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Geldbuße: Verfahren gegen Ehemann eingestellt

Frau nach Schlag auf einem Auge blind Geldbuße: Verfahren gegen Ehemann eingestellt

Ein Verfahren vor dem Neuruppiner Amtsgericht gegen einen 70-Jährigen aus Wusterhausen wurde am Donnerstag gegen eine Geldbuße von 300 Euro eingestellt. Er konnte sich nicht an den Vorfall erinnern, bei dem seine Frau im Juli 2014 ihr rechtes Augenlicht verlor. Sie hatte ihm erzählt, dass er sie nicht geschlagen habe, sondern er sie verletzt habe, als er wild gestikuliert habe.

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Quelle: dpa

Wusterhausen. Zeit seines Lebens war er ein unbescholtener Bürger. Er musste erst 70 Jahre alt werden, um mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Am Donnerstag musste sich der Rentner aus Wusterhausen wegen schwerer Körperverletzung vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Laut Anklage soll er am 8. Juli vergangenen Jahres im Verlaufe eines Streites seiner ­Ehefrau mit der Hand so ins ­Gesicht geschlagen haben, dass ihre Brille verbog und das rechte Auge derart verletzte, dass sie nunmehr auf diesem Auge erblindet ist.

„Es ist ein Fall mit enormer Tragik. Eine Verurteilung hätte schwerwiegende Folgen innerhalb der Familie“, sagte Verteidiger Uwe Furmanek. Er regte an, das Verfahren einzustellen. Dazu kam es letztlich auch. Gegen eine Geldbuße von 300 Euro an die Staatskasse, zahlbar in sechs Raten zu je 50 Euro, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Endgültig vom Tisch ist es, wenn alle Raten bezahlt sind.

Bis es dazu kam, mussten einige Klippen umschifft werden. Denn eine Einstellung, so Richter Gerhard Pries, setzt eine Einlassung des Angeklagten voraus. Damit tat dieser sich sehr schwer. Er wisse, dass er die Verletzung verursacht habe, habe aber keine Erinnerung an die konkrete Situation, sagte der Rentner am Donnerstag. „Es tut mir in der Seele leid. Ich würde es gern ungeschehen machen.“ Er habe seine Frau in über 40 Jahren Ehe nie angerührt. „Jemand, der seine Frau schlägt, ist kein Mensch.“

Der Streit drohte, aus dem Ruder zu laufen

Was er noch wusste, war, dass es zwischen ihnen beiden im Beisein der Tochter zum Streit kam. Er erinnerte sich auch noch, dass er die Polizei gerufen hat, weil die Sache drohte, aus dem Ruder zu laufen. Die Polizei kam aber nicht. Um der Situation aus dem Wege zu gehen, habe er sich dann ins Auto gesetzt und sei herumgefahren, nach einer Zeit zurückgekehrt mit der Hoffnung, dass sich alles einrenken würde. Zu Hause habe er auf der Terrasse eine Flasche Prosecco aufgemacht und alleine getrunken. „Es muss dann im Wohnzimmer gewesen sein, wo ich durchgedreht bin“, sagte er. Ihm sei klar, dass er die Verletzung verursacht habe. Aber wie, das wisse er nicht.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde das Verfahren kippen. Das Gericht hatte den Eindruck, dass der Angeklagte „blockte“. Auf Nachfragen antwortete er ausweichend. Mit Aussagen wie „er sei sich keiner Schuld bewusst“ verhielt er sich eher unglücklich. Zwischenzeitlich brauchte er eine kurze Pause. „Ich bin überfordert. Ich kann nicht mehr.“

Die Tochter, die etwas zu dem Vorfall hätte sagen können, hatte dem Gericht schriftlich mitgeteilt, dass sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen würde. Sie teilte ebenfalls mit, dass ihre Mutter ihn nicht habe anzeigen wollen und auch nicht wolle, dass er bestraft würde. Die Ehefrau wollte am Donnerstag auch nicht aussagen.

Wenn sich der Angeklagte schon nicht erinnern könne, werde er doch sicherlich mit seiner Frau über das Geschehene gesprochen haben. „Was hat Ihre Frau dazu gesagt? Wie soll das abgelaufen sein?“, wollte Richter Pries wissen.

„Sie hat gesagt, ich habe sie nicht geschlagen. Es sei ein Unfall gewesen“, sagte der Rentner. Demnach habe er in dem engen Wohnzimmer wild gestikuliert und sie dabei versehentlich getroffen.

Mit dieser Aussage konnten Gericht und Staatsanwalt leben. Sie sahen die Voraussetzungen für eine Einstellung gegeben. Damit dürfte jetzt auch der Familienfrieden wieder hergestellt sein.

Von Dagmar Simons

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