Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Gedenkstätte Todesmarsch in Below

Museen der Region Gedenkstätte Todesmarsch in Below

Die Gedenkstätte Todesmarsch Belower Wald ist einzigartig. Nirgendwo anders beschäftigt sich eine Einrichtung ausschließlich mit diesem Ereignis. Doch bis heute bleibt eine Wunde: Die Täter des Brandanschlags im Jahre 2002 laufen noch immer frei herum.

Voriger Artikel
Heldin Conni in Neuruppin
Nächster Artikel
Hilfsgüter sind jetzt auf dem Weg nach Gambia

Herzstück der Open-Air-Ausstellung sind Originalfotos vom Todesmarsch.

Quelle: Christamaria Ruch

Below. Die roten Dreiecke heben sich deutlich von der grauen Umgebung ab. Immer wieder leuchtet die rote Farbe zwischen den Bäumen hervor. Buchen und Kiefern – soweit das Auge reicht. Im Belower Wald sprechen die Bäume eine besondere Sprache. Schnitzereien oder Einschnürungen von Draht sind auf 50 Bäumen verewigt. Die roten Dreiecke weisen auf sie hin. Sie sind Spuren und Fundstücke aus der Zeit des Todesmarsches.

Der Buchen- und Kiefernwald in Below ist zu jeder Jahreszeit lebendiger Zeitzeuge

Der Buchen- und Kiefernwald in Below ist zu jeder Jahreszeit lebendiger Zeitzeuge.

Quelle: Christamaria Ruch

Die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald befindet sich nördlich von Wittstock und erstreckt sich beiderseits der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist eine Außenstelle der Gedenkstätte Sachsenhausen. Und erinnert an das letzte Kapitel der Nazidiktatur: Zwischen 16 000 und 18 000 Häftlinge aus Sachsenhausen lagerten vom 23. bis 29. April 1945 im Belower Wald. Sie wurden bei diesem Todesmarsch in Richtung Nordwesten weiter vorangetrieben. Viele von ihnen starben dabei. Erst zwischen dem 3. und 5. Mai 1945 endete dieser Marsch im Raum Parchim, Ludwigslust und Schwerin mit ihrer Befreiung.

Geschichte der Gedenkstätte

Die Gedenkstätte Belower Wald wuchs im Laufe der Jahrzehnte. Der erste Gedenkstein stammt aus dem Jahre 1965.

Die aktuelle Gedenkanlage ist 1975 errichtet worden.

Das bis etwa 1974 bewohnte Hirtenhaus gegenüber der Gedenkanlage wich 1981 einem Neubau. Dort entstand das Museum.

Ein Brandanschlag zerstörte in der Nacht vom 4. zum 5. September 2002 einen Teil des Museums. Die Täter konnten nie gefasst werden.

Kurz nach dem Anschlag gründete sich der Freundeskreis der Gedenkstätte. Der Freundeskreis unterstützt pädagogische Projekte und Ausstellungen und stellt Mittel für Fahrten zur Gedenkstätte bereit.

2008 folgte ein zweiter Anschlag – die beiden Täter wurden gefasst und verurteilt.

Seit Frühjahr 2010 befindet sich die Gedenkstätte Todesmarsch auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Neben dem historischen Waldgelände schließt sich ein Steg zur Open-Air-Ausstellung auf mecklenburgischer Seite an.

Die Gedenkstätte mit dem Waldlager und der Open-Air-Ausstellung kann ganzjährig besucht werden.

Carmen Lange leitet die Gedenkstätte und Kerstin Zillmann ist Mitarbeiterin. Führungen, pädagogische Arbeit und Zeitzeugengespräche erfolgen nach Voranmeldung unter 039925/2478.

Das Büro und die Information sind montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet

Weitere Infos sind unter www.stiftung-bg.de nachzulesen. cmr

Ohne Unterkunft und Versorgung lagerten die Häftlinge im April 1945 in diesem 20 Hektar großen Gebiet vom Belower Wald. „Nur die Straße und die Waldgrenze sind als Absperrung bekannt“, sagt Gedenkstättenleiterin Carmen Lange. Die Häftlinge kamen schrittweise dort an und zogen als gesamte Kolonne weiter.

Die Häftlingszahlen können bis heute nur geschätzt werden. „Zum Zeitpunkt des Todesmarsches machte die SS keine Notizen mehr und somit liegen keine Dokumente mit genauen Zahlen vor“, sagt Horst Seferens. Der Pressesprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betreut auch die Gedenkstätte Belower Wald.

Allein die Augenzeugen – Häftlinge vom Todesmarsch sowie Einwohner aus den Dörfern und Städten entlang dieser Strecke – brachten später Licht in dieses dunkle Kapitel der Geschichte. Aus deren Berichten setzte sich ein Mosaik der Erinnerungen zusammen.

Einige der gut 3000 Fundstücke aus dem Belower Wald sind in einer Außenvitrine ausgestellt

Einige der gut 3000 Fundstücke aus dem Belower Wald sind in einer Außenvitrine ausgestellt.

Quelle: Christamaria Ruch

Schätzungsweise 4000 Besucher wie Schulklassen, Studenten und andere Gäste kommen jährlich zur Gedenkstätte. „Der Wald als Gedenkstätte ist etwas ganz Besonderes“, sagt Carmen Lange. Denn „er ist ein lebendiger Zeuge und die Spuren auf den Bäumen berühren die Besucher besonders.“ Im Laufe der Jahrzehnte nimmt der Wald andere Konturen an. Und auch die Spuren verändern sich. „Es ist zu sehen, wie die Zeit darüber hinweggeht“, so Lange. Die Gedenkstätte im Belower Wald ist die einzige, die sich ausschließlich mit dem Todesmarsch aktiv beschäftigt“, sagt Pressesprecher Seferens. Für ihn markiert der Todesmarsch noch einmal „eine eigene Phase im Zuge der Auflösung der Konzentrationslager (KZ). Bis zur letzten Minute zeigte die SS ihren unglaublichen Vernichtungswillen. Und das trotz der Erwartung, dass die Nazidiktatur wissentlich untergeht.“

Überlebende sowie französische und deutsche Jugendliche reihen sich alljährlich im April in den Marsch des Lebens zur Gedenkstätte ein

Überlebende sowie französische und deutsche Jugendliche reihen sich alljährlich im April in den Marsch des Lebens zur Gedenkstätte ein.

Quelle: Christamaria Ruch

Neben dem historischen Waldgelände schließt sich seit 2010 ein Steg zur Open-Air-Ausstellung auf mecklenburgischer Seite an. „Wir lassen uns nicht von den Nazis diktieren“, sagt Horst Seferens zu dieser neuen und gewagten Ausstellung unter freiem Himmel. Auf 28 Tafeln erfahren die Besucher detailliert, wie sich der Todesmarsch bis hin zur Befreiung entwickelte.

Einige der gut 3000 Fundstücke aus dem Belower Wald sind dort mit ausgestellt: Löffel, Kreuze oder Brillen.

„Die Arbeit mit den Zeitzeugen gehört in dieser Gedenkstätte zu den Schwerpunkten. Noch können wir ihre Berichte nutzen“, sagt Horst Seferens. Denn die Überlebenden des Todesmarsches „treibt eine hohe Motivation an, Geschichte weiter zu geben.“

Hinweis: Am Sonntag, 31. Januar, um 14 Uhr findet eine Veranstaltung zum Holocaustgedenktag an der Gedenkstätte im Belower Wald statt.

Von Christamaria Ruch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg