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Gehrmann ohne Gegner

Bürgermeisterwahl in Wittstock Gehrmann ohne Gegner

Jörg Gehrmann ist seit acht Jahren Bürgermeister in Wittstock/Dosse – und will es gern bleiben. Doch der Wahl am 27. September schaut er mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn er wünscht sich einen Gegenkandidaten, jemanden, der ihn ernsthaft herausfordert. Den gibt es aber nicht. Sein größter Gegner wäre eine geringe Wahlbeteiligung.

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Wittstocks Bürgermeister(-Kandidat) Jörg Gehrmann.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Eigentlich könnte sich Jörg Gehrmann, Bürgermeister von Wittstock, in seinem Amtszimmer mit den historischen Wappen an der Decke, zurücklehnen und ganz entspannt den 27. September abwarten. Doch so recht zufrieden ist Gehrmann nicht – er hätte lieber einen Gegenkandidaten gehabt, denn schließlich sei für ihn eine Wahl auch Maßstab: „Mir würde sie zeigen, inwieweit der Weg, den ich in den vergangenen acht Jahren eingeschlagen habe, auch von den Bürgern anerkannt wird.“ Zumal sich bei ihm in den letzten Tagen ein wenig Unbehagen eingeschlichen hat: „Manchmal habe ich schon das Gefühl, ich müsse mich dafür entschuldigen, dass ich keinen Gegner habe und in meiner Heimatstadt dieses Amt ausführen möchte. Aber ich kann ja nichts dafür, dass sich kein Gegenkandidat gefunden hat.“

Zumindest die Wittstocker Parteilandschaft ist sich einig: Der parteilose Gehrmann, in der ersten Wahlperiode von CDU und Freien Wählern als Kandidat aufgestellt, habe zum in den vergangenen acht Jahren gute Arbeit geleistet. Zudem habe er auch ausreichend viele Aufgaben angearbeitet, die er in den kommenden acht Jahren beenden müsse.

Dennoch ist der Wahlsonntag für den Wittstocker Alleinkandidaten auf das Amt des Stadtoberhauptes eine Herausforderung:

Kämpft um die Motivation seiner Bürger

Kämpft um die Motivation seiner Bürger: Jörg Gehrmann.

Quelle: Claudia Bihler

„Ich kämpfe im Prinzip gegen den Eindruck bei den Bürgern, dass sowieso schon alles entschieden ist – und dass deswegen niemand mehr zur Wahl kommen muss. Ich kämpfe also für die Motivation der Bürger.“ Mit den notwendigen 2600 Stimmen oder 15 Prozent der Wählerstimmen, die auf ihrem Wahlzettel Gehrmann mit ihrer Ja-Stimme unterstützen müssten, will er sich nicht zufrieden geben: „Ich würde gerne eine höhere Wahlbeteiligung als die üblichen 25 oder 30 Prozent sehen – wer keine Zeit am Wahlsonntag hat, kann ja auch per Brief wählen.“

Ob Gegenkandidat oder nicht: Dass sich Gehrmann über seine erneute Nominierung durchaus auch freut, ist ihm deutlich anzumerken: „Das Amt des Bürgermeisters besteht nicht darin, die Fenster im Rathaus auf- und zuzumachen. Bürgermeister ist man täglich von 0 bis 24 Uhr, und mir macht das Amt auch nach acht Jahren noch sehr viel Spaß.“ Zudem ist er auf vieles stolz, was er erreicht hat – auch darauf, dass er es mitunter mit ungewöhnlichen Mitteln umsetzt. „Streitbar und unorthodox“, beschreibt er sich selbst. Dass er einmal als „Robin Hood“ von Wittstock bezeichnet wurde, freut ihn bis heute: 2013 hatte Gehrmann zum Bolzenschneider gegriffen, um Fakten gegenüber dem ehemaligen Wärmeversorger Energicos zu schaffen, „die Heuschrecke aus der Stadt zu jagen“ und als Stadt selbst für eine günstige Wärmeversorgung für die Mieter von knapp 550 Wohnungen zu sorgen. Uneingeschränkt kann ihm attestiert werden, dass er es geschafft hat, die Wittstocker Innenstadt durch konsequente Verlagerung von Funktionen wie Kita und Bibliothek zurück ins Stadtzentrum wieder mit Leben zu erfüllen.

Acht Jahre im Amt

Bei der vorigen Wah l zum Bürgermeister in Wittstock betrug die Wahlbeteiligung 42,67 Prozent. Neben Gehrmann hatte es vier weitere Kandidaten gegeben. Der ehemalige Wittstocker Bürgermeister Lutz Scheidemann war nicht mehr zur Wahl angetreten. Letztlich entschieden sich die Wittstocker in einer Stichwahl für ihren heutigen Bürgermeister.

Gehrmann war als Parteiloser von der CDU und der freien Wählergemeinschaft als gemeinsamer Kandidat aufgestellt worden. Damals hatte er noch als Angestellter bei der Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin gearbeitet.

Scheidemann wurde im Dezember 2007 offiziell aus dem Amt verabschiedet. Ebenfalls im Dezember 2007 wird Gehrmann vom Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung ins neue Amt berufen.

Bis heute ist der 54-Jährige parteilos geblieben.

Auch für die Zukunft sieht der Bürgermeister der Rosenstadt viele Aufgaben für sich. Setzt er bereits heute häufig auf Ideen und Initiativen seiner Bürger, will er die Möglichkeiten noch erweitern, wie sich diese basisdemokratisch noch mehr ins städtische Leben einbringen können, vor allem auch in den Ortsteilen: Neue Beteiligungsformate – etwa zur Stadtentwicklung – sollen entwickelt werden. Die Wirtschaftsförderung liegt ihm am Herzen: „Aber immer so, dass es auch den Menschen damit gut geht. Ich will, dass die Menschen erkennen, das die Stadt eine hohe Lebensqualität bietet. Und wir müssen uns zu bedeutenden Fragen der Gesellschaft wie der Zuwanderung positionieren.“

Dass die Stadtverordneten ihn bei seinen Vorhaben immer konstruktiv unterstützt haben, dankt er ihnen. Auch dafür, dass sie mit einer Schwäche umgehen konnten: „Geduld ist eine Tugend, die ich nicht so habe.“

Von Claudia Bihler

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