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Ganz großes Kino

Karl-Marx-Film entsteht in Brandenburg Ganz großes Kino

In einem Kyritzer Ortsteil mit dem sonderbaren Namen Ganz entstand in den vergangenen Wochen nach „Hotel Adlon“ und „Der Nanny“ erneut ein bemerkenswerter Film. Dieses Mal geht es um das Leben von Karl Marx. Die Hauptrolle spielt einer, der schon mit Brad Pitt kämpfte und Angelina Jolie küssen durfte.

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Szene aus dem Film „Der junge Karl Marx“, der auch im Kyritzer Ortsteil Ganz gedreht wurde.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Hollywood? Ist ein Stückchen zu weit weg für den Perleberger Wilfried Ehlert. Der 63-jährige Rentner begnügt sich mit dem Kyritzer Ortsteil Ganz. Selbst dort ist ganz großes Kino möglich – und Hollywood plötzlich gar nicht mal so fern: „Ich spiele hier den Gehilfen vom Steinmetz“, sagt Ehlert und blickt zum Eingang der alten Ganzer Brennerei. Aus der Ruine tritt soeben August Diehl in die Sonne. Er schaut in den Prignitzer Himmel und atmet tief die kalte Luft. Der Schauspieler macht Pause. Diehl, Kinogängern international spätestens seit seinen Auftritten in „Inglourious Basterds“ an der Seite von Brad Pitt und dann in „Salt“ als fiktiver Gatte von Angelina Jolie bekannt, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Schließlich geht es um die Mitte des 19. Jahrhunderts, und dafür bleibt auch Statist Ehlert, der einer von weit mehr als 100 aus Nordwestbrandenburg ist, gerne mal so unrasiert wie August Diehl und all die anderen. „Haare nicht schneiden, Bart wachsen lassen, haben die uns gesagt.“ Den Bart sollte sich Diehl vor allem recht stehen lassen, hat er doch die Hauptrolle in diesem Film: „Der junge Karl Marx.“

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Einer der fünf deutschen Hauptdrehorte für den Kinofilm „Der junge Karl Marx“ ist das Dorf Ganz bei Kyritz. Dort ließen sich in den vergangenen Wochen mehrere bekannte Gesichter aus der Filmbranche blicken. Weit mehr als 100 Komparsen aus der Region kamen zum Einsatz.

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Nach eineinhalb Monaten Drehzeit entstehen jetzt die letzten Szenen für diese deutsch-französisch-belgische Koproduktion in Ganz. Es ist einer fünf Hauptdrehorten in Deutschland neben Schloss Waldenburg und Görlitz in Sachsen sowie dem thüringischen Gotha, wo die Forschungsbibliothek als Kulisse für die Nationalbibliothek in Paris sowie die königliche Bibliothek in Brüssel herhält. Dazu kommt Bocholt in Nordrhein-Westfalen, dessen Industriemuseum für Szenen aus dem englischen Manchester taugt.

Das Schloss im Kyritzer Stadtteil Ganz bot sich an als Kulisse für den „Gentlemen’s Club London“. Aus Räumen der daneben liegenden alten Brennerei und dem umliegenden Park wurden Pariser Orte.

Englisch, französisch, deutsch: Am Set läuft alles dreisprachig ab. „Das ist etwas spezieller als bei manch anderem Film“, verrät August Diehl. Und andere Filme mit ihm gibt es unzählige. Trotzdem erinnert sich Diehl noch gut daran, wie er vor vier Jahren schon einmal in der Gegend unterwegs war, und zwar für „Die Abenteuer des Huck Finn“ unter anderem in Neuruppin. „Ich mag Neuruppin“, sagt Diehl, ohne näher darauf einzugehen. Dabei müsste der 39-Jährige noch viel mehr Fehrbellin mögen. Er war aber nie dort. „Tja, wenn ich die Zeit dafür hätte“, sagt er. Denn mit der Schlacht bei Fehrbellin verbindet ihn Besonderes: seine Rolle am Wiener Burgtheater. Dort spielt Diehl den Prinzen von Homburg, dessen Heldentaten aus der Schlacht Heinrich von Kleist ein Denkmal setzte.

In den vergangenen Monaten war Diehl auf Karl Marx fixiert. „Ich habe das Kapital nicht durchgelesen, dafür das Manifest. Und mich faszinierte sein Briefwechsel mit Engels“, sagt der Schauspieler. Auch Friedrich Engels ist kein Unbekannter. Ihn spielt Stefan Konarske, der Dortmunder Tatort-Kommissar.

Produzent beziffert Filmbudget mit fast zehn Millionen Euro

„Der junge Karl Marx“ beginnt in Paris. Dort lernen sich Marx und Engels kennen. „Es ist ein Drama um zwei junge Männer, die die Welt verändern wollten. Es endet mit dem Schreiben des Manifests“, erklärt Produzent Benny Drechsel. Er ist einer von vieren, die das Werk stemmen. Neben Drechsel von der Produktionsfirma Rohfilm gehören die Unternehmen Velvet, Artemis und Agat dazu. Nicolas Blanc von Agat beziffert das Budget mit fast zehn Millionen Euro. Ziel sei es, so der Franzose, bei den Filmfestspielen in Cannes dabei zu sein. Im zweiten Halbjahr 2016 dürfte „The young Karl Marx“ in die deutschen Kinos kommen.

Mit dem Film soll laut Regisseur Raoul Peck „einer jüngeren Generation“ das Wirken von Marx und Engels nähergebracht werden. Seit vielen Jahren schon arbeitet er an dem Thema. Dass eine Kinoproduktion daraus wurde, sei anfangs nicht absehbar gewesen. Ursprünglich soll es vom Fernsehsender Arte schlicht einen Auftrag zu einer Doku gegeben haben.

Nun entsteht viel Größeres. Das Komparsen-Heer aus Brandenburg hilft mit. Wie Wilfried Ehlert mit seinen grauen Stoppeln. „Ach, ich musste mich schon oft vor Freunden rechtfertigen, warum ich mich mal wieder so gehen lasse.“ Marx ist sein dritter Film nach „Neger, Neger, Schornsteinfeger“, wofür in Wittenberge gedreht wurde, und „Honig im Kopf“ in der Lenzerwische.

Ganz tolle Kulisse

Schloss Ganz und Umgebung gerieten nicht erst mit dem Dreh für „Der junge Karl Marx“ in den Fokus professioneller Filmteams.

Im Sommer 2012 entstanden im Schloss wegen dessen historischen Interieurs einige Szenen für das dreiteilige ZDF-Epos „Hotel Adlon“. Unter anderem spielte Heino Ferch mit.

Matthias Schweighöfer kam mit seinem Team 2014 in das Dorf für den Film „Der Nanny“.

Nächste Pause. Erneut kommen Leute vom Dreh aus der Brennerei, darunter Martina Braun. Die 56-jährige Musiktherapeutin und Behindertenbetreuerin lebt im unweit von Kyritz entfernten Lohm. Auch sie fand in der Komparserie so etwas wie ein Hobby und spielt ähnlich wie Ehlert im Film eine Bedienstete des Künstlers Gustave Courbet. „Ich war schon mal hautnah an George Clooney dran beim Dreh für ,Monuments Men’. Das war allerdings in Oranienburg.“

Nun hatte sie es bis nach Ganz nicht weit und fragt sich: Ob, wann und wofür wohl das nächste Mal dort eine Klappe fällt? Denn der Marx-Film ist nicht der erste, der in Ganz entstand.

Gespannt ist auch Rainer Kruse. Von Beruf Architekt, erwarb er vor zehn Jahren diese dem Schloss vorgelagerte und nun für den Dreh vermietete Industriebrache. Er lebt in dieser Ruine ein Leben, für das sich bestimmt auch Marx interessiert hätte. „Hätte ich nicht mit gerechnet“, sagt Kruse aber mit Blick auf die Leute und die ganze Technik am Set. Er meint diesen Hauch von Hollywood.

Von Matthias Anke

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