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Gayle Tufts: Super Woman im Waldschlösschen

Kyritz Gayle Tufts: Super Woman im Waldschlösschen

Die Entertainerin Gayle Tufts begeisterte am Mittwochabend in Kyritz die Zuhörer bei einer Lesung. Ein Sprachmix aus Deutsch und Englisch gehört zu ihrem Erfolgsrezept. Die selbstironische und rundum liebenswerte gebürtige Amerikanerin hat in Deutschland vieles lieben gelernt – „von Apfelkuchen bis FKK“.

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Nach der Lesung ein Foto mit Gayle Tufts: Dorit Horn (l.) und Anja Lemm (r.) gehörten zu ihren begeisterten Zuhörern.

Quelle: Renate Zunke

Kyritz. Super Frauen, super Männer in the Publikum: Der Sprachmix aus Deutsch und Englisch gehört zum Erfolgsrezept von Gayle Tufts.

Auch in Kyritz begeisterte die erfolgreiche Entertainerin am Mittwoch mit ihrem „Denglisch“ das Publikum im bis auf den letzten Platz ausverkauften Saal im „Waldschlösschen“. Die Veranstaltung gehörte zum Programm des diesjährigen „Literarischen Bilderbogen“ der Bibliotheken des Landkreises Ostprignitz-Ruppin.

„Nehmen sie sich etwas zu trinken, dann verstehen wir uns blendend“, empfahl die temperamentvolle Frau zu Beginn der Lesung aus ihrem Buch „American Woman“. Doch Hochprozentiges war eigentlich nicht unbedingt nötig, um trotzdem viel Spaß an diesem Abend zu haben. Und quirlig im Kopf konnte einem schon vom Tempo werden, mit dem Tufts ihr Programm im Sprachgewirr von Deutsch und Englisch vortrug. Dabei hielt es sie nicht lange auf ihrem Sitzplatz neben der Leselampe aus.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Saal im Kyritzer Hotel und Restaurant Waldschlösschen

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Saal im Kyritzer Hotel und Restaurant Waldschlösschen.

Quelle: Renate Zunke

Sie sei zum ersten Mal in Kyritz und deshalb „total nervös“. Doch es war wohl eher ihre quirlige und temperamentvolle Darbietung, die dafür sorgte, dass ihr das zweite Mikrofon gleich zu Beginn der Lesung mit Krach aus der Hand fiel.

Sie wolle an diesem Abend „Liebe und Freude nach Kyritz bringen“, versprach die Amerikanerin, die seit 26 Jahren in Berlin wohnt und jetzt einen deutschen Pass beantragt hat. Weil sie wählen gehen möchte und nicht nur Steuern zahlen, sondern auch mitbestimmen will, was mit dem Geld geschieht. Und sie will „deutsche Politiker nicht nur in Talkshows treffen, ich möchte sie bestimmen können“. Deshalb machte sich Tufts einen Termin bei der Staatangehörigkeitsbehörde in Berlin-Schöneberg und findet nun: „Wer das fehlerfrei aussprechen kann, sollte automatisch eingebürgert werden.“

Was man als Ausländer alles wissen muss

Mit viel Humor trug sie dann vor, was man als Ausländer alles wissen muss, um den Test für eine Einbürgerung erfolgreich zu bestehen – 33 Fragen, die wohl auch ein Deutscher nicht alle beantworten könnte, wie zum Beispiel, gehört ein Richter/Richterin in Deutschland nun zur vollziehenden, zur Recht sprechenden, planenden oder gesetzgebenden Gewalt.

Natürlich ließ Gayle Tufts an diesem Abend die politischen Verhältnisse in Amerika nach der jüngsten Präsidentenwahl nicht außen vor. Am Boden zerstört sei sie im November des vergangenen Jahres gewesen, lag nach dem Wahlsieg der Republikaner „zusammengekrümmt und heulend auf meinem Schlafzimmerboden in Schöneberg“. Doch Gayle Tufts würde nicht Gayle Tufts sein, wenn sie nicht Optimistin bliebe: „Amerika ist nicht nur das Land eines Reality-TV-Star-Präsidenten! Es ist auch mein Land. Es ist the Land of …..“ und dann folgt eine lange Liste vom amerikanischen Dichter Walt Whitman über Abraham Lincoln und Steven Spielberg bis Michelle Obama and Chocolate Chip Cookies. Donald Trump sei für sie eine Mischung aus Dieter Bohlen, Dagobert Duck und einem Pegida-Anhänger , erklärte Tufts zur großen Erheiterung des Publikums. Das lernte an diesem Abend auch die musikalische Stimmgewalt der Entertainerin kennen. Die meinte nach ihrem mit viel Beifall bedachten Song „My Nacht mit Florian Silbereisen“: „ Helene, zieh dich warm an.“

Frau Merkel sollte wöchentlich im Weißen Haus vorbeischauen

Und was ist nun typisch deutsch? Die enthusiastische, bodenständige, selbstironische und rundum liebenswerte gebürtige Amerikanerin hat in Deutschland vieles lieben gelernt „von Apfelkuchen bis FKK“. Und eine ganz neue Erfahrung war für sie der Ausspruch: „Komm wir schnappen frische Luft.“ Amerikaner würden sich immer darüber ärgern, dass es in Deutschland so wenige Klimaanlagen gibt, verriet Tufts. Dabei sei lüften viel umweltfreundlicher und kostensparender. Vielleicht sollte Frau Merkel wöchentlich im Weißen Haus vorbeischauen und alle Fenster öffnen, um einmal kräftig durchzulüften, wünscht sich Gayle Tufts und gibt nicht nur damit preis, wie sehr sie schon in ihrer neuen Heimat verwurzelt ist.

Sie versteht es als privilegiert, eingebürgert zu werden. Doch sie stellte auch klar: „Macht es einen Unterschied, ob mein Pass blau oder rot ist? Werde ich dadurch zu jemand anderem? Ein Stück Papier definiert nicht, wer ich bin, und spätestens, wenn ich den Mund öffne, weiß jeder, dass ich eine American Woman bin.“

Literarischer Bilderbogen: Das weitere Programm

6. Oktober: Bernd Schröder stellt ab 19.30 Uhr im Kapitelsaal des Klosterstifts in Heiligengrabe sein Buch „Ein Trainerleben für den Frauenfußball“ vor; der Eintritt kostet 8 Euro.

8. Oktober: Johann von Bülow liest ab 19.30 Uhr in der Sparkasse in Neuruppin aus „Loriot – der ganz offene Brief“; Eintritt: 16 Euro.

11. Oktober: Donald Bäcker präsentiert im Kyritzer Möbelhaus Wagnitz ab 19.30 Uhr sein Buch „Wettervorhersage ...“; Eintritt: 7 Euro.

17. Oktober: Tilman Röhrig liest ab 19.30 Uhr in Wus­terhausen aus „Die Flügel der Freiheit“, Eintritt: 8 Euro.

1. November: Max Bentow liest ab 19 Uhr in der Neuruppiner Stadtbibliothek aus „Das Porzellanmädchen“; Eintritt: 7 Euro.

2. November: Peter Prange stellt um 19.30 Uhr im Parkhotel Neustadt sein Buch „Unsere wunderbaren Jahre“ vor; Eintritt: 8 Euro.

10. November: Susan Kreller liest ab 19.30 Uhr in der Wittstocker Bibliothek aus „Pirasol“; Eintritt: 7 Euro.

25. November: Kai Twilfer stellt ab 19.30 Uhr in Wus­terhausen sein Buch „Ich habe keine Macken. Das sind Specialeffects“ vor; Eintritt: 8 Euro.

Von Renate Zunke

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