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Gasthof Texter in Schönberg

Als das Bier noch durch Bleirohre floss Gasthof Texter in Schönberg

Der Schönberger Gasthof „Franz Texter“ ist seit 1935 im Familienbesitz. Von guter Hausmannskost ist er nicht abgerückt – das Bier fließt inzwischen aber nicht mehr durch die „Bleischlange“ und wird auch nicht mehr vom Bierkutscher gebracht. Den Charme alter Zeiten hat er sich erhalten – Touristen steigen gern hier ab: auf Zander, Spargel oder Brühe nach Omas Rezept.

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Die guten Seelen des Gasthofs: Anke Pissalla und Guido Bielicke.

Quelle: Regine Buddeke

Schönberg. Schnitzel mit frischem Spargel und Hühnerbrühe nach Omas Rezept, so lockt es auf der schwarzen Tafel, die jeder lesen kann, der durch Schönberg fährt. Der Gasthof „Franz Texter“ gehört zum Dorfbild wie das Hühnchen in besagter Brühe. „Wir gehen zu Texter“, hätten früher immer alle gesagt, erinnert sich Gastwirtin Anke Pissalla. „Und das sagen sie heute noch.“ Schon deshalb hat die Enkelin niemals in Erwägung gezogen, den Namen ihres Großvaters vom Schild zu streichen, der den Gasthof immerhin gute 52 Jahre lang unter seinen Fittichen hatte. Seit 1990 hat sie die Geschäfte offiziell von ihrem Opa übernommen und schmeißt den Laden seitdem gemeinsam mit ihrem Partner Guido Bielicke. Seit 1935 ist der Gasthof, der seit eh und je auf solide Hausmannskost setzt, schon ein Familienbetrieb. „Den Namen von Opa wollten wir bewusst behalten“, so die Enkelin.

Mit Zapfsäule

Mit Zapfsäule: vor Texter hieß der Gasthof Kunert.

Quelle: Buddeke

Bereits vor 1935 war das Haus schon Dorfkrug – damals noch als Gasthof Kunert. Zu dieser Zeit gehörte auch eine Tanksäule dazu und ein paar Gästezimmer – zumal die Restauration auch als Ausspannstation für die Kutschpferde diente.

„Zu Opas Zeit kamen hier noch die Bierkutscher durch“, erinnert sich Anke Pissalla. Und das Eis für die Kühlung stammte aus dem Lindower Eiskeller. „Unten im Keller gabs eine hölzerne Truhe, da kam der Eisblock rein“, erklärt die Gastwirtin. Darunter haben die Leitungen der „Bierschlange“ langgeführt. Die wäre damals noch aus Blei gewesen. „Das geht heute natürlich nicht mehr“, so der Wirt. Aber das Bier habe geschmeckt. „Sogar besser – sagen die Leute“, berichtet seine Frau. Wenn das Bier dann im Keller war, wäre per Handschlag und Barzahlung der Handel erst einmal mit einem Frischgezapften begossen worden, weiß Anke Pissalla noch. Frau Thederan, die Bierbuchhalterin sei immer auf der Kutsche mitgefahren.

Wandmalerei  von 1945 im Saal

Wandmalerei von 1945 im Saal.

Quelle: Buddeke

Heute wird bei „Texter“ natürlich auch noch Bier gezapft. Abends kommen immer ein paar Einheimische – der Löwenanteil des Geschäfts sind aber die Tagestouristen. Vor allem in der Saison sei immer viel zu tun. Zumal die Betreiber auf Hausgemachtes setzen. „Zum Beispiel unsere Bratkartoffeln“, verrät Anke Pissalla. Die Zutaten in der Küche stammen hauptsächlich aus der Region – etwa der beliebte Zander. Oder der Spargel, der gerade auf der Karte steht.

Anke Pissalla mag ihre Arbeit – auch wenn Gastronomie gerade bei der Jugend aufgrund der Wochenend- und Saisonarbeit wenig gefragt scheint. „Ich finds schön, wenn hier ältere Herrschaften vorbeikommen und sagen: Oh, is ja alles noch wie früher. Da fühl ich mich gleich wieder wie zuhause“, sagt sie. Denn obwohl der Gasthof renoviert wurde, haben die Betreiber das urig-gemütliche Ambiente beibehalten. Den Status Dorfkneipe gibt es indes nicht mehr. „So wie früher, als die Leute hier mit fünf Mark in der Tasche kamen, zehn Bier getrunken und blau wieder rausgefallen sind – das ist nicht mehr“, sagt Guido Bielicke. Auch Tanzveranstaltungen wie zu Opas Zeiten gebe es nicht mehr. Obschon der Saal noch steht: mit Discokugel und Bühne, Tischen auf der Empore und einer Tanzfläche. Statt Bildern gibt es uralte Wandmalereien von Tanzpaaren. „Die hat ein Schönberger Hobbymaler 1945 gemalt – wir haben sie im Originalzustand erhalten“, so die Wirtin. Das Prachtstück im Saal ist ein gusseiserner Kaminofen. „Der hat den ganzen Saal geheizt“, weiß Guido Bielicke.

So sieht der Saal heute aus

So sieht der Saal heute aus.

Quelle: Buddeke

„Wenn der an war, konnte man nicht danebenstehen.“ Immerhin hielt auch die Feuerwehr ihren alljährlichen Ball zu DDR-Zeiten bei „Texter“ ab. „Die Frauengruppen und die FDJ haben sich hier getroffen. Es stand ein Klavier drin. Und es gab auch Theateraufführungen“, erzählt Anke Pissalla, die den Saal im Jahr 2000 nach Sanierung wiedereröffnet hat. Jetzt kann man darin Hochzeiten und Geburtstage feiern.

Von Regine Buddeke

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