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Ostprignitz-Ruppin Ganzer „Ganz freundlich“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ganzer „Ganz freundlich“
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00:39 09.07.2015
Francoise Kuntz (r.) hatte den Historiker Thomas Wölker gebeten, etwas über die Geschichte von Ganz zu erzählen. Quelle: Sandra Bels
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Ganz

Jahrelang hatte Francoise Kuntz wenig bis gar keinen Kontakt zu den Bewohnern von Ganz. Das änderte sich vor fünf Jahren, als die gebürtige Französin erstmals das Dorffest besuchte. „Damals hatte ich zwei Frauen aus dem Ort von meiner Idee erzählt“, sagt die Fotografin. Sie hatte bereits im Jahr 2000, als sie nach Ganz gezogen war, den Entschluss gefasst, die Bewohner vor ihren Häusern abzulichten. „Mich faszinierte schon damals die Dorfstruktur, die noch weitestgehend so erhalten ist, wie sie einst gebaut wurde“, so die Fotografin.

Drei Jahre dauerte es, bis alle Fotos im Stil der früheren Wanderfotografen im Kasten waren. Fast alle Ganzer waren dabei. 38 Bilder sind so entstanden. Sie sind noch zwei Wochen in der Scheune von Familie Rein zu sehen. Dann können sie von den Fotografierten gekauft werden. Eine Veröffentlichung wird es nicht geben. „Das hatten sich die Ganzer so gewünscht“, sagt Francoise Kuntz.

Bei der Vernissage der Schau in der „Ganz-Kultur-Scheune“ mit dem Titel „Bitte Ganz freundlich“ berichtete Historiker Thomas Wölker über die Geschichte des Ortes, etwa ab 1900. Wölker kam nach Ganz, als er von Berlin aus eine Mietwohnung auf dem Land suchte. „Meine Frau verliebte sich damals in das Dorf und ich ins Haus“, erzählte er. Wölker sagte, dass er sich eingehend mit der Geschichte des Dorfes beschäftigt hat und das noch weiter tun möchte. „Wer noch alte Dokumente hat, kann sich gern bei mir melden auf dem Dorfplatz 4“, so der Ganzer.

Landwirtschaftlicher Musterbetrieb

Sein Abriss über die bewegte Dorfgeschichte beinhaltete unter anderem die Gründung auf Initiative des ­damals ansässigen Berliner Fabrikanten Max Graetz. Er ließ den Dorfkern neu erbauen und gestalten sowie die Gutsanlagen und Schloss Ganz und betrieb bis 1945 einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Zu sehen waren historische Fotos aus dem Ort und der Umgebung. Wölker berichtete auch über die Zeit nach der Bodenreform und sagte, dass in Ganz noch drei Brandenburgische Neubauernhäuser vom Typ A erhalten sind. „Sie vereinten Wohnbereich, Stall und Scheune unter einem Dach“, so der Historiker.

In einem der drei Häuser trafen sich die Gäste der Ausstellungseröffnung. Es gehört Verena und Hartmut Rein. „Wir haben es vor zwei Jahren wegen der Scheune gekauft“, sagt Sängerin Verena Rein. Das Bauernhaus im Fasanenweg mit dem großen Grundstück bot genau die Möglichkeiten, die beide suchten: viel Platz für viel Kultur auf dem Lande. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Valeska hat Verena Rein die Initiative „Ganz.Kultur“ ins Leben gerufen. „Wir wollen darin die drei Künste Musik, Kunst und Tanz vereinen“, sagt die klassische Sängerin. Das Trio träumte von einem Ort, der den Sinnen die Chance gibt, sich weit zu öffnen und an dem man sich ohne Ablenkung ganz auf die Künste einlassen kann. „Ganz ist für uns so ein Ort“, so die Sängerin. Als die Familie das erste Mal in Ganz war, fühlte sie gleich die besondere Atmosphäre und die ganz eigene Ausstrahlung.

Weitere Veranstaltungen in der Scheune geplant

Zunächst wurde die private Wohnung renoviert und die Scheune entkernt. Am 30. Mai dann luden Reins zur Eröffnung der „Ganz-Kultur-Scheune“ ein. Das Konzert mit orientalischem Tanz und einer Kunstausstellung lockte 120 Gäste unter anderem aus Ganz und Teetz, aber auch aus Kyritz und Berlin an. „Künftig wollen wir uns mit anderen Kulturschaffenden aus der Region vernetzen“, so Verena Rein. Sie plant weiterhin, die Scheune zum Seminar- und Veranstaltungsraum auszubauen. Die nächste Veranstaltung plant Familie Rein für den 5. September. Dann gibt es Musikkabarett mit Stefanie Dietrich.

Perspektivisch soll es Kammerkonzerte, Ausstellungen, Tanzvorführungen, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen und mehr dort geben. Die Scheune soll aber auch ein Ort der Begegnung für die Einwohner von Ganz, Teetz und die Region werden unter anderem für Weihnachtsfeiern, Jubiläen oder Sitzungen. Reins planen ebenfalls Seminare und Workshops in den Bereichen Musik, Kunst und Tanz.

Von Sandra Bels

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