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Garten des Buches in Sicht

Lindow Garten des Buches in Sicht

Es ist ein außergewöhnliches Projekt, das Horst Borgmann und seine Mitstreiter vom Stiftskapitel für das Klostergelände in Lindow auf den Weg gebracht haben: einen Garten des Buches. Nicht einfach nur ein Bibelgarten, sondern ein interreligiöser: mit 96 Pflanzen, die in Bibel, Koran und Talmud erwähnt werden, sollen dort gedeihen.

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Horst Borgmann (l.) beim 1. Spatenstich für den Garten des Buches im Kloster Lindow im Juni 2017.

Quelle: Regine Buddeke

Lindow. Die Aloe kommt in einen Kübel, der Amberbaum auch. Die Alraune darf ins Beet. Die Anemone ist als Staude geplant, und der Apfelbaum bekommt die Ehre, der Baum der Ökumene zu werden und an exponiertem Platz als Symbol für das Miteinander der Kulturen zu stehen. Die Liste der Pflanzen steht schon fest: es sind ambitionierte 96 Arten von A bis Z. Alle haben eines gemeinsam: sie werden in mindestens einer der drei Buchreligionen der Welt erwähnt: dem Christentum, dem Judentum und dem Islam.

Lindow gönnt sich mehr als einen schlichten Bibelgarten – Horst Borgmann und seine Mitstreiter vom Stiftskapitel wollen sich höheren Zielen widmen. Es geht um Beschäftigung mit anderen Religionen, um Verständnis und Toleranz. Bestenfalls um Versöhnung. Die Pläne zum außergewöhnlichen Projekt, dem Garten für interreligiösen Begegnungen, sind inzwischen schon weit gediehen und wurden am Donnerstagabend im Lindower Gemeindehaus rund 20 Gästen vorgestellt.

So soll der Garten aussehen

So soll der Garten aussehen.

Quelle: Regine Buddeke

Die erste Idee zum Projekt liegt bereits ein Weilchen zurück – Horst Borgmann war indes schon immer bemüht, das Gelände des Lindower Klosters zu beleben, zu sanieren, touristisch zu erschließen. Auf seine Initiative geht die Sanierung des alten Gemäuers zurück, bei der auch das Konventgebäude wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Der erste Spatenstich zum Klostergarten erfolgte im Juni 2017: am Spaten standen neben Borgmann und Vertretern der Stadt Lindow auch ein Rabbi und ein Mitglied der Muslimischen Gemeinde aus Potsdam.

Inzwischen steht die Finanzierung: 175 000 Euro aus Leader-Mitteln, berichtet Borgmann den Lindowern. Kürzlich habe er Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch gefragt, ob sie die Schirmherrschaft übernehmen wolle. „Die Antwort steht noch aus“, sagt er.

Bis Herbst soll die Gartenbauphase abgeschlossen sein

Nicht lange gezögert, das Projekt zu betreuen, haben indes die Landschaftsplanerin Susanne Geitz und Pfarrer Sascha Gebauer. Letzterer kennt Lindow noch aus seiner Zeit als Pfarrer in Kyritz. Jetzt wirkt er in Berlin und hat als Kenner der mystischen Bedeutung der Pflanzen dort viel Gelegenheit, die in der Bibel vorkommenden Pflanzen zu studieren. Etliche von ihnen tauchen auch im Talmud und im Koran auf, erzählt er am Donnerstag. Pflanzen seien daher ein probater Ansatz, ins Gespräch zu kommen und sich mit den anderen Religionen zu befassen. „Brücken schlagen“, so das Ziel. „Pflanzen sind ein wunderbares Symbol – ohne Vorurteile“, findet auch Horst Borgmann.

Den genauen Plan zum Garten des Buches auf dem Klostergelände in Lindow haben Susanne Geitz und Sascha Gebauer erarbeitet

Den genauen Plan zum Garten des Buches auf dem Klostergelände in Lindow haben Susanne Geitz und Sascha Gebauer erarbeitet.

Quelle: Regine Buddeke

Die Anlage am Perels Haus ist bereits gut durchgeplant. Einen großen Teil des 2000 Quadratmeter großen Areals wird ein bepflanztes Labyrinth mit vielen Sichtachsen einnehmen: mit den Sektionen Steppen- und Wüstenpflanzen, Blumen und Blüten, Nutzpflanzen sowie Kräuter und Gemüse. „Ein Labyrinth – kein Irrgarten“, betont Gebauer. Auch dies ist ein Symbol: Ein Weg, der über viele Windungen vom Eingang zum Ziel. „Im Labyrinth verliert man sich nicht, man findet sich“, hat einst der Philosoph Hermann Kern gesagt. So ist auch hier jedem Besucher selbst überlassen: Ist es der verschlungene Pfad des Lebens, der Weg zum Glauben oder einfach nur spannende Botanik, was er hier findet.

Es gibt Kübel, die winters ins Warme kommen, Hoch- und normale Beete. Tafeln erklären – auch in Brailleschrift – wie jede Pflanze heißt, und in welchem Vers, Sure, Talmud-Zitat sie vorkommt. Die Pflanzendarstellung in Reliefform ist ebenfalls ertastbar. Die Wege sind barrierefrei geplant, es wird Ruheplätze geben.

Es sollen 96 verschiedene Pflanzensorten zu entdecken sein

Wann denn alles fertig sei, will jemand wissen. „Im August oder September werden die Landschaftsbauarbeiten abgeschlossen sein“, schätzt Susanne Geitz. Dann wird gepflanzt. „In diesem Jahr soll alles fertig werden.“ Auch die Frage nach der Pflege kann beantwortet werden. „Sowohl die Salusklinik als auch der Tannenhof haben sich vorgestellt, hier therapeutisches Gärtnern zu betreiben“, sagt Horst Borgmann. Ohnehin gebe es bereits jetzt viel „Follower“, scherzt er. Kita und Schule, die Wirtschaftsförderer von REG und Regio Nord und der Tourismusverband. „Für unseren Ort kann das ein tolles Alleinstellungsmerkmal werden“, hofft er. Sogar ein Fontane-Beet ist schon fest eingeplant – auch der Dichter hat Pflanzen in seinen Wanderungen erwähnt.

Pflanzen aus Bibel, Talmud und Koran sollen die Religionen verbinden

Völlig offen ist noch, was für eine Skulptur im Auge des Labyrinths stehen soll. Horst Borgmann hat auch da schon eine Idee – eher einen Traum: einen Abguss der „Reconciliation“ – zu deutsch Versöhnung – der britischen Bildhauerin Josefina de Vasconcellos. Sie schuf die beiden einander Umarmenden als Antwort auf den II. Weltkrieg: Abgüsse stehen an so prädestinierter Stelle wie in den Ruinen der Kathedrale von Coventry und im Hiroshima Peace Park in Japan. Auch an der Berliner Mauer gibt es eine. „Wenn das klappt, steht die schöne Nonne im Schatten“, sagt Horst Borgmann. Man kann das ernst nehmen – Horst Borgmann hat schon viele Dinge vom Wort zur Tat gebracht.

Von Regine Buddeke

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