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Gartensterben befürchtet

Ärger über Mülltonnenpflicht Gartensterben befürchtet

Kleingärtner brauchen keine Mülltonnen, um ihre grünen Inseln der Erholung sauber zu halten, findet Helmut Strunk, der Vorsitzende des Ortsverbandes der Gartenfreunde in Wittstock. Der Landkreis sieht das anders.

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Blühende Gärten sind der Stolz ihrer Besitzer. Hier ein Blick in die Anlage am Lietzenweg in Wittstock.

Quelle: Foto: Björn Wagener

Wittstock. Wer einen gut ausgebauten Kleingarten besitzt oder gepachtet hat, soll dort auch eine Mülltonne vorhalten und die Entsorgung natürlich bezahlen. So will es der Landkreis. Sobald Wasser und Strom vorhanden und damit eine „tägliche Lebensführung auf dem Grundstück möglich ist und das Grundstück tatsächlich genutzt wird“, müsse auch ein Anschluss an die öffentliche Abfallentsorgung erfolgen, teilt Britta Avantario, die Sprecherin des Landkreises, dazu auf MAZ-Nachfrage mit.

Das allerdings stößt bei Helmut Strunk auf „totales Unverständnis“. Der Vorsitzende des Ortsverbandes der Gartenfreunde in Wittstock spricht von „versteckter Steuer“ und befürchtet ein Gartensterben, sollten die Kleingärtner tatsächlich dazu gezwungen werden, Restmülltonnen haben zu müssen. Noch sei das nicht umgesetzt, aber er ist sich der Forderung wohl bewusst. Laut Landkreis sei der Anschluss nur noch eine Frage der Zeit. Denn derzeit würden Absprachen mit den Entsorgungsunternehmen hinsichtlich der Bereitstellungsorte für die Abfallbehälter geführt. Auch würden die Anschriften der Kleingärtner recherchiert, um sie dann anzuschreiben und darauf hinzuweisen, dass sie sich „an die öffentliche Abfallentsorgung anzuschließen haben“, inklusive einer Fristsetzung. Wer das Ganze ignoriert, müsse mit „Maßnahmen einer Zwangsbereitstellung“ rechnen, heißt es weiter. Um Fahrtkosten zu sparen, solle jede Gartensiedlung geschlossen angefahren werden, und zwar überwiegend samstags.

Für Helmut Strunk ist eine Mülltonne im Garten völlig unnötig. „Es gibt ja Komposthaufen. Und den wenigen Restmüll, der dort nicht entsorgt werden kann, nehmen wir mit nach Hause und werfen ihn dort in die Tonne.“ Er sieht in dem Anschlusszwang auch ein soziales Problem. „Kleingärten stillen die Sehnsucht nach draußen“, sagt er. Gerade Menschen, die sich Urlaubsreisen nicht leisten können, hielten sich stattdessen einen Garten – Alleinstehende, Hartz-IV-Empfänger oder Rentner. „Was hat denn der kleine Rentner sonst?“. Deshalb sei der Leerstand in den insgesamt etwa 590 Gärten mit etwa einem Prozent sehr gering – noch. Besonders gefragt seien Gartenanlagen, die nah an den Wittstocker Wohngebieten liegen, wie etwa Provinzial, Abendfrieden oder Lietzenweg.

Eine 60-Liter-Restmülltonne muss mindestens zweimal geleert werden. Dadurch entstünden dem Kleingärtner laut Landkreis folgende Kosten: Behälteranschlussgebühr: 12,36 Euro, Grundbetrag: 27,91 Euro, Leerungsgebühr: 4,54 Euro (zweimal 2,27 Euro), Jahresgebühr: 44,81 Euro.

Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass es möglich ist, Entsorgungsgemeinschaften zu gründen, um sich die Jahresgebühr zu teilen. Das heißt, mehrere Grundstücke können eine Restmülltonne gemeinsam nutzen. Mindestens drei braucht es für eine 60-Liter-Tonne, dann folgt eine Staffelung, die bei einer 1100-Liter-Tonne endet – für zwölf bis 55 Grundstücke. Allerdings müsse dann geklärt werden, wer der Empfänger des Gebührenbescheides ist. Er müsse jedoch selbst dafür sorgen, dass er das Ganze finanziell mit den Nachbarn regelt.

Denn eine Einzelveranlagung jedes Nutzers der Tonne erfolge nicht, heißt es.

Von Björn Wagener

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