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Gegen lispeln, nuscheln und stottern

Logopädie in Neuruppin Gegen lispeln, nuscheln und stottern

Die Zahl der an Sprachstörungen leidenenden Kinder in der Region ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Zwischen 18 und 20 Prozent sind in der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin betroffen. Carolin Prokop hat eine eigene Logopädiepraxis in Neuruppin und setzt vor allem Wert darauf, die Kinder noch vor der Einschulung sprachfit sind.

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Auf spielerische Weise führt die Logopädin Carolin Prokop ihre kleinen Patienten an die Welt der Laute heran.

Quelle: Odin Tietsche

Neuruppin. Mit Lauten kennt sich die Logopädin Carolin Prokop bestens aus. Buchstaben und Endungen, die im alltäglichen Sprachgebrauch oftmals verschluckt werden, sind für eine eindeutige Verständigung essenziell. Zum Beispiel dann, wenn aus einer Katze eine Tatze wird. Wenn Kinder an Sprachentwicklungsstörungen leiden, heißt das, dass sie die Sprache nicht schnell genug oder fehlerhaft lernen. Lispeln und Stottern sind typische Erscheinungen. Auch der Wortschatz kann Lücken aufweisen. In ihrer Praxis verzeichnet Carolin Prokop einen leicht steigenden Therapiebedarf.

Die Zahl der von Sprachstörungen betroffenen Kinder in der Region ist in den vergangenen fünf Jahren etwa konstant geblieben. Die Gesundheitsämter erfassen die Daten bei den Kita- und Schuluntersuchungen. Demnach sind im Kreis Ostprignitz-Ruppin etwa 18 Prozent der Kinder zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren von Sprachstörungen betroffen. Bei den Schulkindern ist der Anteil noch einmal um 10 Prozent höher. In der Prignitz ist die Zahl der betroffenen Kindergartenkinder in den vergangenen drei Jahren von 28 auf 22 Prozent zurückgegangen.

Sprachstörungen können vielfältige Ursachen haben

Die Neuruppinerin Carolin Prokop ist seit 2007 als Logopädin tätig. In ihrer Praxis betreut sie vor allem sprachgestörte Kinder. Die Erwachsenen bilden eher die Minderheit. „Das Verhältnis liegt hier bei etwa 70 zu 30“, sagt die 32-Jährige. Bei Kindern können Sprachstörungen ganz verschiedene Ursachen haben, berichtet sie. Manche leiden unter organischen Ursachen, wie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte – eine angeborene Fehlbildung, die auch „Hasenscharte“ genannt wird. Andere Kinder haben eine Hörstörung. Sie verstehen die gesagten Wörter falsch oder unvollständig und entwickeln ihre eigene Sprache langsamer oder gar nicht.

Patienten, die aufgrund von genetischen Ursachen an Sprachstörungen leiden, hat Carolin Prokop in ihrer Praxis kaum. Darunter fallen etwa Down-Syndrom-Patienten, deren Muskulatur im Gesicht nicht kräftig genug ist. „In einer Kleinstadt betreffen genetische Gründe vielleicht ein oder zwei Patienten“, sagt die Logopädin. Was den Eltern oft Sorgen bereitet, sind Verzögerungen in der Sprachentwicklung. „Das äußert sich darin, dass Kinder bestimmte Laute nicht aussprechen oder unterscheiden können.“ Bis zu einem bestimmten Alter sei es normal, dass Kinder das t und das k miteinander verwechseln. Bis zum vierten oder fünften Lebensjahr sollten Kinder „Schnecke“ anstatt „Snecke“ sagen können.

Mit Schulbeginn sollten die Kinder fit in der Sprache sein

„Wichtig ist aus meiner Sicht immer, dass die Kinder vor der Schule fit in der Sprache sind“, erklärt Carolin Prokop. Denn eine Sprachstörung auszubügeln, erfordert meist viel Zeit. „Es geht ja darum, ein ganzes Konzept umzutrainieren, das braucht auch viel Übung zu Hause“, so die Expertin. Hat das Kind Probleme, zwei Laute ausein-anderzuhalten, beginnt sie die Therapie damit, den Lauten bestimmte Symbolen zuzuordnen, damit das Kind ein Bild mit dem Laut verbindet. Carolin Prokop macht den kleinen Patienten die Geräusche mehrmals vor, danach bildet sie Silben und Wörter. Erst dann muss das Kind versuchen, den Laut zu bilden. „Das schöne ist, dass Kinder ja lernen wollen. Sie freuen sich, wenn ihnen etwas gelingt. Das erleichtert mir meine Arbeit oft sehr“, erzählt Prokop.

Direkte Kommunikation ist entscheidend

Eine Sprachstörung oder ein Sprachfehler geht auf die gedankliche Erzeugung von Sprache zurück. Sprachaufbau und Sprachvermögen sind beeinträchtigt. Bei der Sprechstörung hingegen ist hauptsächlich die motorische Erzeugung der Laute betroffen.

Verschiedene Faktoren können die Fehlentwicklung der Sprache beeinflussen. Die eindeutige Ursache zu finden, ist für Logopäden meist schwer, sagt Carolin Prokop. Sie muss dabei viele Faktoren berücksichtigen.

Wenn Kinder zum Beispiel länger als 30 Minuten täglich vor dem Tablet, PC oder Fernseher sitzen, kann es sich auf die Sprachentwicklung auswirken. Denn diese einseitige Aktivität ersetzt nicht die direkte Kommunikation mit den Eltern, berichtet die Logopädin.

Wie lange eine Sprachstörung behandelt werden muss, lässt sich pauschal nicht sagen. Carolin Prokop erlebt immer wieder Kinder, die es in wenigen Sitzungen schaffen. Andere betreut sie schon seit Jahren, weil sie den Übergang von der Theorie in die Spontansprache nicht schaffen. Wenn ein Kind etwa drei bis dreieinhalb Jahre alt ist, kann es auch schon komplexere Strukturen verstehen und sich selbst äußern, sagt die Fachfrau. Haben Eltern das Gefühl, dass ihr Kind Schwierigkeiten hat, sich zu verständigen, könne der Kinderarzt am besten beurteilen, ob eine Behandlung nötig ist.

Der Kloß im Hals kann eine Stimmstörung bedeuten

Auch die Erwachsenen kommen mit ganz vielfältigen Problemen in die Logopädiepraxis. Manche müssen das Sprechen nach einer Schilddrüsenoperation neu trainieren. Auch Schlaganfallpatienten, deren Sprachzentrum oder die Nerven der Gesichtsmuskulatur angegriffen sind, betreut Carolin Prokop. Eine Sprachstörung kann aber auch psychische Gründe haben. In diesem Fall sprechen die Experten von psychogenen Stimmstörungen. „Es heißt ja nicht umsonst, dass wir in manchen Situationen einen Kloß im Hals haben“ sagt die Logopädin. Stress und Belastung können so zu plötzlicher Heiserkeit führen. In solchen Fällen kann Carolin Prokop in erster Linie wenig machen, außer zuzuhören und den Patienten an einen Psychologen zu verweisen. „Wenn der eigentliche Grund für das Problem beseitigt ist, klappt auch das Sprechen meist wieder.“

Von Luise Fröhlich

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