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Ostprignitz-Ruppin Geheimnisse in den Katakomben verschüttet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Geheimnisse in den Katakomben verschüttet
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18:02 07.04.2016
Wolfgang Dost zeigt auf die Stelle nahe des Ehrenhofs, unter der sich im Krieg das unterirdische Kino befand. Quelle: Christian Bark
Alt Daber

Seit Abzug der Roten Armee Anfang der 1990er Jahre ist das riesige Flugplatzareal in Alt Daber dem Verfall preisgegeben. Bald werden Gebäude wie die ehemaligen Mannschaftsunterkünfte den Abrissraupen weichen – viele Bäume auf dem über 400 Hektar großen Militärgelände tun das bereits jetzt.

„Es war wie eine eigene Stadt mit hunderten Menschen“, erinnert sich der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost. Schon zu DDR-Zeiten habe er das Gelände besuchen dürfen, beispielsweise zum Volleyballspielen in der Turnhalle. Nach Abzug der Russen war er im Auftrag der Stadt auf dem Gelände unterwegs, um dort Wertgegenstände, Artefakte oder Bücher zu sichern. „Zuletzt muss ich wohl vor sechs Jahren hier gewesen sein“, grübelt er.

Die Russen ließen ihre Filme oberirdisch über die Kinoleinwand flimmern. Quelle: Christian Bark

Zusammen mit der MAZ erkundet der Historiker erneut das Herzstück der Anlage: die Kommandoräume, die alte Bibliothek, die Sporthalle sowie das ehemalige Truppenkino. „Wer hier einen schlechten Platz hatte, konnte kaum was sehen“, erklärt er und kritisiert in dem Zusammenhang die Konstruktion des Saals voller sichthemmender Säulen sowie die schlechte Akustik. „Ruhm dem sowjetischen Sport“, übersetzt er die nur noch unvollständigen kyrillischen Buchstaben an der Wand der Turnhalle, die sich gleich neben dem Kinosaal befindet.

Flugfeld erst nach dem Krieg asphaltiert

Dost ist erschrocken über den Zustand der Räume. „Zeit und Natur holen sich das Gelände in Windeseile zurück“, stellt er fest. Vandalismus durch Menschenhand tue sein Übriges. Wie er waren vor 20 Jahren noch zahlreiche andere Leute auf „Schatzsuche“ in den Gebäuden, sagt Dost. Diese hätten sich bereits vor ihm begehrte Bücher aus der Offiziersbibliothek gesichert.

Wolfgang Dost zeigt auf die Stelle, wo der Schreibtisch des Platzkommandanten stand. Quelle: Christian Bark

Vom Büro des Platzkommandanten blickt Dost auf das Flugfeld und die dahinter liegenden Platten des Solarparks Alt Daber. „Im Zweiten Weltkrieg war das alles noch ein befestigter Rasenplatz“, sagt er. Erst 1952 hätten die russischen Besatzer eine fast 2,5 Kilometer lange Rollbahn gebaut. Am letzten Tag, bevor die Russen ihren Flugverkehr auf dem Platz 1990 einstellen mussten, hätten sie noch mal eine letzte Machtdemonstration vollzogen und seien im Tiefflug über den Platz geschossen. „Viele Wittstocker waren damals neugierige Zuschauer“, erinnert sich Dost.

Beim Streifzug durch die langen breiten Gänge wird deutlich, was für ein Prestigeobjekt in Alt Daber 1939 „aus dem Boden gestampft“ wurde, so der Historiker. Während des Krieges habe es bei Schweinrich sogar einen Double des Platzes gegeben. „Hier wurde alles vernebelt und man hoffte, der Feind würde dort seine Bombenlast abwerfen“, erklärt Dost.

Stationen aus Angst vor feindlichen Angriffen in Katakomben verlegt

Die ständige Angst vor Angriffen habe dazu geführt, dass viele Stationen in die Katakomben verlegt worden seien. „Keiner weiß, was da unter der Erde noch schlummert“, sagt Dost. Vieles sei nach Abzug der Russen wohl auch bewusst zugeschüttet worden und liege nun wahrscheinlich für immer im Verborgenen.

Der Zugang zum unterirdischen Kino ist verschüttet und steht unter Wasser. Quelle: Christian Bark

„Es soll einen unterirdischen Kommandostand gegeben haben“, sagt Dost. Belege dafür gebe es jedoch nicht. Kein Hirngespinst hingegen sei das unterirdische Kino, auf dessen Spur Dost schon vor 20 Jahren gewesen ist. „Der Raum steht unter Wasser“, erklärt er. Ihn leerzupumpen sei zu aufwendig. Vier Zugänge habe es zum Kino gegeben. Bei deren Suche mit der MAZ fällt jedoch auf, dass selbst der Abstieg in die Kellerräume kaum noch möglich ist, da ganze Treppengänge zugeschüttet wurden.

Platz für 200 Menschen im ehemaligen Kino

Dann führt plötzlich doch ein Weg in die dunklen Katakomben. Dort sind mittlerweile Spinnen, Ratten und Fledermäuse zuhause. Allein der Zugang zum Kino bleibt versperrt; er ist zugeschüttet und steht tatsächlich unter Wasser.

Nebenan blitzt schon der Solarpark Alt Daber in der Sonne. Quelle: Christian Bark

„Da werden wir wohl nicht mehr hin gelangen“, stellt Dost enttäuscht fest. Überhaupt gebe es nur spärliche Informationen. „Der Film Kolberg wurde 1945 hier drin nicht mehr gezeigt“, weiß Dost von einem Zeitzeugen. An Heinz-Rühmann-Filme und die Kriegsberichterstattung in der Wochenschau kann sich im MAZ-Gespräch aber Werner Plöwka erinnern. Der 92-Jährige lebt in Alt Daber und kennt das Kino noch aus seiner Militärzeit bei den Fallschirmspringern. „Damals waren wir auch über Kreta abgesprungen“, blickt er zurück. An die 200 Menschen hätten damals in dem Kino Platz gefunden.

Die denkmalgeschützten Gebäude sind dem Zerfall preisgegeben. Quelle: Christian Bark

Nach Ende des Krieges verliert sich für Wolfgang Dost die Spur zum Kino. Ob es von den Russen weitergenutzt wurde oder schon von der Luftwaffe zugeschüttet worden war, lasse sich heute nicht mehr einwandfrei rekonstruieren. Fakt sei jedoch, dass die Sowjets ihre eigenen Kinosäle hatten und Fakt sei auch, dass der Flugplatz neben dem Kino noch viele weitere unterirdische Geheimnisse bereit halte.

Von Christian Bark

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