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Ostprignitz-Ruppin Gefeierte Premiere in Neumühlee
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gefeierte Premiere in Neumühlee
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00:18 18.04.2016
Reinhardt Repke (l.) und Gastsänger Peter Lohmeyer. Quelle: Cornelia Felsch
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Alt Ruppin

Seit Langem ausverkauft, war es nun endlich soweit – am Donnerstag und Freitag erlebten die Fans den Club der toten Dichter im Kornspeicher Neumühle mit seinem neuen Charles-Bukowski-Programm.

Es ist ein ganz besonderer Konzertabend am Donnerstag an der Molchower Schleuse – nicht weil im Kornspeicher eine Weltpremiere stattfindet, sondern weil der Hausherr im Jackett die Bühne betritt. „Rilke war für mich das herausragende Programm“, sagt Manfred Neumann. „Und ich habe mich gefragt, was will er denn danach machen? Es ist unglaublich!“

Er – das ist Reinhardt Repke. Im zehnten Jahr des Bestehens seines „Clubs der toten Dichter“ vertont er nach Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Friedrich Schiller und Rainer Maria Rilke nun den fünften Dichter neu – Charles Bukowski.

Reinhardt Repke Quelle: Cornelia Felsch

Der amerikanische Kultautor gilt in den USA nicht unbedingt als der berühmteste, dafür aber als der meist geklaute Autor. Säufer, Prostituierte, Spieler – alles in allem die Verlierer der Gesellschaft sind es, derer er sich annimmt. Dabei spart er nicht mit schmuddeligen Geschichten, weshalb seine Schriften oft abgelehnt werden.

„Wir wollten mit den Klischees aufräumen und den Vorurteilen auf den Grund gehen“, sagt der Songwriter, Gitarrist und Sänger Reinhardt Repke am Donnerstag. „Und wir haben einen anderen Bukowski entdeckt.“ Gut eineinhalb Jahre hat sich der Musiker mit dem Dichter beschäftigt – die Arbeit hat sich gelohnt. Mit viel Poesie und Empathie widmet sich die Band dieser harten Kost und überzeugt an diesem Abend alle Zweifler. Den Satz „Ich hab mir die CD noch nicht gekauft, aber jetzt muss ich sie haben“, hört man in der Pause nicht nur einmal.

Perfekt aufeinander eingespielt: die Musiker vom Club der toten Dichter. Quelle: Cornelia Felsch

Vor allem Gastsänger und Schauspieler Peter Lohmeyer, den viele Konzertbesucher noch nicht als Sänger erlebt haben, überzeugt an diesem Abend. Begleitet von bedächtigem Blues, Countrysound oder Rock steigt er ein in die Welt Bukowskis, sitzt an seiner Schreibmaschine im Haus mit den zwei Mülltonnen – eine für die Schnapsflaschen, eine für die Bierbüchsen. „Ich weiß nicht, wer von euch schon beim Militär war“, sagt er. „Ich musste da nicht hin, aber Sandford, der war da.“ Es folgt die Geschichte eines Mannes, der sich im Zweiten Weltkrieg zur Luftwaffe meldet und über dem Ärmelkanal abgeschossen wird. „Sandford hatte eine Schwäche für fiese Streiche, zum Beispiel in Milchflaschen pissen, Spinnen die Beine absengen, Katzen quälen, Wasser in Benzintanks schütten.“

Das Gesicht Lohmeyers wirkt hart und unerbittlich, sein Blick scheint weit entfernt in diese Welt abzudriften. Doch seine warme Stimme und die einfühlsame Interpretation überzeugen. Reinhardt Repke hat mit Peter Lohmeyer einen Sänger gefunden, der Sarkasmus, Melancholie aber auch Heiterkeit und Sensibilität in seiner Interpretation zu vereinen weiß; und das ist den Zuhörern bereits nach dem ersten Titel klar. Er spielt keinen Säufer, der mit rauer Stimme die Flasche schwenkt – er entdeckt die Schönheit dieser Texte auf seine ganz besondere Weise und wer sich darauf einlässt, kann sich aus diesem Sog nicht mehr befreien.

Peter Lohmeyer Quelle: Cornelia Felsch

Ob mit perfekten Musikern im Hintergrund oder nur mit einer Spieluhr untermalt – die Songs kommen an und das Publikum ist begeistert. Hochmusikalisch und poetisch kommen die Titel daher, es stimmt einfach alles, denn auch die Musiker sind sichtlich von ihrem Projekt überzeugt. Wunderbar aufeinander eingespielt, überzeugen Tim Lorenz am Schlagzeug, Markus Runzheimer am Bass, Reinhardt Repke an der Gitarre und am Banjo und Andreas Sperling an seinen Keyboards. Der Pianist und Produzent singt nicht nur alle Texte mit, sondern erlebt sie leidenschaftlich hinter seinem Tasteninstrument.

Mit dabei sind auch die Konzertbesucher, die inbrünstig in den Gesang einstimmen und sich mit tosendem Beifall beim Club der toten Dichter bedanken. Erwartungsgemäß geht dieser Konzertabend nicht ohne Zugaben der Band zu Ende, um die sie sich nicht lange bitten lässt. „Es ist immer noch schön, Bukowski zu sein“, singen die Besucher einträchtig nach ihrem zweieinhalbstündigen Konzertprogramm, während „Spatz“ Sperling auf seinem winzigen Mini-Klavier dazu klimpert.

Von Cornelia Felsch

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