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Ostprignitz-Ruppin Gefeierte Grete Minde in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gefeierte Grete Minde in Neuruppin
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14:23 16.05.2016
Astrid Leberti in der Rolle der kaltherzigen Schwägerin Trud. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Es ist eine imposante Kulisse: Die Türme der Klosterkirche bieten ein perfektes Bühnenbild für Fontanes Novelle „Grete Minde“. Eine dreiteilige angestrahlte Treppe, die zum Turm hinaufführt, wird zur Bühne und verwandelt sich je nach Handlung in den Platz des Geschehens. Kalt ist das Licht, in das die Treppe zu Beginn des Spektakels getaucht ist, so kalt wie der Wind, der vom See her über den Platz zwischen Klosterkirche und Stadtmauer pfeift.

„Ich bewundere Sie, dass sie heute hier sind“, sagt Regisseur Frank Matthus zur Begrüßung der rund 200 Gäste, die sich eingemummelt und mit Decken ausgerüstet am Samstagabend aus dem Haus gewagt haben. „Wir können hier mit nichts anderem heizen als mit unserer Kunst.“ Und das tun die Darsteller – allen voran Liudmila Lokaichuk als Grete Minde und Cornelius Lewenberg als Valtin. Die Bewunderung des Publikums ist ihnen sicher, schon weil sie in ihren zarten Gewändern über zwei Stunden den Eisheiligen trotzen.

Liudmila Lokaichuk und Cornelius Lewenberg spielten sich als Grete und Valtin in die Herzen der Zuschauer. Quelle: Peter Geisler

Schon 2010, 2012 und 2014 ging das szenisch-musikalische Drama „Grete Minde“ in Neuruppin über die Bühne. Zu Aufführungsbeginn in der Pfarrkirche, zwei Jahre später erstmals unter freiem Himmel, vor der damals eingerüsteten Klosterkirche. Die Handlung beruht auf wahren Begebenheiten, die Fontane 1878 in Tangermünde recherchierte. Grete Minde, die Tochter einer katholischen Spanierin und eines Tangermünder Ratsherren, wohnt im Haus ihres alten kranken Vaters, gemeinsam mit ihrem Stiefbruder Gerdt und dessen Frau Trud. Lieblosigkeit und Vorurteile beherrschen das Familienleben in der strengen, lutherischen Umgebung.

Die Wut treibt Grete in den Wahnsinn

Als einziger Freund Gretes erweist sich Valtin, mit dem sie schließlich flieht. Einen paradiesischen Ort, an dem sie ihr Glück genießen können, finden sie allerdings nicht. Sie schließen sich einer fahrenden Puppenspielergruppe an und führen ein armseliges Leben. Als Valtin stirbt, bittet er Grete darum, mit ihrem Kind nach Tangermünde zurückzukehren. Doch dort ist sie nicht willkommen, Gerdt verweigert ihr die Unterkunft und auch das väterliche Erbe. Der Versuch, ihren Anteil über die Ratsherren der Stadt geltend zu machen, schlägt fehl. Wut und Rachegefühl treiben Grete in den Wahnsinn und sie setzt die Stadt in Brand. Mit ihr finden auch ihr eigenes sowie das Kind ihres Bruders den Tod in den Flammen.

Hinter den Masken steckten Tänzerinnen der Jugendkunstschule. Quelle: Peter Geisler

Liebevoll begegnen sich Grete und Valtin in einem idyllischen Garten, doch die Beschaulichkeit täuscht, sie ist nur eine Illusion. Valtin erzählt Grete von einem Tal, das von keinem Sturm erreicht wird, in dem es keine Krankheiten, keinen Krieg und keinen Schmerz gibt. Doch so wie in vielen Fontaneromanen – ob bei „Cécile“ oder „Irrungen, Wirrungen“ – erweist sich die Idylle als Illusion. Dramatisch spitzt sich die Handlung und damit auch das Mitgefühl für die zierliche Hauptdarstellerin mit der kraftvollen Stimme zu. Wenn sie aus ganzer Kraft nach Liebe schreit, möchte man als Zuschauer hinzuspringen und Trost spenden, so überzeugend kämpft sie mit ihrem Schmerz.

Kaltes Licht und boshafte Töne für Schwägerin Trud

Gefühlsbetonte Duette und schräge Kompositionen, mit denen der Komponist Siegfried Matthus das Schauspiel in ein musikalisches Erlebnis verwandelt, tun ihr Übriges. Kaltes Licht und boshafte Töne unterstreichen den bösen Charakter der Schwägerin Trud – dargestellt von Astrid Leberti – die mit harter Stimme und eisigen Gesichtszügen über Grete wacht. Ausdrucksstark verkörpert der Bewegungschor in schwarzen Kostümen und weißen Masken die Dämonen, die das Handeln der Menschen lenken. Die Darsteller sind Tänzerinnen der Jugendkunstschule. Die Choreografie hat die Tanzpädagogin Gritt Maruschke erarbeitet.

An drei Tagen erlebten die Zuschauer diesmal das Musikdrama. An der Klosterkirche sahen sie zu, wie deren Türme zum Finale in rotes und gelbes Licht getaucht wurden – das Bild Gretes verschwindet schließlich in den Flammen. Am Sonntag war es draußen dann doch zu frisch; die Aufführung wurde in die Pfarrkirche verlegt.

Von Cornelia Felsch

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