos.

Marianne und Jan Arnold sind begeisterte Camper und haben auf dem Platz Hochzeit gefeiert

Marianne und Jan Arnold sind begeisterte Camper und haben auf dem Platz Hochzeit gefeiert.

Quelle: Björn Wagener

Wie Bernd Köhler haben sich viele Camper am Blanschen häuslich eingerichtet und hoffen, nicht umziehen zu müssen. „Die Großstädter lieben die Ruhe“, sagt Ute Erfurth, die ihren Mann Jürgen bei der Bewirtschaftung des Platzes unterstützt. Er übernahm ihn 1996 und baute ihn seitdem weiter auf. Jetzt gibt es Sanitäranlagen, und die Wohnwagen dürfen überdacht werden, um sie vor herabfallenden Ästen zu schützen. Dennoch: Der Blanschen soll möglichst naturnah bleiben. Wer Parzellenwirtschaft oder Luxuscamping bevorzugt, ist woanders besser aufgehoben. Kinder zahlten pro Tag 25 Cent, Erwachsene 50 Cent. Ein Jahresticket koste 700 Euro. Mit dem Geld werde der Platz sauber und gepflegt gehalten. Mit den Gästezahlen sind die Erfurths zufrieden: „Es läuft inzwischen ganz gut. Die Tendenz ist steigend.“ Viele Dauercamper kämen aus Berlin oder Hamburg, einer sogar aus Zürich in der Schweiz. Oft jedoch „müssen wir jetzt Gäste beruhigen, weil sie sich um die Zukunft des Platzes sorgen. Sie können mitunter gar nicht glauben, dass wir auch nicht wissen, wer unser Nachfolger wird“, sagt Ute Erfurth. Sie wünscht sich, dass der neue Betreiber das „Kleinod mit Gefühl für die Natur und Verständnis für die Camper“ erhalten möge, denn es sei Wittstocks „Tafelsilber“.

Das hofft auch Marianne Arnold aus Berlin. „Man kommt an und hat sofort das Urlaubsgefühl. Die Libellen fliegen, die Grillen zirpen“, schwärmt sie. Ihr heutiger Mann Jan und sie entdeckten den Blanschen 2011 eher zufällig, weil sie den Namen so lustig fanden, waren aber derart begeistert, dass sie am 22. Juni 2012 sogar dort ihre Hochzeit feierten. „Wir hätten auch gern die Trauung auf dem Platz vollzogen, aber das war rechtlich nicht möglich“, erzählt Marianne Arnold und bekennt: „Ich würde mich vielleicht sogar selbst gern als Pächter bewerben, wenn ich nur mehr Ahnung von diesem Gewerbe hätte.“ Am kommenden Wochenende wollen die Arnolds übrigens wieder in Richtung Blanschen aufbrechen, wenn das Wetter mitspielt. Dann soll der Campergemeinde der eigene Nachwuchs vorgestellt werden.

Von Björn Wagener

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