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Gemeinnützige Jobs für Flüchtlinge

Ostprignitz-Ruppin sucht Arbeit Gemeinnützige Jobs für Flüchtlinge

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin setzt bei der Integration von Asylbewerbern künftig auch auf gemeinnützige Jobs. Mit Hazim Boinane hat die Kreisverwaltung einen Koordinator eingestellt, der helfen soll, ein Netzwerk aus Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge aufzubauen. Der 33-Jährige stammt aus Marokko, lebt aber schon lange in Deutschland.

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Hazim Boinane (l.) arbeitet für die Kreisverwaltung. Dezernentin Waltraud Kuhne ist froh über die Unterstützung.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Hazim Boinane ist ein Glücksfall für die Kreisverwaltung in Neuruppin. Sozialdezernentin Waltraud Kuhne sagt das ganz unumwunden: „Wir sind sehr, sehr froh, dass wir Herrn Boinane haben.“ Es war nicht selbstverständlich, einen Mitarbeiter zu finden, der so viele Sprachen spricht und sich noch dazu so gut in die Situation von Menschen hineinversetzen kann, die fremd sind in einem neuen Land. Hazim Boinane ist beim Landkreis so gefragt, dass er in den vergangenen Wochen erst einmal an Stellen helfen musste, die eigentlich gar nicht zu seinem neuen Job gehören. Der 33-jährige Neuruppiner wurde von der Kreisverwaltung eingestellt, um die gemeinnützige Arbeit für Asylsuchende zu organisieren. Aber in den ersten Wochen hat er vor allem gedolmetscht, zwischen Flüchtlingen und den Behördenmitarbeitern vermittelt.

Schon vor dem Studium hat er in Marokko Deutsch gelernt

Hazim Boinane stammt aus Marokko, lebt aber schon seit zwölf Jahren in Deutschland. „Ich bin 2003 als Student hierher gekommen“, sagt er. Dass es ihn damals ausgerechnet nach Deutschland verschlagen hat, lag nicht zuletzt an der Sprache. „Deutsch klingt einfach wunderschön“, sagt der verheiratete Familienvater, der seit 2008 in Neuruppin wohnt. Am Goethe-Institut in Marokko hat er angefangen, die Sprache zu lernen und sich mit dem Alltag in Deutschland zu beschäftigen, bevor er sein Studium begann. Neben seiner Muttersprache Arabisch spricht er Französisch, oft zweite Amtssprache in Marokko. Englisch hat er in der Schule gelernt und später in seinem Studium der Elektrotechnik, dazu spricht er fließend Deutsch.

Bei seiner Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann war das sicher nicht hinderlich, für seinen neuen Job beim Landkreis sind die Sprachen eine enorme Erleichterung. Viele der Flüchtlinge, mit denen der Neuruppiner jeden Tag zu tun hat, sprechen noch nicht Deutsch und wenig oder gar kein Englisch. Arabisch ist hingegen für die meisten Mitarbeiter bei Behörden, in Vereinen oder Firmen ein Problem.

Boinane soll helfen, Flüchtlinge in gemeinnützige Arbeit zu vermitteln. Bisher gibt es nur sehr wenige Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber, die meisten in den Flüchtlingsheimen. Doch dem Landkreis geht es darum, dass Flüchtlinge auch außerhalb ihrer Unterkünfte Jobs finden, von denen alle profitieren.

Gemeinnützige Arbeit soll auch helfen, Kontakte zu finden

Welche Vorgaben solche gemeinnützigen Arbeitsgelegenheiten erfüllen müssen, steht im Asylbewerberleistungsgesetz. So sollen für Flüchtlinge Jobs „bei staatlichen, bei kommunalen und bei gemeinnützigen Trägern zur Verfügung gestellt werden, sofern die zu leistende Arbeit sonst nicht, nicht in diesem Umfang oder nicht zu diesem Zeitpunkt verrichtet werden würde“, heißt es dort. Eine genauere Definition hat der Bundestag nicht beschlossen.

Für Sozialdezernentin Kuhne ist deshalb klar: „Dafür kommt eine Vielzahl von Aufgaben infrage.“ So sieht es auch Hazim Boinane. Er könnte sich vorstellen, dass Asylbewerber zum Beispiel bei den Stadt- und Gemeindebauhöfen im Kreis helfen, etwa bei Reinigungs- oder anderen Arbeiten. Aber auch Sportvereine oder soziale Einrichtungen kommen als mögliche Arbeitgeber infrage, ebenso die Arbeitsfördergesellschaften wie die EAN in Neuruppin oder die GAB in Protzen. „Wir sind gerade dabei, ein Netzwerk aufzubauen und Kontakte mit verschiedenen Trägern zu knüpfen“, sagt Boinane. Eine Herausforderung.

Die Jobs sollen den Menschen helfen, ihre neue Heimat kennenzulernen und Kontakte zu finden. „Wir streben deshalb gemischte Gruppen an“, sagt Waltraud Kuhne. Es sollten möglichst Deutsche mit Flüchtlingen gemeinsam arbeiten und nicht in getrennten Gruppen. Die Arbeit der Asylbewerber soll aber auch den Städten und Gemeinden helfen, Dinge zu erledigen, die sonst liegen bleiben würden, weil Geld oder Personal dafür fehlen. Bei der Suche nach solchen Stellen ist der Kreis allerdings noch ganz am Anfang, sagt Waltraud Kuhne.

Der Landkreis will künftig mehr für die Integration tun

Mit Hazim Boinane beginnt für den Landkreis eine neue Phase in der Arbeit mit Flüchtlingen, sagt dessen Sprecherin Britta Avantario: „Wir wollen mehr machen als nur Unterbringung.“ Künftig soll es stärker als bisher um die Inte­gration der Menschen gehen, die ihre Heimat auf der Flucht vor Krieg und Terror verlassen mussten. Im vergangenen Jahr kamen so viele Flüchtlinge hierher, dass die Ämter für Integrationsarbeit kaum Zeit hatten. „Aber wir wollen in dieser Aufgabe weiter vorankommen“, sagt Britta Avantario. Seit Beginn des Jahres hat der Landkreis auch eine eigene Inte­grationsreferentin (die MAZ berichtete). Kerstin Weiß hat Politikwissenschaft studiert und unter anderem als PR-Referentin gearbeitet. Sie lebte zuletzt in München, wo sie sich unter anderem mit der Fachkräftesituation in der Region beschäftigte. Eine ihrer Aufgaben wird es, die Angebote von Vereinen und Initiativen für Flüchtlinge zu bündeln und zu koordinieren.

Von Reyk Grunow

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