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Gedenkstätte forscht zum Jabeler Sammelgrab

Below Gedenkstätte forscht zum Jabeler Sammelgrab

Dass es auf dem Jabeler Friedhof ein Sammelgrab gibt, das kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden war, darauf verweist heute ein Gedenkstein. Er ist jedoch leer, keine Tafel verweist auf Namen oder Schicksal der in dem Grab Bestatteten. Um die Geheimnisse zu lüften, forscht die Gedenkstätte im Belower Wald zum Thema. Ihre Kontakte führen bis nach Russland.

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Kerstin Zillmann hat in der Todesmarsch-Gedenkstätte im Belower Wald zahlreiche Dokumente und Namen zu den Gräbern gesammelt.

Quelle: Christian Bark

Jabel/Below. Die Pläne der Gemeinde Heiligengrabe, den Zaun auf dem Jabeler Friedhof erneuern zu wollen, hatten vor vier Jahren den Stein ins Rollen gebracht. Zeitzeugen erinnerten sich an das an der Stelle befindliche Sammelgrab aus den ersten Monaten kurz nach dem zweiten Weltkrieg.

„Im Grab waren vornehmlich Verstorbene der Jabeler Typhusstation bestattet worden“, informiert Kerstin Zillmann von der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald. Breite Kreise der Bevölkerung, darunter auch Anwohner Siegfried Bröcker, der in Büchern seiner Familie Aufzeichnungen der Typhuskranken gefunden hatte, waren lange Zeit davon ausgegangen, dass in dem Grab Rotarmisten bestattet worden wären, die sich sprichwörtlich „totgesoffen“ hätten. „Zeitzeugen berichteten aber von ausgemergelten Patienten in weißen Unterhosen“, sagt Kerstin Zillmann. Diese Information habe die Gedenkstätte aufhorchen lassen, beschäftigt sie sich doch eingehend mit dem Schicksal von Häftlingen, die auf dem Todesmarsch des Konzentrationslagers Sachsenhausen Ende April 1945im Belower Wald unter Aufsicht der SS für mehrere Tage lagern mussten und von denene dort gestorben sind.

Kranke trugen nur weiße Unterhosen

Am 28. April 1945 richtet die SS auf Drängen des Internationalen Roten Kreuzes ein Not-Lazarett in Grabow bei Below ein. Es wurde Mitte Juni aufgelöst und die schwersten Fälle nach Wittstock verlegt.

Mitte Juni 1945 wird über die sowjetische Kommandantur in Jabel ein Lazarett, zunächst nur für Typhuskranke, eingerichtet. Ende September befinden sich rund 400 Personen in Jabel, die laut Augenzeugenberichten in einem äußerst schlechten Gesundheitszustand sind. Sie tragen lediglich weiße Unterhosen.

Die Toten des Lazaretts werden auf dem Friedhof von Jabel in einem Massengrab anonym bestattet.


wird in Jabel eine zweite Typhusstation eingerichtet.


Im September 1946
übernimmt der Landkreis Kyritz die Verwaltung des Lazaretts und plant dessen baldige Auflösung. Das Sammelgrab bleibt zwar im Gedächtnis, wer dort bestattet ist, gerät jedoch in Vergessenheit.

Die weißen Unterhosen hätten Teilnehmer des Todesmarsches als Patienten im Lazarett Grabow erhalten. „Sowjetische Soldaten dürften kaum in einem so abgemagerten Zustand gewesen sein“, erklärt Kerstin Zillmann. Dass auch Sowjetbürger, die keine befreiten KZ-Häftlinge waren, in dem Grab bestattet wurden, sei allerdings anzunehmen. Die von Siegfried Bröcker entdeckten Aufzeichnungen zeigen unter anderem eine Fieberkurve von Typhuskranken. Fünf russische Namen tauchen darin auf – einer von ihnen steht auch in der Liste der Häftlinge in Sachsenhausen. „Das muss aber nichts heißen, es ist ein weit verbreiteter Name in Russland“, bemerkt Gedenkstättenmitarbeiterin Zillmann. Es sei nicht klar, ob die Männer überhaupt in Jabel gestorben und in dem Grab bestattet worden sind. Über eine Liste des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst sei man auf weitere 14 Namen in Jabel verstorbener Sowjetbürger gestoßen. Elf davon seien am 1. Mai 1945 gestorben. Weiterhin ist laut Kerstin Zillmann anzunehmen, dass auch zivile Opfer, darunter auch Deutsche, in dem Grab ihre letzte Ruhestätte gefunden hätten.

Der Gedenkstein soll bald eine Tafel mit Namen erhalten

Der Gedenkstein soll bald eine Tafel mit Namen erhalten.

Quelle: Christian Bark

Rätsel gibt allerdings der Umstand auf, dass die Grabstelle nicht mit den für die Sowjetarmee üblichen Ehrengrabsteinen versehen worden ist – vielleicht wegen der vielen anderen Toten, auch anderer Nationen, die keine Soldaten waren? „Wer als Rotarmist in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war oder auch Sowjetbürger, die Zwangsarbeit und Lager in Deutschland überlebt hatten, galten für die Sowjets als unehrenhaft“, erklärt Kerstin Zillmann. Obwohl das Grab bekannt gewesen und die Typhusstation schon 1946 in die Verwaltung des Kreises Kyritz übergeben worden war, sei es aber bemerkenswert, dass keinerlei Erinnerungen an die Toten geschaffen wurden. Für gewöhnlich geschah das mit einem Gedenkstein, der, mit einem roten Wimpel gekennzeichnet, die Toten als antifaschistische Widerstandskämpfer betitelte – unabhängig davon, ob sie Juden, Kommunisten oder aus einem anderen Grund in Haft beziehungsweise in die Konzentrationslager geraten waren. Laut Kerstin Zillmann ist es wichtig, dass heute, 72 Jahre nach den Ereignissen, Klarheit in die Geschichte einkehrt.

Damit das geschieht, versucht sich die Gedenkstätte seit einiger Zeit, mit russischen Archiven in Verbindung zu setzen. „Die Anfragen laufen noch“, berichtet Kerstin Zillmann. In Russland habe man Kontakt zu einem Lehrer, der mit seinen Schülern an dem Thema forsche und Zugang zu Archiven habe.

Sollten die Forschungen weitere Erkenntnisse zum Sammelgrab, zum Schicksal der darin bestatteten und ihren Namen bringen, ist eine Gedenktafel für die bereits hergerichtete Ruhestätte geplant.

Von Christian Bark

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