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Fürsprache für das Stiefkind Wald

Forstpolitik auf der Lichtung bei Walsleben Fürsprache für das Stiefkind Wald

„Obwohl Wälder in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rolle spielen, sind sie immer noch das fünfte Rad am Wagen“, sagt Enno Rosenthal, der Vorsitzende des Waldbauernverbandes Brandenburg. Damit dem Stiefkind Wald mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, gab es neulich eine Debatte über Forstpolitik – mitten im Wald auf einer Lichtung.

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Walsleben. „Wir wünschen uns eine gemeinsame europäische Forstpolitik“, sagte Enno Rosenthal, Vorsitzender des Waldbauernverbands Brandenburg bei einer Diskussionsrunde mit der Europaabgeordneten Susanne Melior. Sie kam in der vergangenen Woche in den Wald bei Walsleben, um auf dem Pausenplatz der Waldarbeiter mit geladenen Gästen über Forst- und Agrarpolitik zu diskutieren. Eingeladen hatte der Chef der Waldbauern.

Diskussionsteilnehmer waren die Temnitzer Amtsdirektorin Susanne Dorn, der Referatsleiter für Wald- und Forstwirtschaft im Brandenburger Landwirtschaftsministerium, Carsten Leßner , Jens Winter, Geschäftsführer der Firma „Hakenberger Fleisch“ und Vorstandsmitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft Neuruppin.

Es wäre alles viel einfacher, wenn die europäischen Mitgliedsstaaten eine gemeinsame Antwort auf Waldprobleme hätten. „Obwohl Wälder in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rolle spielen, sind sie immer noch das fünfte Rad am Wagen“, sagt Enno Rosenthal. Wälder trügen zum Schutz der Böden bei, spielen eine wichtige Rolle im Wasserkreislauf, regulieren das Klima, bieten Flora und Fauna Lebensraum und liefern auch noch Holz. Sie hätten also einen wichtigen Platz in der europäischen Kultur, aber in den Verträgen würden sie immer noch als Stiefkinder behandelt.

Die Forstpolitik fällt nach wie vor in erster Linie in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Mitgliedsstaaten. Finanzielle Mittel für Wälder stammen zum großen Teil aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler). Aus diesem Topf bekommt auch die Waldbauernschule Brandenburg Fördermittel. „Ohne diese Förderung könnten sich viele Waldbauern diese Weiterbildung nicht leisten“, sagt Rosenthal. Für die zweitägigen Schulungen, die jeweils im Frühjahr und im Herbst angeboten werden, zahlen die Teilnehmer 30 Euro; 400 Euro müssten sie aufwenden, wenn es die Förderung nicht gäbe. Schwerpunkte der Weiterbildung sind vor allem forstliche Themen, aber auch Naturschutz, juristische und steuerrechtliche Fragen, aber auch neue Förderrichtlinien. Und diese sind für viele kleine Waldbesitzer sehr undurchsichtig. „Die neuen Förderrichtlinien haben viele Hürden“, sagte Carsten Leßner. „Wer mehr als 50 Hektar Wald hat, muss einen Managementplan liefern, was auch immer das ist.“

Die Bürokratie ist allerdings nicht nur für die Waldbesitzer eine Katastrophe, sondern auch für die Landwirte. Das bestätigte Jens Winter vom Rhinmilchverbund. Er kritisierte die Förderung von mittleren und kleinen Betrieben. „Wenn wir von GmbHs reden, dann stehen denen in Brüssel schon die Haare zu Berge. Für sie sind landwirtschaftliche Betriebe Familienunternehmen.“ Für den Landwirt gibt es viele Fragen, die er der Europaabgeordneten gern mit nach Brüssel gibt: Wie kriegt man Jungunternehmer wieder als Gesellschafter in die Betriebe? Warum müssen wir genmanipuliertes Soja importieren? „Soja könne durchaus durch andere Futtermittel ersetzt werden. Dann hätten wir eine bunte Landwirtschaft – vielleicht mit einer geringeren Milchleistung, aber dafür mit höheren Preisen“, so Winter. Ein weiteres wichtiges Thema für ihn: „Die Milchbörse ist die einzige Börse, die nicht funktioniert in der Europäischen Union. Sie muss wieder in Bewegung gebracht werden, um die Bauern abzusichern..“

Auch die Flüchtlingsproblematik wurde auf der Waldlichtung diskutiert. Durchaus ein wichtiges Thema für den ländlichen Raum. „Wir wollen den Flüchtlingen eine Heimat geben“, sagte Susanne Dorn „Dafür müssen wir Menschen in Arbeit bringen, vielleicht mit etwas mehr Fördermitteln.“ Zustimmung erhielt sie von Enno Rosenthal. Er sucht dringend Arbeitskräfte.

Von Cornelia Felsch

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