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Gärtner erwarten ungeduldig den Lenz

Saisonstart bei Kleingärtnern in Prignitz und Ruppin Gärtner erwarten ungeduldig den Lenz

Die ersten Frühblüher leiten langsam den Saisonstart für die Kleingärtner in Prignitz und Ruppin ein. Allein die Temperaturen spielen noch nicht so richtig mit. Trotzdem tut sich auf den Beeten einiger Ungeduldiger schon was. Und nicht nur bei den Kleingärtnern steigt die Vorfreude, auch andere Menschen sehnen der anstehenden Gartenarbeit entgegen.

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Langsam entwickeln sich die Knospen an seinen Obstbäumen, stellt Kleingärtner Helmut Strunk fest.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Die ersten Frühlingsvögel zwitschern von den Bäumen und auch die Sonne versucht immer wieder, kurz mal hinter den Wolken hervorzulugen. Fast könnte man meinen, der Frühling ist in der Kleingartenanlage „Am Lietzenweg“ in Wittstock eingekehrt, würde da nicht das Thermometer eine andere Sprache sprechen.

Maximal drei Grad sind es an diesem Vormittag. Entsprechend wenig tut sich auf den Parzellen, als Vereinsmitglied Helmut Strunk seinen Blick über die Anlage schweifen lässt. Strunk war 1978 Gründungsmitglied des Vereins, wie er erzählt. Als Ortsverbandsvorsitzender der Gartenfreunde Wittstock hat er einen kleinen Überblick über die 13 Vereine mit zusammen 590 Gärten des Verbands. „Auch in den anderen Vereinen warten die Kleingärtner ungeduldig auf den Frühling“, sagt er. Dann könne wieder richtig angepackt werden.

In seinem eigenen Garten stehe dann neben Unkrautjäten und Obstbaumbeschneiden das Setzen von Zwiebeln an. „Die sind robust und werden mit der Kälte noch am ehesten fertig“, erklärt der 71-Jährige. Danach folgten dann Kartoffeln und ab Mitte April, Anfang Mai dann weiteres Gemüse wie Erbsen. Ein Signal dafür, dass die Saison beginne, sei, dass das Wasser wieder angestellt werde. „Das wird wahrscheinlich Ostern passieren“, vermutet Strunk.

Doch ein echter Kleingärtner liege auch trotz eisiger Temperaturen nicht auf der faulen Haut, findet Strunk. „Eigentlich hat man als Kleingärtner das ganze Jahr was zu tun“, sagt er. So habe er bereits im November die Beete umgegraben, damit er im Frühjahr damit nicht mehr so viel Arbeit hat. Und auch in der Laube müsse immer mal nach dem Rechten gesehen werden. Er schaut zum Beispiel nach seinen Nachbildungen antiker Plastiken, die bald wieder aus der Laube an die frische Luft sollen.

Der Gartennachbar von Helmut Strunk (l), Michael Schröder (r), ist schon fleißig am umgraben

Der Gartennachbar von Helmut Strunk (l.), Michael Schröder (r.), ist schon fleißig am umgraben.

Quelle: Christian Bark

Fleißig am Umgraben ist derweil Strunks Gartennachbar Michael Schröder. Seine Parzelle hat er erst seit Anfang des Jahres. „Mein vorheriger Garten wurde platt gemacht“, berichtet er. Per Zufall habe er den Vorbesitzer seines jetzigen Gartens kennengelernt und sich als Nachfolger angeboten. „Bis hier was platt gemacht wird, muss schon sehr viel passieren“, beruhigt Strunk seinen neuen Nachbarn. Allein die anfallenden Entschädigungszahlungen würden die Stadt abschrecken, aus den Gärten Baugrund machen zu wollen.

Schröder gräbt derweil weiter. Neben den Beeten habe er besonders in der Laube zu tun. „Da hat sich Schimmel gebildet“, sagt er. Das bedeute für ihn zwar noch viel Arbeit, aber als ehemaliger Bauarbeiter habe er Erfahrung mit Renovierungen. Auch sein Sohn oder seine Tochter, die in einem Baumarkt arbeitet, unterstützten den 51-Jährigen. „Geräte und Werkzeug habe ich mir über meine Tochter schon besorgt“, sagt Schröder. Sobald der Frühling da sei, gehe es richtig los. Dann wolle er von früh bis spät im Garten schuften, um dann im Sommer etwas die Füße hochlegen zu können.

Gemeinsam mit Schröder blickt Helmut Strunk erwartungsvoll auf die in den Nachbargärten wachsenden Frühblüher. „Märzenbecher und Schneeglöckchen sind die ersten Frühlingsboten“, sagt Strunk. Ihr Anblick, das Vogelgezwitscher und besonders die Gartenarbeit zeigten, wie schön es doch sei, so ein kleines Stück Natur zu besitzen. „Außerdem vergisst man beim Graben so manches Zipperlein“, verrät Strunk. „Um es dann abends doppelt so stark zu spüren“, lacht Schröder.

Nicht nur das eigene Wohlbefinden, auch das der Tiere spielt bei den Gartenvorbereitungen für Winter und Frühling bei Hermann Schröder eine Rolle. „So ein Garten ist ein kleines Ökosystem“, sagt der Vorsitzenden des Gartenfreunde-Kreisverbandes Kyritz. Da müsse jeder Schritt gut durchdacht werden. Zum Beispiel schneide er verdorrte Pflanzenstängel erst im Frühjahr ab, damit sie im Winter noch als Zufluchtsort von Insekten oder anderen Tieren genutzt werden könnten. Im Frühjahr rüste er dann auch wieder seine Insektenhotels auf.

Die Nachbildungen antiker Plastiken werden demnächst aus der Laube in den Garten gebracht

Die Nachbildungen antiker Plastiken werden demnächst aus der Laube in den Garten gebracht.

Quelle: Christian Bark

Selbst seinen Gartenteich will Schröder noch eine Weile in Ruhe lassen. im Schlamm auf dem Grund überwinterten nämlich Frösche, die bei den jetzigen Temperaturen sonst erfrieren könnten, erklärt er. Und bald bekomme sein Teich dann wieder Besuch von Molchen, die diesen bis September bewohnen würden. „Doch bis dahin ist im Garten noch einiges zu tun“, sagt Schröder. Zum Beispiel müssten die Bäume beschnitten werden. Ende März könne dann wieder die Pumpe für den Gemeinschaftsbrunnen in Betrieb genommen werden. „Das ist aber sehr vom Wetter abhängig“, kündigt der Kleingärtner an. Bei minus sieben Grad wie in der vergangenen Nacht, nehme das Gerät nämlich nur Schaden.

In Jörg Swierczinskis Kleingartenanlage „Waldfrieden“ in Wittenberge soll das Wasser auch nach Ostern wieder durch die Leitungen fließen. Das halte aber auch ihn nicht davon ab, schon vorher was im Garten zu tun. „Wenn auch im Winter immer mal einer da ist, schreckt das Einbrecher ab“, sagt er. Ansonsten soll es bei ihm spätestens in zwei bis drei Wochen richtig losgehen. „Eingekauft habe ich schon einiges“, berichtet er von seinem letzten Baumarktbesuch. Die Märkte hätten ja schon früh genug Werbung für die neue Saison gemacht. Außerdem habe er beim Jobcenter um neue Arbeitskräfte ersucht. „Die bewirtschaften dann wieder einige Parzellen“, erklärt Swierczinski. Der Ertrag ginge dann an die Wittenberger Tafel.

Sie hocken alle ungeduldig in den Startlöchern

„Überall in der Prignitz tut sich schon was auf den Beeten“, informiert Swierczinski in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kreisverbands der Gartenfreunde über die Aktivitäten der 57 Mitgliedsvereine. „Wir hocken alle schon ungeduldig in den Startlöchern“, so Swierczinski.

Vorfreude auf die neue Saison herrscht auch bei den lernbeeinträchtigten Kindern im Schultz-Henke-Heim in Neuruppin, wie die Vorsitzende des Gartenfreunde-Kreisverbands Neuruppin, Ute Zabel, berichtet. Seit vier Jahren pflegten die Kinder, oft gemeinsam mit ihren Eltern, einen Garten des Verbandsvorstands. „Kinder und Eltern sind von der Schulgartenidee seit jeher begeistert“, sagt Zabel. Gartenarbeit diene in diesem Fall als Erziehungs- und Lernkonzept. „Dabei lernen die Kinder auch, was Teamwork bedeutet“, erklärt die Verbandschefin.

Auch in ihrem eigenen Garten will Zabel in den nächsten Tagen für Ordnung sorgen, wie sie sagt. „Die Rosen müssen gedüngt und mein Frühbeet angelegt werden.“ Zudem werde sie wieder als Gartenfachberater für die neun Mitgliedervereine des Verbands tätig sein. „Wir suchen übrigens noch händeringend Freiwillige, die sich dazu ausbilden lassen wollen“, informiert Zabel.

Von Christian Bark

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