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Gelebte Inklusion im Autozentrum

Neuruppin Gelebte Inklusion im Autozentrum

Das Autozentrum Treskow beschäftigt seit acht Jahren Menschen mit Behinderung. Firmenchef Rainer Voigt ist mit den Mitarbeitern zufrieden. Zwar sei manches Mal Rücksicht notwendig, gleichzeitig seien die Angestellten nach der Einarbeitung sehr zuverlässig. Bei der Agentur für Arbeit hofft man, dass mehr Firmen Menschen mit Behinderung einstellen.

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Lothar Behnke senkt die Plattform „seines“ Transporters. Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Als sich Lothar Behnke im August 2013 beim Autozentrum Treskow vorstellte, war seine Situation schwierig. Behnkes Perspektive auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt war zu jenem Zeitpunkt schlecht. Der langjährige Fernfahrer hatte das 50. Lebensjahr bereits hinter sich gelassen, war aber nicht mehr in der Lage, seinen Job auszuüben. Mithilfe der Agentur für Arbeit kam Behnke nach Treskow. Dort hatte man bereits einige Jahre Erfahrungen mit Arbeitskräften gesammelt, die aufgrund körperlicher oder psychischer Einschränkungen als behindert gelten und von vielen Unternehmen mit Skepsis betrachtet werden.

„Anfangs waren wir auch skeptisch“, sagt Rainer Voigt, Geschäftsführer der Autozentrum Treskow Karosserie und Lack GmbH im Rückblick. „Als Unternehmen kann man schwer unterscheiden zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen. Aber wir haben uns damals dafür entschieden, sie bei uns zu beschäftigten, weil man Respekt vor 30 oder 35 Jahren Arbeit hat.“ Natürlich könnten ältere Mitarbeiter nicht mehr ganz so agil sein, sie brächten aber die Erfahrung mit, die für eine Firma notwendig sei, ergänzt der Betriebsleiter Christian Köpernick.

Schrittweise zur Verantwortung

„Man braucht manchmal ein bisschen Tolerenz“, sagt Rainer Voigt mit Blick auf seine Angestellten mit Handicap. Zwei von ihnen arbeiten am Standort Treskow, drei in Berlin. „Alle fünf sind Individualisten“, so der Chef. Entscheidend sei es, für jeden „eine lösbare Aufgabe“ zu finden. „Wenn das Arbeitsumfeld ihren Vorstellungen und ihrem Arbeitspensum entspricht, dann sind sie sehr zuverlässig“, weiß Voigt den Einsatz zu schätzen. Schließlich sei Behinderung nicht gleichzusetzen mit „blinder Rollstuhlfahrer“. Auch ein Diabetiker, der regelmäßig seinen Zuckerspiegel prüfen muss und entsprechend feste Zeiten braucht, falle beispielsweise in diese Gruppe.

Für Lothar Behnke besteht die Aufgabe in der Verantwortung für ein Abschleppfahrzeug. Mit diesem ist der 57-Jährige in der Region unterwegs, unternimmt Touren von ein bis zwei Stunden. Der gelbe Transporter hat zwar mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel, aber „es war noch nie so gut in Schuss“, lobt Rainer Voigt seinen Mitarbeiter. „Der Lkw ist sein Kind.“

Agentur für Arbeit hilft bei der Vermittlung

Die Agentur für Arbeit hat einst den Kontakt hergestellt. „Wir sind Mittler zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, bis das Vertrauensverhältnis aufgebaut ist“, erklärt Berlind Stümer von der Agentur für Arbeit. Es gehe darum, den Unternehmern die Sorge zu nehmen, einen Mitarbeiter einzustellen, der nicht belastbar genug sein könnte, und zugleich den Arbeitnehmern die Angst zu nehmen.

Aus diesem Grund kann eine Probezeit von maximal drei Monaten vereinbart werden. In dieser Zeit übernimmt die Arbeitsagentur bis zu 100 Prozent der Lohnkosten. Rainer Voigt hat bisher die Erfahrung gemacht, „dass man im Normalfall nach zwei bis drei Wochen das Gefühl hat, ob es passt." Wenn dann doch mal Probleme auftreten, habe sich bislang immer noch eine Lösung finden lassen – unter anderem gemeinsam mit dem Integrationsamt. Diese Landesbehörde ist dafür zuständig, dass die Menschen mit Behinderung mittel- und langfristig in den Unternehmen arbeiten können. Nach der Starthilfe durch die Agentur für Arbeit sind die Integrationsämter in der Folge die Ansprechpartner für die Unternehmer.

„Potenziale sehen“

Ja, es gebe eine Sonderregelung in Sachen Kündigungsschutz, sagt Jan Leistner, Leiter des Potsdamer Integrationsamtes. Diese greife nach sechs Monaten. Dann bedarf es bei der Kündigung eines schwerbehinderten Mitarbeiters der Zustimmung des Amtes. Doch in der Praxis sei dies selten ein Problem. „Die Zustimmungsquote liegt bei 80 Prozent. Wir wollen die schwerbehinderten Mitarbeiter nicht privilegieren, wir wollen nur Nachteile ausgleichen“, sagt Jan Leistner und fügt hinzu: „Die Gesellschaft, neigt dazu, die Defizite zu sehen. Man muss die Potenziale sehen.“

Der Wert der älteren Mitarbeiter – ob behindert oder nicht – zeige sich gerade im Vergleich mit jungen Leuten, betont Voigt. Die Suche nach Auszubildenden sei inzwischen eine „mittlere Katastrophe. Da sitzen die Schüler mit Pudelmütze und großen Kopfhörern in der Schule – und haben keinen Plan.“

Von Mischa Karth

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