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Ostprignitz-Ruppin Geflügeldiebe geben keine Ruhe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Geflügeldiebe geben keine Ruhe
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19:04 01.12.2017
Für alle Enten und Gänse, die schlachtreif sind, hatte Guido Dieck längst Abnehmer. Nun muss er ihnen vom Diebstahl berichten – schon wieder. Quelle: Matthias Anke
Wusterhausen

Modderpampe. Nichts als aufgeweichter, von unzähligen Hühner-, Gänse- und Entenfüßen zerlatschter Boden ohne einen grünen Halm. Doch die meisten der Tiere, die diese Spuren hinterließen, sind jetzt weg. Sie wurden voriges Wochenende gestohlen. „Das muss man sich mal vorstellen, wie die ausgesehen haben müssen“, sagt Guido „Ete“ Dieck – mit Blick auf die Täter: „Um die flüchtenden Tiere alle einzusammeln, braucht es mindestens vier Leute. Und dann sind die damit auch noch quer über die unter Wasser stehende Wiese. Also die müssen unglaublich mistig ausgesehen haben.“

Unvorstellbar ist für Dieck nicht nur der Aufwand, der offensichtlich betrieben wurde. Einen weiteren Weg nahmen die Täter über ein Nachbargrundstück, wozu sie auch dort Zaunfelder zerschnitten. Unvorstellbar ist es für ihn, weil er nun zum dritten Mal beraubt wurde.

Eine Frau hatte sieben Enten als Weihnachtsgeschenke eingeplant

Unter „Ete“ kennt halb Wusterhausen den 56-Jährigen. „Ete, so nannten wir früher Erich Honecker heimlich. Und weil ich Honni so gut nachmachen konnte, meistens in der Kneipe, wurde ich Ete. Tja, so kommt man zu einem Spitznamen“, erzählt der Hobby-Landwirt.

Doch jetzt versackt seine Stimme ab und zu. Ihm fehlen die Worte, seine Situation zu beschreiben. Dann fasst er sich: „Wie soll ich das bloß den ganzen Leuten erklären? Die Tiere waren alle versprochen. Eine Oma hatte dieses Mal sogar sieben Enten bestellt. Sie wollte Kindern und Enkeln zu Weihnachten mal kein Geld schenken. Es sollte was besonderes sein.“ Ratlos ist „Ete“ nun. „Ein Mann, ein Wort“, sage er immer: „Versprochen ist versprochen.“ Doch rund 40 Enten und mehr als ein Dutzend Hühner fehlen eben.

Das übrige Federvieh wirkt nach dem nächtlichen Vorfall verstört

Dabei ist dieser Schaden nicht ganz so groß wie bei den letzten Einbrüchen.„Die hatten offenbar nicht damit gerechnet, dass hier derzeit alles unter Wasser steht, sonst wäre noch viel mehr weg.“ Etliches Federvieh ist also noch da. Aber es äugt nervös in der Gegend umher und lässt sich leicht aufscheuchen. „Die waren sonst völlig zahm und fraßen mir aus der Hand.“

Guido Dieck ist fassungslos. Einige Tiere wurden ihm diesmal aber gelassen. Quelle: Matthias Anke

Vor drei Jahren ereignete sich der erste Fall. „Da hatten sie das Grundstück richtig leer gemacht“, erinnert sich Dieck. Die komplette Hasenzucht verlor er, dazu fast alle Mularden-Enten, Gänse und viele Hühner. Im Jahr darauf, 2015, verschwanden wieder mehr als 40 Murladen-Enten, die als besonders schmackhaft gelten. Die Polizei ging schon damals von einem Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeschäft aus angesichts dieses ungewöhnlichen „Stehlguts“. Federn der Masttiere waren zurückgeblieben, weshalb davon ausgegangen wurde, dass die Täter die Enten betäubten, etwa mit Schlägen. Blut wurde nicht entdeckt. Dafür fand die Polizei auch damals schon Reifenspuren. Sie deuten darauf hin, dass die Täter die Tiere mit einem Fahrzeug samt Anhänger abtransportierten. Sie benutzten dafür auch vor Ort gefundene Schubkarren.

Der durchfeuchtete Boden lässt erahnen, was in der Nacht dort losgewesen sein muss. Auf Hühner hatten es die Diebe nicht vorrangig abgesehen. Auch wurden weniger Gänse mitgenommen als Enten, allen voran die Mularden-Enten. Quelle: Matthias Anke

„In umliegenden Dörfern brauchte ich damals nicht zu suchen und muss es auch jetzt nicht. Die sind bestimmt in Berlin gelandet“, vermutet Dieck. Und selbst, wenn er so einige in Frage kommende Leute im Visier hätte, sagt er: „Ich müsste das erstmal irgendwie beweisen. Jedenfalls ist interessant, dass die bei meinem Nachbarn Kinderspielgeräte abbauten und mitnahmen, eine Wippe und eine Schaukel. Und nicht nur das, einen ganzen Badepool montierten sie ab.“

Täter verfügen laut Polizei offensichtlich über Ortskenntnisse

Voriges Jahr kamen sie nicht. Wegen der Stallpflicht war Guido Dieck an vielen Wochenenden über Nacht auf dem Grundstück geblieben. „Nicht auszudenken! Aus dem Stall heraus hätten sie es in kürzester Zeit geschafft, jedes einzelne Tier zu kriegen.“

Dass die Täter über Ortskenntnisse verfügen, glaubt auch die Polizei. Laut Direktionssprecher Toralf Reinhardt sei zudem kein Raubzug oder dergleichen durch die Region zu erkennen, bei dem der Wusterhausener nur eines mehrerer Opfern wäre. Es komme mal ein Rind weg, woanders seien es ein paar Karnickel. „Aber nichts in dieser Größenordnung“, sagt Reinhardt.

Um nicht noch mal heimgesucht zu werden, will Dieck auch an diesem Wochenende „draußen bleiben“. Dabei hat er keine fünf Minuten Fahrtweg vom Zuhause am Ende der Dossestraße, wo er mit seiner Frau lebt, bis zu seinen Grundstücken an der B 5. Einige Tiere hat er zudem bei sich untergebracht, bis sie demnächst geschlachtet werden. Platz wäre auch noch auf seinem zur Dosse hin gelegenen Garten. „Lieber nicht, der wäre sofort versaut“, sagt Dieck, der sich als Naturfreund sieht und der trotz allen aktuellen Übels eine Frohnatur durchschimmern lässt: Hier zeigt er auf einige von ihm angelegte Totholzhecken. „Bietet allerlei Wildtieren Unterschlupf.“ Dort öffnet er eine Kiste mit Igeln, die er bei sich überwintern lässt.

Kameras wären eine Lösung, sind dem Betroffenen aber zu teuer

Die Parzellen kaufte er sich nach und nach. Schon zu DDR-Zeiten ackerte er darauf, berichtet Dieck mit Blick auf eine Reihe vergilbter Maispflanzen. „Seit 30 Jahren mache ich das so intensiv. Angefangen mit dem Geflügel hatte ich aber bereits als Zehnjähriger. Mit meinem Vater wuchs ich da rein.“

Der gelernte Schlosser arbeitet heute bei einem Agrarbetrieb in Bückwitz. Auf dem Weg dorthin versorgt er seine Tiere beim morgendlichen Zwischenstopp und auch nach Feierabend. Mit Blick auf nächstes Jahr aber grübelt er. „Was soll ich machen? Kameras wären zu teuer.“ Doch präventiv besser vorzugehen, sei Laut Toralf Reinhardt aus polizeilicher Sicht kaum möglich.

Für Dieck steht daher vorerst nur eines fest, sollte er die Geflügelhaltung aufgeben: Pony „Pedro“ bleibt. Es ist so alt wie sein Hobby. Nach einem der Einbrüche stand Pedro schon mitten auf der B 5. Ein noch dickeres Schloss sichert jetzt das Tor.

Von Matthias Anke

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