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Ostprignitz-Ruppin Furioser Schöller-Auftakt im Regen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Furioser Schöller-Auftakt im Regen
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00:15 16.08.2016
Auf der Bühne ging es turbulent zu. Die Schauspieler zeigten auch ihr Improvisationstalent bei kleinen technischen Pannen. Quelle: Wolfgang Hörmann
Kampehl

Freitagabend war Kapuzenzeit im Kampehler Schlosspark. Die Premiere der 7. Schöller-Festspiele glich in weiten Teilen einem Wasserfest. Jede Pelerine, jedes Capes, jeder Regenponcho kam zu Ehren. Schirme blieben geschlossen. So sieht Solidarität bei schlechtwettererprobten Festivalgäste aus, die mehr sehen wollen als kleine bunte Schirme. Und obwohl es zu Beginn des Stücks „Landeier – oder Bauern suchen Frauen“ und fast bis zur Halbzeit des Gastspiels der Komödie Dresden immer noch regnete, blieben die mehr als 300 Plätze tapfer besetzt.

Das schlechte Wetter konnte auch ihnen die Laune nicht verderben: Staatssekretär Martin Gorholt (v.l.), Nora Görke, Ralf Reinhardt, Roman Blank. Quelle: Wolfgang Hörmann

Das Durchhalten lohnte sich. Denn nach der geplanten Unterbrechung liefen die sechs Akteure aus Sachsen zur Hochform auf. In dem Schwank versuchen Jan, Jens und Richard, drei bauernschlaue ledige Junglandwirte alles Mögliche, um endlich an Frauen zu kommen. Die Gelegenheiten dafür sind knapp zwischen Dorfkneipe, Schafweide und Schweinestall.

Also muss was Besonderes her. Zum Glück gibt es das Internet. Kommt auch die Post oft erst mit Verspätung in dem verschlafenen Nest des Trios an, das Netz kennt auch hier keine festen Arbeitszeiten. Per Videoclip lässt sich weltweit Aufmerksamkeit erhaschen, nicht brav und bieder, sondern scharf und schnuckelig. Die drei wackeren Gummistiefelträger geben alles. Sie ziehen sich aus. Dabei backen sie am heißen Herd und bügeln, das es dem Zuschauer schwindelig werden kann.

Eierkuchen und Männerstriptease

Das Stück endet im herrlichen Klamauk inklusive fliegender Eierkuchen und Männerstriptease, bei dem Oliver Geklart, Philipp Richter und Saro Emire erreichen, was eine Komödie schaffen soll: Bei den Zuschauern kullern Lachtränen. Die Taschentücher zum Trocknen sind zwar schon klitschnass vom Stühle abwischen, doch was macht’s? Zum Glück hat da der Himmel seinen wässrigen Vorrat für Kampehl und Umgebung schon aufgebraucht.

Für Peter Schroth, den „Vater“ des Festivals, und seine Helfer sowie für alle, die Schenkelklopfen eingeplant hatten, ist der Auftakt am Freitag gelungen. Das auch, weil es wieder ein „Kommunikationsfest“ gewesen sei (O-Ton Schroth), bei dem Kunst die Menschen zusammengeführt habe.

Die Premiere der 7. Schöller-Festspiele glich in weiten Teilen einem Wasserfest – so stark regnete es. Die Zuschauer waren trotzdem begeistert vom Stück „Landeier – oder Bauern suchen Frauen“ der Komödie Dresden.

Bis zum 21. August erlebt es nun Fortsetzungen (Programm: Siehe Infokasten unten), facettenreich mit unterschiedlichen Angeboten. Der Klassiker „Pension Schöller“ steht bereits am Sonntag, 14. August, auf dem Spielplan. Für dieses Jahr war es das damit. Zieht sich Schöller jetzt langsam zurück? „Keine Angst, das bleibt nicht so. Für 2017 planen wir wieder drei Aufführungen“, gab Festspielleiter Schroth gegenüber MAZ schon einen Ausblick auf Kommendes. Von der Bühne aus machte er den Besuchern ein Zwei-Personen-Stück schmackhaft. Bei „Hamlet for you“ würde das Duo gleich abwechselnd in 20 unterschiedliche Rollen schlüpfen, auch ein Grund, um sich schon mal vorfreuen zu können, so der Künstler mit der Wahlheimat Koppenbrück.

Bekenntnisse zum Festival

Das Festival ist aus der Region schon nicht mehr wegzudenken. Und seine Zukunft scheint auch gesichert zu sein. An handfesten Bekenntnissen mangelte es am Freitag jedenfalls nicht. Weitere finanzielle Unterstützung versprachen nicht nur der brandenburgische Kultur-Staatssekretär Martin Gorholt, sondern auch der Ostprignitz-Ruppiner Landrat Ralf Reinhardt und die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke namens ihrer Amtskollegen aus dem kommunalen Kleeblatt Roman Blank (Wusterhausen), Dieter Fuchs (Neustadt) und Stefan Freimark (Gumtow). Bis auf Dieter Fuchs, der sich am Freitagabend noch in Urlaub befand, saßen sie allesamt in der ersten Reihe, um sich den Festivalstart nicht entgehen zu lassen. Unter den Besuchern sah man zudem den Neuruppiner Bürgermeister Jens-Peter Golde.

Zum Countdown mit den unvermeidlichen aber angenehm kurzen Redebeiträgen trug auch Peter Schroth bei. Nach einem Sponsorenempfang im Schlossgebäude dankte der Regisseur nun auch öffentlich noch einmal allen Unterstützern. Mehr als 40 sind es mittlerweile geworden. Während Schroth das würdigte, klang immer mal wieder schauriges Gekicher aus dem Hintergrund gut vernehmbar bis in die letzte Reihe der Spielwiese. Für den Mann am Mikrofon kam es von keinem anderen, als dem nie verwesenden Ritter Kahlbutz, der in der wenige Meter entfernten Wehrkirche liegt. Das Gegenteil wollte dem Macher des Festivals keiner beweisen.

Das weitere Programm

Sonnabend, 13. August: Schlosspark Kampehl, 19.30 Uhr: „Landeier – oder Bauern suchen Frauen“;

Sonntag, 14. August, Schlosspark Kampehl, 16 Uhr: „Pension Schöller“;

Dienstag, 16. August: Marktplatz Kyritz, 19.30 Uhr, „Zärtlichkeiten mit Freunden: Mitten ins Herts“, Musik-Kabarett mit dem Teatro mobile;

Mittwoch, 17. August: Schlossplatz Demerthin, 19.30 Uhr, „Zärtlichkeiten mit Freunden: Mitten ins Herts“, Musik-Kabarett mit dem Teatro mobile;

Donnerstag, 18. August: Marktplatz Wusterhausen, 19.30 Uhr, „Zärtlichkeiten mit Freunden: Mitten ins Herts“, Musik-Kabarett mit dem Teatro mobile;

Freitag, 19. August: Schlosspark Kampehl, 19.30 Uhr: „Büffel im Schlafrock“, großer Loriot-Abend;

Samstag, 20. August: Schlosspark Kampehl, ab 18.30 Uhr: Die lange Schöller-Nacht mit: 18.30 Uhr: „Wie reizend sind die Frauen“ (Stefan Bergel singt und spielt Otto Reuter mit Musike); 19.50 Uhr: „Büffel im Schlafrock“; 22 Uhr: „Dinner for one“; 22.30 Uhr Feuershow, 23 Uhr: Musik und Tanz bis in den Morgen;

Sonntag, 21. August: Ab 14 Uhr: Familiensonntag mit Kuchenbasar, Kinderprogramm und „Büffel im Schlafrock“.

Von Wolfgang Hörmann

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